Droysen (Joh. Gust.), namhafter Historiker, geb. 6. Juli 1808 zu Treptow in Pommern, besuchte das Gymnasium zu Stettin, studierte seit 1826 zu Berlin Philologie und Altertumswissenschaft, übernahm 1829 eine Lehrerstelle am Gymnasium zum Grauen Kloster in Berlin und habilitierte sich 1833 an der dortigen Universität, an welcher er 1835 eine außerord. Professur erhielt. Dis Studien waren damals vorzugsweise der Geschichte und Litteratur des griech. Altertums zugewandt, auf welchem Gebiete er sich namenllich als Übersetzer des AÄschylus (2 Bde., Berl. 1832; 3. Aufl. 1868) und des Aristophanes (3. Aufl., 2 Bde., Berl. 1881), sowie durch eine «Geschichte Alexanders d. Gr.» (Berl. 1833; 3. Aufl. 1880) und die Geschichte des Hellenismusv (2 Bde., Hamb. 1836 —43; 2. Aufl. 1877 —78) bekannt gemacht hat. Seine spätere Thätigkeit wandte sich dagegen mehr der neuern Geschichte zu. Als Früchte dieser Studien sind zu nennen seine Vorlesungen über die Geschichte der Freiheitskrieger (2 Tle., Kiel 1846), und das Leben des Feldmarschalls Grafen York von Wartenburgo (3 Bde. Berl. 1851—52; 7. Aufl., 2 Bde., 1875). Auch einige kleinere Arbeiten (liber das Patent vom 3. Febr. 1847 und aliber Preußen und das System der Großmächter) hängen mit diesen Arbeiten zusammen. D. wurde 1840 Professor der Geschichte in Kiel und nahm daselbst eifrig Anteil an [den Bewegungen für die deutsche Sache in den SHerzogtümern. Die sog. Kieler Adresse (1844) war von ihm verfaßt; ebenso nahm er teil an der Abfassung der Schrift der neun kieler Professoren über das «Staats⸗ und Erbrecht des Herzogtums Schleswig (Kiel 1846). Später schrieb er noch mit Professor Samwer die «Aktenmäßige Geschichte der dän. Politiko (1. u. 2. Aufl., Hamb. 1850). Als die dän. Regierung durch das Patent vom 28. Jan. 1848 eine dän. Gesamtstaatsverfassung in Aussicht stellte, empfahl D. in einer Broschüre als den einzig rechtlich möglichen die gemeinsame Beratung dän. und schlesw.⸗holstein. Vertreter, ein Vorschlag, der freilich bald durch den raschen Gang der Ereignisse und die in Kopenhagen erfolgte Umwälzung überholt ward. Die infolge dieser Ereignisse 24. März 1848 in Kiel eingesetzte Provisorische Regierung der Herzogtümer sandte D. nach Frankfurt, um den Schutz des Bundestags anzurufen, und übertrug ihm dann die Stelle eines Vertrauensmanns beim Bundestage. Später von einem schlesw.⸗holstein. Bezirk zum Abgeordneten der Deutschen Nationalversammlung gewählt, zählte er zu den entschiedensten Anhängern der erbkaiserl. und konstitutionellen Partei. Er war Schriftführer des Verfassungsausschusses, dessen Verhandlungen » (Lpz. 1849) er auch veröffentlichte. Im J. 1851 wurde D. Professor der Geschichte in Jena und 1859 in Berlin. Dort begann auf seine Anregung und unter seiner Leitung die Herausgabe der «Urkunden und Aktenstücke zur Geschichte des Großen Kurfürsteno (Bd. 1—6, Berl. 1864—72). Sein eigentliches Hauptwerk, die «Geschichte der preuß. Politiké, hat er bis zum zweiten Jahrzehnt Friedrichs d. Gr. (13 Bde. 1855—81)fortgesetzt, von denen die ersten sieben Bände in zweiter Auflage (Berl. w1868—72) erschienen sind. In den Schriften der Gesellschaft der Wissenschaften zu Leipzig und der Akademie der Wissenschaften zu Berlin sind mehrere histor.⸗kritische Aufsätze zur neuern und neuesten Geschichte von ihm veröffentlicht, unter diesen namentlich: «Das Stralendorfsche Gutachten von 16099, Zur Kritik Pufendorfso, (Zur El der preuß. Politik in den Jahren 1830—327; diese und andere wieder abgedruckt in den «Abhandlungen zur neuern Geschichter (Berl. 1876). Von seinen neuern Arbeiten ist besonders der H der Historik' (Berl. 1858; 3. Aufl. 1882) deshalb beachtenswert, weil er darin zuerst eine philos.⸗wissenschaftliche Theorie aller histor. Wissenschaften aufstellte. Auf seine Veranlassung hat die Akademie der Wissenschaften zu Berlin die Sammlung und Herausgabe der Staatsschriften Friedrichs d. Gr. sowie die der Corxrespondance politique Frédérie le Grandy begonnen. Auch hat er seine Studien zur griech. Geschichte wieder aufgenommen, wie seine Untersuchungen über die attischen Strategen, über das Finanzwesen der Ptolemäer, über Dionysius I., über das attische Münzwesen u. a. bezeugen.