Duschan (Stephan), einer der mächtigsten Herrscher und der erste Zar der Serben aus dem Hause der Nemaniiden, welche 1159 zur Herrschaft amen, daher auch Nemanzitsch IX. genannt. Seine ugend verlebte D. mit seinem geblendeten Vater tephan in Konstantinopel. Als sein Vater am 18. Jan. 1321 als König von Serbien den Thron bestieg, ward D. zum Regenten von Zeta ernannt. Die durch den immer mehr wachsenden griech. Einfluß empörten Reichswürdenträger und Aristokraten bewogen D., den Vater zu bekriegen und vom Throne zu stoßen. Stephan wurde gefangen auf die Burg Swetschan abgeführt und hier ohne Wissen D.s 1334 erdrosselt. Nach der Thronbesteigung vermählte sich D. mit Helene, Schwester des Bulgarenkönigs Alexander, und sicherte dadurch seine Stellung. Im Laufe der Zeit unternahm er 13 Kriegszüge gegen die Griechen und dehnte seine Herrschaft bis in das griech. Reich hin aus. Der Krieg 1337—40 brachte D. einige wichtige und roße Städte ein. Den Streit der griech. Kaiserin Anna mit dem Prätendenten Johannes Kantakuzenos nutzte D. zu seinem Vorteil aus, indem er ganz Macedonien (Saloniki ausgenommen) seinem Reiche einverleibte. D. ließ sich 1346 zum Kaiser krönen, nahm den Titel der Zaren und Selbstbeherrscher der Serben, Griechen und Bulgaren an und ließ zugleich seinem Sohne Urosch die Königskrone aufsetzen. Sein großes Reich teilte er in Regentschaften, entriß die serb. Kirche der Verwaltung des griech. Patriarchats und verlieh dem bisherigen Metropoliten die Würde eines Patriarchen der serb. Kirche mit dem Sitze in Ipek (Petsch). Mit den Griechen währte der Krieg fort; Kantakuzenos rief gegen den Serbenzaren die Türken zu Hilfe, aber das Glück blieb immer bei den Waffen D.s. Um die mächtig aufstrebenden Ungarn zurückhalten zu können, gab er dem Papste das Versprechen, den kath. Glauben annehmen zu wollen, hielt es aber nie, sobald er die Feinde bewältigt sah. Der Banus von Bosnien, Stephan Kotromanitsch, unternahm 1349 auf Befehl des Ungarnkönigs Ludwig 1. einen Zug gegen Serbien, der die Unterjochung Bosniens von seiten D.s zur Folge hatte. Der darauf folgende Krieg mit den Ungarn endete 1353 für D. siegreich. Matschin wurde wieder an Serbien abgetreten. Mit der venet. Republik hielt D. besondere Freundschaft. Er unternahm 1355 einen neuen Feldzug gegen die Griechen und beabsichtigte dabei, sich der Stadt Konstantinopel zu bemächtigen und den Türken das weitere Vordringen in Europa zu wehren. Ein plötzlicher Tod jedoch ereilte ihn in Djewola in Albanien (Ende Dez. 1355) und sein Heer kehrte zurück. D. war zu seiner Zeit der mächtigste Fürst im sudöstl. Europa. Ahnlich seinen Vorgängern, war D. ein großer Wohlthäter der Kirche und der Geistlichkeit. Er reformierte das serb. Reich im Innern und gab ihm Ansehen nach außen. Sein berühmtes Gesetzbuch wurde auf den Versammlungen 1349 und 1355 beraten; es dokumentiert am besten die innern Zustände des serb. Reichs, wie sich dieselben im 14. Jahrh. entwickelt und ausgebildet haben. Dieses Gesetzbuch wurde einige; mal, zuletzt unter Redaction von St. Novakovie (Belgr. 1870) herausgegeben.