FeedDrehscheibe
TechnikBrockhaus 1882

Drehscheibe (engl. turn-table; frz. plaque tournante, plate-forme tournante; ital. piattaforma), heißt bei den Eisenbahnen (s. d.) eine Vorrichtung, welche die Überführung eines Fahrzeugs von einem Gleis auf ein anderes, unter irgend welchem Winkel laufendes mittels drehender Bewegung gestattet. Zur Unterstützung des drehbaren Gleisstücks dienen Längs- und Querträger, welche miteinander durch vertikale und horizontale Querverbindungen zu einem Ganzen (dem Scheibenkörper) verbunden sind. Dieser stützt sich einerseits auf den im Mittelpunkte befindlichen Drehzapfen, andererseits mittels mehrerer an der Peripherie angeordneter Laufrollen auf den in der Drehscheibengrube befindlichen Laufkranz und wird entweder von der Hand unmittelbar oder durch einen besondern Bewegungsmechanismus gedreht. Damit während der Überführung eines Wagens auf das Gleis der D. dasselbe genau mit einem der zu verbindenden Gleise korrespondiere, wird ihre Stellung mittels einer besondern Feststellvorrichtung fixiert. Die D. findet ausgedehnte Anwendung auf Bahnhöfen, und zwar in Wagenremisen, Werkstätten, Güterschuppen, auf Ladeplätzen, in runden oder halbrunden Lokomotivremisen zur Verbindung der strahlenförmigen Gleise, am Ende der sog. Kopfstationen und zum Rangieren auf verschiedenen Stellen der Bahnhöfe. Das zur Herstellung des Scheibenkörpers verwendete Material ist Gußeisen, Schmiedeeisen und Stahl. Nach der Art der Stützung des Scheibenkörpers unterscheidet man vier Systeme von D.: 1) D., welche sowohl im leeren als auch im belasteten Zustande nur von den in der Nähe des Umfangs angebrachten Rollen getragen werden; 2) D., welche teils in der Mitte durch den Centralzapfen, teils an der Peripherie durch die Laufrollen gestützt werden: 3) D., deren Belastung von dem mittlern Drehzapfen allein getragen wird (Krankonstruktionen); 4) D., welche im Zustande der Ruhe an dem Umfange, bei der Bewegung jedoch im Mittelpunkte ihre Stützung finden. Soll die D. nur zur Bewegung von Wagen dienen, so genügt ein Durchmesser von 4—5 m, sollen sie dagegen auch zur Drehung von Lokomotiven mit Tendern Verwendung finden, so muß sie mindestens 11, m Durchmesser haben. (S. Tafel: Eisenbahnen J, Fig. 15.)

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 5, S. 540Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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