Ehestatistik bildet neben der statist. Erhebung der Geburten und der Sterbefälle einen Hauptteil der Darstellung der sog. Bewegung der Bevölkerung. Die Kirchenbücher und in neuerer Zeit die bürgerlichen Civilstandsregister liefern in zuverlässiger Weise das Urmaterial, aus dem die ehestatist. Zahlen zusammengezogen werden. In einzelnen Staaten und Städten besteht jetzt auch die Einrichtung, daß bei jeder bürgerlichen Eheschließung sofort eine besondere Zählkarte für die statist. Zwecke ausgefüllt wird. Die Trauungsstatistik kann sich mit denjenigen Angaben begnügen, die von den Brautleuten ohnehin zur Sicherstellung der Identität ihrer Personen und im Interesse der Rechtsordnung gemacht werden müssen. Es kommt für die Statistik, außer der Gesamtzahl der Trauungen, Familtenan in Betracht; das Alter, der bisherige amilienstand der Brautleute und die Zeit der Eheschließung; bei Wiederverheiratung von Witwen wird jedenfalls die Zeit der Lösung der letzten Ehe konstatiert werden müssen und es wird daher den und da auch von den sich wieder vermählenden Witwern dieselbe Auskunft, auch wohl eine nähere Angabe über die Zahl der frühern Chen verlangt. Zur Vervollständigung der E. müssen jedoch außer den Trauungen auch die Auflösungen der Ehen berücksichtigt werden, die teilweise durch Scheidungen, Deanit hlich aber durch Todesfälle erfolgen. Früher egnügte man sich damit, bei der Erhebung der letztern zu konstatieren, ob die Verstorbenen ledig, verheiratet oder verwitwet waren. Man konnte dann auch nur die Ziffern der durch den Tod von Verheirateten in den verschiedenen Altersstufen eingetretenen Ehelösungen, für die Dauer der Ehen aber höchstens eine hypothetische Mittelzahl angeben. In neuerer Zeit hat man nun (so namentlich auf Anregung von Böckh in Elsaß-Lothringen und in Berlin) begonnen, direkt die Dauer der durch den Tod gelösten Ehe und zugleich auch das Alter des überlebenden Teils, also das Verwitwungsalter, festzustellen. Auch die Frage nach der ehelichen Fruchtbarkeit berührt die E. Das Verhältnis der Zahl der ehelichen Geburten zu derjenigen der stehenden Chen gibt nur einen rohen Näherungsausdruck für dieselbe; daher sind jetzt auch bereits Anfänge gemacht worden, bei jeder Ehelösung die Zahl der aus derselben hervorgegangenen Kinder und außerdem bei jeder Geburt die Ordnungszahl derselben in der Che festzustellen. Andere für die C. interessante Fragen betreffen die Chen unter Verwandten, die Konfession der Brautleute, das Verhältnis der kirchlichen zu den bürgerlichen Trauungen u. s. w. (Vgl. hierüber: Bevölkerung.) Die Zahl der CEheschließungen auf 1000 Einwohner betrug im Jahr Deutsch-Preußen. Ssterreich Frank⸗ England 1869 — 8,9 8, 7,8 7, 1872 10,3 10j,3 9/,3 9,8 8,7 1873 10, 10,2 9/,3 8,9 8,8 1874 9,5 9j,7 8,9 8,3 8,5 18755 9/1 8, 8,4 8,2 8,4 1876 85,5 8,5 8,1 7, 8,3 1878 7,7 7,8 7,5 7j,5 7,6 1879 7,5 7/7 7j/6 7j/6 7/½ 1880 7,5 7,7 7j„6 7/,5 7/4 In Preußen kamen von 1000 Neugetrauten auf die verschiedenen Altersstufen Jahr. Unter 20 J. 20—30 J. 30—40 J. 40—50 J. 187¹ 8,„8 620,3 203,66 73,7 1875 14,9 656,7 231, 63,8 1876 21 666,0 233,0 62,7 187⁷ 2,0 671,5 227,0 63,3 1880 . 684,5 220,1 61,4 1873 132,5 665,4 151, 41,1 1876 9⁴,8 697,5 15⁵,1 41,1 1877 98,1 697,8 150,1 42, 1878 96, 707,0 144,2 4ʃ1, 1879 925,„6 711,4 145,0 40,2 1880 87,8 717,„8 144, 39,2 Auf 100 Trauungen kamen Cheschließungen zwischen Junggesellen und Jungfrauen (Ig. u. Ifr.), Junggesellen und Witwen (Ig. u. W.), Witwern und Jungfrauen (Wr. u. If.) und Witwern und Witwen (Wr. u. W.) Jahr. Ig. u. Ifr. Ig. u. W. Wr. u. If. Wr. u. W. 1878 81,1 5,0 9j,6 3„,3 1879 81,0 5,0 9,7 3,2 1880 81,„2 4,8 9j/7 3,2 1878 82,1 4,3 8,1 5,5 1880 82,6 4,3 7, 5,2 1876 84, 4,2 7j/9 4,0 1877 84½2 4.1 77 30 1878 84,6 4,1 7,5 3,8 1879 85,0 4,0 7j/3 3,7 Der in Preußen und England an 100 fehlende kleine Prozentteil kommt auf Ehen, bei denen ein Teil oder beide Teile Geschiedene waren. Vgl. „Movimento dello stato civile, confronti internazionalio (Rom 1882); Stieda, «Die Verehelichungen in Elsaß-Lothringen» (Straßb. 1879).