FeedEklektizismus
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Eklektizismus, im allgemeinen der Ausdruck für eine prinziplose Richtung in der Philosophie, wurde in neuerer Zeit der Name des von V. Cousin (s. d.) begründeten philos. Systems und der von ihm ausgehenden Schule. Diese Bezeichnung beruhte auf der Ansicht, daß jedes philos. System vermöge der psychologischen und der kulturgeschichtlichen I Lussteunn seiner Entstehung in seinen positiven Aufstellungen einen Kern von Wahrheit besitze und daß es deshalb nur darauf ankomme, den Gegensatz der Systeme auf Grund einer histor. und psychol. Verständigung auszugleichen. Aus dieser Tendenz des E. gingen eine große Anzahl öchst wertvoller Arbeiten über die Geschichte der hilosophie hervor, und darin besteht das bleibende wissenschaftliche Verdienst dieser Schule. Die psychol. 0. suchte der E. teils in der Anlehnung an die Schottische Schule (s. d.), womit schon vor Cousin die «Spiritualisteno Roger Collard und Maine de Bivan begonnen hatten, teils in der Erneuerung der Selbstbewußtseinslehre von Descartes (s. d.). Die Metaphysik aber, welche der E. darauf baute, war wesentlich durch die Theorien der deutschen Philosophie, besonders Schellings und Hegels, bestimmt. Das Hauptwerk der ganzen Schule ist das ausgezeichnete Dictionnaire des sciences philosophiqueso, herausgegeben von Ad. Franck (2. Aufl., Par. 1875). Der E. war die herrschende Philosophie des franz. Liberalismus um die Mitte dieses Jahrhunderts und wurde deshalb von den Extremen beider Seiten, den Klerikalen und den Radikalen, gleich heftig angegriffen. Vgl. P. Leroux, «Rékutation de L'éclecticismen (Par. 1839); H. Taine, „Les philosophes elassiques au 19“ siècle en Francey (Par. 1857). (S. auch Französische Philosophie.)

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 5, S. 928Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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