FeedEdelmetalle
NaturlehreBrockhaus 1882

Edelmetalle heißen im chem. Sinne diejenigen Metalle, die von Sauerstoff und Wasser nicht angegriffen werden und sich aus ihren Sauerstoffverbindungen durch bloßes Erhitzen wieder ausscheiden lassen. (S. Metalle.) Eine besondere volkswirtschaftliche Bedeutung haben unter diesen Metallen diejenigen, die seit der Anfangsperiode unserer Kulturentwickelung als Geldstoffe gedient haben, nämlich Gold und Silber, die daher auch vorzugsweise als C. bezeichnet werden. In Rußland wurde allerdings von 1828 bis 1845 auch Platin als Material zu vollwertigen Münzen verwendet, doch gab man diesen Versuch wieder auf, teils wegen technischer Schwierigkeiten, teils wegen des steigenden Preises dieses Metalls. Die ersten sind allerdings gegenwärtig überwunden, da man das Platin jetzt in beliebigen Quantitäten schmelzen kann, aber die Verbreitung desselben ist doch zu spärlich, als daß es je eine größere Bedeutung als Geldstoff erlangen könnte. Auch eignet es sich weun zu Luxuszwecken, während Gold und Silber ursprünglich allein durch diese Art der Verwendung schon einen hohen Wert erhielten, der dann durch die ihnen übertragene Geldfunktion eine festere und breitere Grundlage erhielt. In der neuern Zeit erweist sich infolge der immer mehr gestiegenen Höhe der Geldpreise das Gold als das bequemste Geldmetall für den mittlern und größern Verkehr, weil ein der Gewicht oder Volumen in Gold einen weit größern Wert repräsentiert als in Silber. Es hat daher schon teilweise die Demonetisierung (s. d.) des Silbers begonnen. Durch die volle Durchführung derselben würde wahrscheinlich der Preis des letztern Metalls zunächst sehr tief herabgedrückt werden und später fortwährend großen Schwankungen unterworfen bleiben. Andererseits würden auch für die Volkswirtschaft während einer längern Übergangszeit Schwierigkeiten daraus erwachsen, daß das Gold allein die Dienste leisten müßte, die bis dahin von den beiden E. verrichtet wurden. Übrigens ist auch die bloß industrielle Verwendung der E. zu Schmucksachen, Geräten u. s. w. keineswegs gering anzuschlagen. Soetbeer schätzt sie für das Jahrzehnt 1871—80, nach Abzug des alten Materials, auf jährlich etwa 234 Mill. Mark Gold und 81 Mill. Mark Silber, während er für die J. 1831—40 diese Durchschnittsziffern nur zu 50 und 36 Mill. Mark annimmt. Dabei belief sich in den J. 1876—80 die durchschnittliche jährliche Produktion von Gold nur auf 474 Mill., die von Silber auf 450 Mill. Mark. Den Bestand an Goldgeld auf der ganzen Erde schätzt Soetbeer für 1880 auf 13085 Mill. Mark, den Bestand an Silbergeld auf 8400 Mill. Mark. Trotz der bedeutenden industriellen Verwendung der beiden E. war aber ihr Wert und namentlich auch ihr Wertverhältnis untereinander bisher hauptsächlich durch ihre Verwendung zur Geldprägung beherrscht, indem die Gesetzgebung der Staaten, welche den Wert der Münzen des einen Metalls gegen die des andern tarifierte oder, wie in den Ländern der Doppelwährung (s. d.), freie Prägung beider Metalle nach einem festen Wertverhältnisse gestattete, einen entscheidenden Einfluß auf das im freien Verkehr geltende Wertverhältnis ausübte. Das Verhältnis des Goldwertes zum Silberwerte scheint schon im alten Assyrien auf 13½: 1 fixiert gewesen zu sein, womit auch die Angabe Herodots ziemlich übereinstimmt, daß dasselbe unter Darius 13:1 betragen habe. Bei den Griechen stand es zu Platos Zeit auf 12: 1 und zeigte später starke lokale Schwankungen. In Rom war es in der republikanischen Zeit 11,9:1, unter dem Kaiserreiche schwankte es in der Nähe dieser Ziffer, scheint aber in der letzten Periode nach Konstantin bis 14: 1 gestiegen zu sein. Unter den Karolingern galt das Verhältnis 12: 1, bis Ende des 15. Jahrh. aber wich es allmählich in allen europ. Ländern auf beinahe 10: 1 zurück, um sich dann im Laufe des 16. Jahrh. wieder auf 12: 1 zu heben. Im 17. Jahrh. stieg das Wertverhältnis allmählich bis 15:1, und im letzten Viertel des 18. Jahrh. stellte es sich, nachdem es vorher bis nahe an 14½ 1 se leßtere Re. war, in die Nähe von 15½: 1. Diese letztere Relation wurde in Frankreich schon 1785 gesetzlich angenommen und später durch das die franz. Doppelwährung begründende Gesetz von 1803 zu einer Art von Normalwert gemacht, von welchem der freie Verkehr, weil die franz. Münzstätte eben jedes ihr In Weükt Quantum Gold oder Silber nach diesem Verhältnis zu Franken prägte, nur wenig abwich. Nach den londoner Silberpreisen fand die stärkste Abweichung zu Ungunsten des Silbers unmittelbar vor den neuen Goldentdeckungen in den vierziger Jahren statt (15,93: 1); andererseits aber war auch die ungeheuere Goldzufuhr aus Amerika und Australien nicht im Stande, das Verhältnis tiefer als 15,1: 1 herabzudrücken. Infolge der deut⸗ — Münzreform und der sich daran anschließenen Suspension der Silberprägungen in den Staaten des Frankensystems wurden der gleichzeitig vermehrten Silberproduktion die bequemsten Absatzwege versperrt und es trat seit 1873 eine Erhöhung des relativen Goldwertes ein, die, überdies noch mit einem verminderten Silberabsluß nach Ostasien zusammentreffend, das Wertverhältnis 1876 zeitweise auf 20: 1 brachte. Es folgte dann zwar wieder eine Besserung des Silberpreises, doch ist das Wertverhältnis in der neuesten Zeit immer noch in der Nähe von 18: 1 geblieben und jeder weitere Fortschritt in der Demonetisierung des Silbers wird es wieder noch ungünstiger für dieses Metall gestalten. (Bgl. Bimetallismus, Geld, Gold, Silber, Währung.) ů Cdetdlz s. unter Opal.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 5, S. 738Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Naturlehre 6