Entwendung können alle strafbaren Handlunen genannt werden, bei denen jemand widerrechtich und wissentlich fremde Vermögenswerte dem Berechtigten entzieht und dieselben sich oder einem Dritten zuwendet. Es kann das gewaltsam oder ohne Gewalt, heimlich oder offen geschehen. Spuren eines solchen strafrechtlichen Begriffs finden sich heutzutage nur noch in wenigen nordischen Rechten, während sonst moderne und dem Rechtsbewußtsein des Volks fernstehende, besondere Delikte des Diebstahls, der Unterschlagung, des Raubes, der Erpressung, der Hehlerei Anerkennung gefunden haben. Am kompliziertesten hat sich das Delikt des Diebstahls gestaltet, welcher sein ältestes, charakteristisches Moment der Heimlichkeit verlor, auch nach und nach (wie z. B. im Deutschen Strafgesebuche) zu einem vicle Kontroversen erzeugenden juristischen Gebilde umgeformt wurde, derart, daß Hin tmit der Volksanschauung immer mehr verschwindet. Entwickelungsgeschichte oder Embryologie (arch.) ist die Lehre von dem Aufbau des pflanzlichen oder tierischen Embryo (s. d.) aus den Elementen der geklüfteten Eizelle und seiner allmählich fortschreitenden Weiterentwickelung zum ausgebildeten Organismus; ihr Endziel ist die Darlegung der Gesetze und Bedingungen, unter denen die Gestaltung der pflanzlichen und tierischen Organismen entstanden ist. Die E. der Tiere zerfällt in zwei Hauptabschnitte, in die Ontogonie oder E. der Einzelwesen, deren Aufgabe es ist, die allmähliche Entstehung eines jeden organischen Wesens sowie die aller seiner Formelemente und Organe von den ersten derhältuin an bis zu ihrer Vollendung in ihren Formverhältnissen genau zu verfolgen und darzuegen, und in die Phylogonie oder Zoogonie, die Lehre von der Entwickelung der gesamten Tier—⸗ welt, welche die Umgestaltungen der einzelnen Tier-Hiewe ineinander und die Reihenfolge, welche die ierwelt bei ihrem Entstehen durchlief, zu erforschen sucht. Die E. ist deshalb nicht nur ein wichtiger und wesentlicher Teil der Lehre von der Fortpflanzung und Zeugung (s. d.), sondern bietet auch wertvolle Aufschlüsse für die gesamten biologischen Wissenschaften und hat deshalb schon frühzeitig das Interesse der Naturforscher in Anspruch genommen. Schon bei Aristoteles finden sich eine Menge feiner Beobachtungen über die Zeugung und Entwickelung der Tiere, und auch die großen Anatomen der neuern Zeit, vor allen Fallopio, Fabricius, Harvey, Graaf, Malpighi u. a. haben sich eingehend mit entwickelungsgeschichtlichen Fragen beschäftigt. Als eigentlicher Begründer der heutigen E. ist indessen Kaspar Friedrich Wolff (s. d.) zu nennen, der 1759 in seiner berühmten Dissertation Theoria generationiso den wichtigen und epochemachenden Nachweis führte, daß der Embryo nur ganz allmählich durch eine Reihe langsam aufeinanderfolgender Veränderungen aus einer einfachen Anlage entsteht (Theorie der Epigenese), nicht aber, wie man bis dahin annahm, durch einfache Enthüllung schon im Ei von Haus aus vorhandener Teile (Lehre der Evolution). Von größter Bedeutung für den weitern Aufschwung der E. waren die Arbeiten von Christian Pander, der 1817 die Entstehung und weitern Umänderungen der Keimblätter beschrieb, und von Karl Ernst von Baer (s. d.), der die erste vollständige und bis ins einzelne durchgeführte Untersuchung über die Entwickelung des Hühnchens veröffentlichte und als der eigentliche Schöpfer der vergleichenden Embryologie zu betrachten ist. Die Vorgänge, welche man als Entwickelungsvorgänge bezeichnet, finden durch die Geburt des Tieres oder Menschen keineswegs ihren Abschluß, es setzen sich dieselben vielmehr bis zum Eintritt der rückschreitenden Metamorphose (Involutiono) fort, und man hat somit eine intra⸗ und extrauterine Entwickelung 1 unterscheiden. Die wichtigsten Vorgänge der etztern sind beim Menschen die Weiterentwickelung des Gebisses (erste und zweite Dentition), sowie die ur Ausbildung des Geschlechtslebens gehörigen Vorgänge. Die Geburt selbst bildet allerdings einen tiefen Einschnitt in dem Entwickelungsgange des Tieres, bezeichnet indes keineswegs eine bestimmte Etappe desselben, indem sie bei verschiedenen Gattungen an sehr verschiedene Stellen der Entwickelung fällt. So entspricht das Neugeborene der Beutler dem menschlichen Fötus etwa des 3. bis 4. Monats; gewisse Embryonen (Kaulquappe des Frosches, Maus, Hund) werden hilflos und als wenig entwickelte Tiere geboren, während Salamander, Huhn, Rind eine bereits vorgeschrittenere Ausbildung besitzen. In neuester Zeit haben sich um die Ausbildung der E. in Deutschland Bischoff, Rathke, Reichert, ohs. Müller, Remak, Kölliker, Häckel und His, in rankreich Coste, sowie Prevost und Dumas, welche den Furchungsprozeß entdeckten, in England endlich Wharton Jones, Allen Thomson und Huxley die größten Verdienste erworben. Vgl. von Baer, «E. der Tierer (2 Bde., Königsb. 1828—37); Häckel, „Anthropogenie. E. des Menschend (Lpz. 1874); derselbe, Siele und Wege der heutigen C. (Berl. 1875); His, Unsere Körperform und das physiol. Problem ihrer Entstehunge (Lpz. 1875); derselbe, „Anatomie der menschlichen Embryonend (2 Bde., Lpz. 1880—82); Kölliker, «E. des Menschen und der höhern Tiere (2. Aufl., Lpz. 1876); Foster und Balfour, „Grundzüge der E. der Tieres (deutsch von Kleinenburg, Lpz. 1876); derselbe, Handbuch der vergleichenden Embryologieoldeutsch von Wetter, Bd. 1, Jena 1880).