Ernst IV. (August Karl Johannes Leopold Alexander Eduard), Herzog zu Sachsen-Coburg und Gotha, in der Reihenfolge der coburger Speziallinie Ernst II., Sohn des Herzogs Ernst III. (I) und der Herzogin Luise, einer Tochter des Herzogs August von Sachsen-Gotha-Altenburg, geb. 21. Juni 1818 zu Coburg, erhielt eine wissenschaftliche Bildung und zeigte besondere Neigung für Naturwissenschaften und Musik. Nachdem er das 1836 in England, Frankreich und Belgien zugeracht, studierte er in Bonn besonders Staatswissenschaften und trat dann als Rittmeister in königl. sächs. Militärdienste. Nach verschiedenen Reisen in Spanien, Italien, Portugal und Afrika verließ er die sächs. Armee mit dem Range eines Generalmajors und vermählte sich 3. Mai 1842 mit Alexandrine Luise Amalie Friederike Elisabeth —1 (geb. 6. Dez. 1820), Tochter der Großherzogs Leopold von Baden. Am 29. Jan. 1844 succedierte er seinem Vater sowohl als Herzog von Coburg-Gotha als auch, gemäß den Hausgesehen, als Chef des Gesamthauses Coburg. Er suchte den langen Zwistigkeiten mit der coburger Ständeversammlung ein Ende zu machen, und vereinbarte mit ihr 1846 ein neues Wahlgesetz. In der stürmischen Zeit von 1848 und 1849 wußte er durch rechtzeitige Zugeständnisse sein Land vor traurigen Erfahrungen zu bewahren. Die Delegierten von Gotha wurden zur Beratung eines Landtagswahlgesetzes einberufen und der Abgeordnetenversammlung der Entwurf zu einer neuen Verfassung vorgelegt, die 1849 ins Leben trat. Die engere Vereinigung der beiden Herzogtümer Coburg und Gotha wurde durch das Staatsgrundgesetz vom 3. Mai 1852 zu Stande gebracht. Im J. 1849 übernahm er ein selbständiges Kommando im Kriege gegen Dänemark. Unter seinem Oberbefehl wurde 5. April 1849 der Sieg bei Eckernförde über die dän. Kriegsschiffe gewonnen. E. schloß sich dann dem sog. Dreikönigsbündnis an und veranlaßte den Fürstenkongreß zu Berlin, wo er mit Wärme für die Bedürfnisse und Wünsche des Volks eintrat. Im ital. Kriege 1859 bemühte er sich, trotz seiner freundschaftlichen Beziehungen zum Kaiser der Franzosen, eifrigst, im deutschen Sinne für ein österr.⸗preuß. Bündnis zu wirken. Durch Wiederanregung des nationalen Sinnes in Deutschland, durch den Schutz und die Förderung, die er dem Nationalverein, den Schützenfesten und andern nationalen Bestrebungen angedeihen ließ, von denen man damals eine Durchführung der Einheitsideen erwartete, machte er sich sehr populär. Da er in Bismarck eine Verkörperung der Reaktion sah, so war er ein eifriger Teilnehmer an dem von Osterreich, dessen Regierung er damals den Willen zu einer nationalen Verfassungsreform zutraute, 1863 einberufenen Frankfurter Fürstentag. Beim Ausbruch des schlesw.⸗holstein. Konflikts wirkte er beim Bundestage für die Trennung der Herzogtümer von Dänemark und für die Einsetzung des Prinzen Friedrich von Augustenburg als Herzog von Schleswig-Holstein, war auch in Paris bei Kaiser Napoleon III. persönlich thätig für diesen Plan. Vor dem Ausbruch des Kriegs, im Mai 1866, reiste er nach Berlin, um den König dadurch, daß er ein Schreiben des österr. Ministers Graf Mensdorff mitteilte, die von den Kaisern Franz Joseph und Napoleon getroffenen Abmachungen enthüllte und auf die Isoliertheit Preußens hinwies, zur Erhaltung des Friedens zu bestimmen. Als jedoch der Krieg ausbrach, stellte sich der Herzog entschieden auf die Seite Preußens und ließ seine Truppen zu der gegen Hannover und die Südstaaten operierenden preuß. Armee stoßen, als deren Bestandteil sie 27. Juni 1866 an der Schlacht bei Langensalza teilnahmen. Nachdem er bei den Kapitulationsunterhandlungen mit den Hannoveranern mitgewirkt hatte, folgte er einer Einladung in das Hauptquartier des Kronprinzen von Preußen, in ——* Gefolge er der größern Hälfte des böhm. Feldzugs beiwohnte. Als Entschädigung für die Opfer es Kriegs Überließ ihm im Okt. 1866 die preuß. Regierung die umfangreichen Waldungen in der Umgegend von Schmalkalden. Am Feldzuge gegen Frankreich 1870—71 nahm C. im Großen Hauptquartier teil. Seine Musestunden widmet E. den Wissenschaften, der Naturkunde und der Musik. Bekannt sind seine Opern «Casildav, Santa-Chiarao, Diana von Solangeso. * Volk gedrungen ist unter anderm seine vielgesungene „Hymnev. Als Frucht einer Reise, welche der Herzog mit seiner Gemahlin und zahlreicher Begleitung (darunter Friedrich Gerstäcker) vom Febr. bis Juni 1862 nach Agypten und den nördl. Grenzländern Abessiniens unternahm, erschien das Prachtwerk Reise des Herzogs E. von Sachsen-Coburg-Gotha nach Agypten und den Ländern der Habab, Mensa und Bogosv»(Lpz. 1864). Erust (Friedrich Paul Georg Nikolaus), Herzog von Sachsen-Altenburg, ältester Sohn Herzog Georgs und der Prinzessin Marie von Mecklenburg-Schwerin, geb. 16. Sept. 1826, lebte seit 1840 mit seinem Bruder Moritz zu Studienzwecken in Jena und 1843—46 in Lausanne und Genf, worauf er bis 1849 in Breslau sich den Militärwissenschaften widmete und zugleich in das dort garnisonierende Jägerbataillon eintrat. Von 1849 bis 1851 studierte er in Leipzig die Staatswissenschaften und diente 1851—53 im 1. preuß. Garderegiment zu 1 zu Potsdam. Anfang 1853 9. 7 er den aktiven Militärdienst und vermählte sich (28. April 1853) mit der Prinzessin Agnes von Anhalt-Dessau (geb. 24. Juni 1824). Wenige Monate später, 3. Aug. 1853, gelangte er dur das Ableben seines Vaters zur Regierung. Er schloß 1862 eine Militärkonvention mit Preußen, nahm Aug. 1863 an dem Fürstenkongreß in Frankfurt ersönlich teil und trat 1866 dem Bündnis mit Preußen bei. Im Kriege gegen Frankreich 1870 beteiligte er sich persönlich anfangs im Hauptquartier der zum Schutz der norddeutschen Küsten gebildeten Armee und dann in der vom We en Mecklenburg kommandierten 18. Division in Feindeslande, wo er der Einnahme von Toul und Soissons, ferner den Kämpfen gegen die franz. Südarmee, dann der Belagerung von Paris und 18. Jan. 1871 der Proklamierung des neuen Deutschen Kaisertums in Versailles beiwohnte. Nach dem Friedensschluß kehrte er im März nach Altenburg zurück. Dem Wunsche der Landschaft willfahrend, teilte er 1874 das gesamte Domanialvermögen mit dem Lande in der Weise, daß das herzogl. Haus zwei Dritteile dieses Vermögens als volles Privateigentum erhielt und dagegen auf den Bezug einer Civilliste verzichtete. Sein einziges Kind, Prinzessin Marie (geb. 2. Aug. 1854), ist seit 19. April 1873 mit Prinz Albrecht von Preußen vermählt; eventueller Thronfolger ist sein Bruder, Prinz Moritz, geb. 24. Okt. 1829, vermählt seit 15. Okt. 1862 mit Prinzessin Auguste von Sachsen-Meiningen, aus welcher Ehe außer drei Töchtern ein Sohn, Prinz Ernst, geb. 31. Aug. 1871, hervorgegangen ist.