FeedEgo (lat.)
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Ego (lat.), ich; alter ego (ein zweites Ich) ist die nach Diogenes Laërtius von Zeno aufgestellte, von Porphyrius im Leben des Pythagorasy auf Pythagoras zurückgeführte Definition des Begriffes Freund; später erhielt alter ego (s. d.) die Bedeutung eines Stellvertreters der souveränen Gewalt. — Egoisieren, sich egoistisch verhalten, zu viel von sich selbst reden, alles auf sich beziehen; Egoist, ein Selbstsüchtiger (s. Egoismus); Egoität, I⸗. Egoismus oder Selbstsucht heißt diejenige Richtung des Wollens, vermöge deren unter den Motiven des Handelnden die auf seine eigene Person bezüglichen die stärksten und entscheidenden sind. Er ist deshalb so vielförmig wie die Begierden, die Neigungen und die Leidenschaften der Individuen, und erscheint in allen möglichen Formen, von der gröbsten Genußsucht bis zu den verfeinertsten Arten des Ehrgeizes u. s. f. Insofern die bei dem E. prävalierenden Triebe in dem naturnotwendigen Bedürfnis des Menschen begründet sind, kann in ihrem Vorhandensein und in ihrer Befriedigung an sich nichts Böses gesehen werden: unsittlich, und zwar die eigentliche Grundform der Unsittlichkeit wird der E. dadurch, daß jene auf die persönliche Befriedigung gerichteten Willensthätigkeiten die sittlichen Triebe verdrängen und unterdrücken. Die persönlichen Interessen bilden der Natur der Sache nach ein so kräftiges System, daß, wie die Erziehung aller Zeiten und Völker lehrt, der natürliche E. selbst benutzt werden muß, um allmählich die sittlichen Triebe erstarken zu lassen. Diese Thatsache darf aber nicht so gedeutet werden, wie es von den Theorien des Eudämonismus und Utilismus geschieht, als ob die Inhaltsbestimmungen der sittlichen Triebe aus den egoistischen ableitbar wären. (S. auch Ethik.) Egoismus im theoretischen Sinne war die im 18. Jahrh. gebräuchliche Bezeichnung für eine erkenntnistheoretische Ansicht, die man gegenwärtig meist als Solipsismus (s. d.) bezeichnet, die Ansicht, daß jedem Denkenden eigentlich nur die Existenz seines eigenen Ich gewiß sei und daß der nicht zu widerlegen sei, welcher etwa behauptete, er hielte die ganze übrige Welt, auch die andern Menschen nicht ausgeschlossen, nur für seine Vorstellungen.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 5, S. 781Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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