FeedEntführung
Recht & StaatBrockhaus 1882

Entführung (crimen raptus) heißt die rechtswidrige Bemächtigung einer Frauensperson gegen den Willen derselben oder wenigstens den Willen derjenigen, deren Gewalt sie unterworfen ist, oder gegen den Willen beider, und zwar zur Erzwingung der Verehelichung oder des unerlaubten Umgangs. So selten sie jetzt vorkommen mag, so äufig war sie in früherer Zeit, und unter Naturvölkern vollzieht sich dadurch sogar die Gattenwahl. Die röm. 2. die in Bertelun die CE. mit barbarischen Strafen, die in Beziehung auf die E. einer Ehefrau und einer unbescholtenen Jungfrau zum Teil in die Peinliche Halsgerichtsordnung Karls V. übergegangen sind, welche für diese Fälle den Entführer mit dem Tode und Konfiskation seines Vermögens zu Gunsten der Entführten bestrafte. Das Deuts der den Wülen der belegt (in §. 236 fg.) die E. wider den Willen der En ührten, wenn sie begangen wurde, um die Entführte zur Ehe zu bringen, mit Gefängnis, im andern Falle mit Zuchthaus. Eine E. mit Willen der Ent hrten ist dagegen nur strafbar, wenn die Entführte minderjährig und unverehelicht ist und die E. ohne Einwilligung ihrer Eltern oder ihres Vormundes erfolgt ist. Hat der Entführer die Entführte geheiratet, so tritt Bestrafung nur ein, wenn vorher die DethlePas Che für ungültig erklärt ist. Vgl. Colerg, Das E ehindernis der E.v (Halle 1869). Eutfuseln, technische Operation, durch welche der Rohspiritus in Feinspiritus oder Sprit verwandelt wird. Der in den landwirtschaftlichen Brennereien durch Destillation der vergorenen Maische gewonnene Rohspiritus ist wegen seines Gehalts an Fuselöl, durch welchen ihm ein höchst unangenehmer Geruch und Geschmack erteilt wird, kaum zur Darstellung des ordinärsten Branntweins geeignet. Für alle feinern Branntweine, für die bessern Sorten der Liqueure, namentlich aber zum Verschneiden des Weins ist nur ein Spiritus verwendbar, welcher völlig von dem Fuselöl befreit ist. Letzteres oder das E. geschieht fast nie von dem Produzenten, sondern wird in großen städtischen Raffinerien vorgenommen, von denen sich die bedeutendsten in Berlin, Hamburg, Leipzig finden. Das dabei innegehaltene Verfahren besteht in Folgendem: Der Rohspiritus wird in großen eisernen oder in Cement gemauerten Reservoirs mit seinem leichen Volumen 1%½ vermischt, wobei ein großer Teil des Fuselols, welches zwar in starkem Alkohol, nicht aber in verdünntem löslich ist, als milchige Trübung abgeschieden wird. Um dieses aus der Flüssigkeit zu entfernen, läßt man sie durch eine nzahl von untereinander verbundenen großen eisernen, mit gekörnter Holzkohle gefüllten Cylindern passieren. Gewöhnlich sind sechs solcher Cylinder oder Filter zu einer Filterbatterie derartig vereint, huur ie Flüssigkeit am Kopfende des ersten Filters einströmt, vom Boden desselben durch ein Übersteigrohr oben in das zweite Filter gelangt u. s. f., bis sie aus dem letzten Filter der Reihe soweit wie thunlich gereinigt abläuft. Da die Absorptionskraft der Geint uach ei das Fuselöl eine begrenzte ist, so erscheint nach einiger Zeit die aus dem letzten Filter ablaufende Flüssigkeit nicht mehr genügend gereinigt, was sich an dem in derselben wahrnehmbaren schwach fuseligen Geruch zu erkennen gibt. Sobald dies eintritt, wird das erste Filter der Reihe außer Betrieb gesetzt. Der darin enthaltene Spiritus fließt in das Vorratsreservoir zurück, der obere Teil des Filters wird mit einem Kühlapparat in Verbindung gesetzt und unten ein Dampfstrom eingeleitet, der, indem er die Kohle durchdringt, den von ihr noch aufgesogenen Alkohol verflüchtigt und ihn wiedergewinnen läßt; die im Filter zurückbleibende Kohle wird getrocknet, in Röhrenofen ausgeglüht und kann von neuem benutzt werden. 8 entleerte Filter wird sofort mit frischer Kohle gefüllt und wird so mit dem Filter, welches bis dahin das letzte der Reihe war, verbunden, — der von diesem kommende Spiritus in das frisch ader Reihe ubertritt, welches dadurch zum letzten der Reihe wird. Der Zufluß des Spiritus wird dann auf das Filter gestellt, welches vorher das zweite der Reihe war. So wird der Kreislauf in der Batterie ununterbrochen erhalten, derart, daß das älteste Filter ausgeschaltet wird, sobald bas zuletzt gefüllte die ersten Spuren des Fusels in dem Ablauf zu erkennen gibt. Die anze Einrichtung der ahritatton gchrauchtia entspricht der in der Zuckerfabrikation gebräuchlichen. Die vom Filter ablaufende Flüssigkeit ist genügend entfuselt, um als ordinärer Branntwein verwandt werden zu können. Zur Umwandlung derselben in Feinsprit muß sie einer Rektifikation unterworfen werden, durch welche der Alkohol von dem zugesetzten Wasser und den Resten der noch vorhandenen Verunreinigungen befreit wird. Dies 9 ieht in Destillationsapparaten, welche aus Blasen von 40—50000 1 Inhalt bestehen und mit wirksamen Rektifikations⸗ und Dephlegmationsvorrichtungen (s. unter Destillation) versehen sind. Die Flüssigkeit wird in der Blase durch in Schlangenröhren cirkulierendem Dampf zum Sieden gebracht, worauf alsbald die Destillation beginnt. Die in der kalten Rektifikations⸗ und Dephlegmationskolonne aufsteigenden Dämpfe werden zuerst fast völlig verdichtet, am Ablauf der Kühlvorrichtung erscheint dann eine Flüssigkeit, deren ltobolr Gewicht geringer als das des absoluten Allohols ist, die einen eigentümlichen, die Augen 0 Thränen Etedelt Geruch und einen Gechmack zeigt. Sie besteht vorzugsweise aus Aldehyd und ähnlichen Körpern und wird als sog. Vorlauf in einen besondern Behälter geleitet, um später, wenn sich genügend davon angesammelt hat, für sich weiter verarbeitet zu werden. Der größere Teil des Alkohols destilliert darauf als Feinsprit in einer Stärke von 95—96 Tr. Sobald das Destillat auf die Stärke von 93—92 Tr. sinkt, wird es in ein anderes Reservoir geleitet, um als geringere Sorte von Spiritus verwertet zu werden. Von da ab nimmt die Stärke des Destillats rasch ab, das dann noch Übergehende wird als Nachlauf beeichnet und wird mit dem Rohspiritus in der nächten Operation weiter verarbeitet. In der Blase bleibt schließlich fast reines Wasser zurück, während der Rektifikator eine milchig trübe Flüssigkeit ent⸗ * aus welcher sich beim ruhigen Stehen an der erfläche Fuselöl absondert, welches gesammelt und verwertet wird.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 6, S. 194Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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