FeedElisabeth
ReligionBrockhaus 1882

Elisabeth, die Heilige, von Thüringen, geb. 1207, eine Tochter Andreas' II. von Ungarn und dessen Gemahlin Gertrud von Meran. Schon 1211 ward sie dem elfjährigen Ludwig, dem Sohne des Landgrafen Hermann von Thüringen, zur Gemahlin bestimmt, nach der Wartburg geführt und an Hermanns Kunst und Gesang liebendem Hofe erzogen, zeigte aber schon frühzeitig entschiedene Neigung für strenge klösterliche Religionsübungen. Ludwig, der 1217 nach seines Vaters Tode die Regierung angetreten hatte, vermählte sich 1221 mit ihr. Während er in ritterlichen Zügen seinen Heldenmut bewährte, übte seine Gattin daheim die stillen Tugenden der Wohlthätigkeit und Milde, spann und nähte Gewänder für Arme versah zur Zeit einer Hungersnot täglich 900 Menschen mit Speise, verschmähte alle Bequemlichkeiten des Lebens und legte sich die strengsten geistlichen Uhungen auf. Ihr Beichtvater, Konrad von Marburg, bestärkte sie in diesen Gesinnungen. Nach dem Tode ihres Gemahls, welcher auf dem Kreuzzuge Friedrichs II. 1227 zu Otranto starb, von dessen Bruder, Heinrich Raspe, mit ihrem Sohne Hermann und ihren beiden Töchtern vertrieben, irrte sie schutzlos im Winter durch die Straßen Eisenachs, da sie niemand aus Furcht vor dem Landgrafen aufzunehmen wagte. Endlich gewährte der Bischof von Bamberg, ihr Oheim, ihr und ihren Kindern auf dem Schlosse Bottenstein anständigen Aufenthalt. Heinrich Raspe söhnte sich später mit ihr aus, berief sie wieder nach der Wartburg und setzte sie in den Besitz ihres Wittums. Da sie jedoch ihr Leben in Stille zuzubringen wünschte, folgte sie ihrem Beichtvater nach Marburg, wo sie, getrennt von ihren Kindern seit 1229 ganz der Andacht, Wohlthätigkeit und Krankenpflege und dem Gehorsam gegen ihren geistlichen Berater lebte, der zwar später sogar ihre Kammerfrauen Eisentraut und Judith, deren Anblick an die vergangene Größe erinnern konnte, von ihr entfernte, im brigen aber der übermäßigen Selbstertötung seiner Pflegebefohlenen Einhalt that, selbst durch Züchtigung. Eine Gesandtschaft, durch welche ihr Vater sie einladen ließ, in ihr Geburtsland zurückzukehren, wies sie ab. Sie starb in dem von ihr errichteten Hospital 17. Nov. 1231 und wurde in der von ihr zu Ehren des heil. Franciscus gestifteten Kapelle beigesetzt. Die vielen Wunder, die ihre Gebeine bewirkt haben sollen, veranlaßten ihre Heiligsprechung zu Pfingsten 1235; ihr Todestag ward zum Tage ihrer Verehrung bestimmt. Kaiser Friedrich II. selbst nahm bei der feierlichen Erhebung der Leiche 1236 in Gegenwart vieler Fürsten und Bischöfe den ersten Stein ihres Grabmals heraus und setzte derselben eine goldene Krone auf das Haupt. über ihrem Grabe zu Marburg gründete ihr Schwager, Landgraf Konrad, Meister des Deutschen Ritterordens, einen herrlichen Dom, die St. Clisabethkirche, welche das Standbild der Heiligen auf einem umgitterten Altar und in einer verschlossenen Sakristei ihren Sarg, eine kostbare Lade, umschließt, deren viele in Silber und Gold gearbeitete erhabene Hauptgestalten E. in Gesellschaft des lehrenden und gekreuzigten Heilands und der heil. Maria, umgeben von 12 Aposteln, darstellen. Ihre Gebeine sind jedoch von Landgraf Philipp von Hessen 1539 weggeschafft worden. Durch ihre Tochter Sophie, welche mit Heinrich dem Großmütigen, Herzog von Brabant, vermählt und die Mutter Heinrichs des Kindes war, wurde sie Stammmutter des fürstl. hess. Hauses. Vgl. Justi, «E. die Heilige» (Zür. 1797; neue vermehrte Aufl., Marb. 1835); Montalembert, «Vie de Sainte-E. de Hongrien (Par. 1835 u. öfter; deutsch von Städtler, Aachen 1836; 3. Aufl. 1863); Simon, «Ludwig IV., genannt der Heilige, Landgraf von Thüringen und Hessen, und seine Gemahlin, die heil. Elisabeth von Ungarn» (Frankf. 1854); Henke, «Konrad von Marburg» (Marb. 1861);: Wegele, „Die heil. Elisabetho (in der «Histor. Zeitschrifto, Bd. 5); Kaltner, «Konrad von Marburg und die Inquisition in Deutschlando (Prag 1882).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 6, S. 56Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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