FeedErotische
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Erotische Poesie ist demnach alle Liebespoesie, vornehmlich das lyrische Liebeslied, welches alle Stufen der Leidenschaft durchlaufen, aber ebenso in leichtes Spiel sich verlieren kann. Bei den Griechen war die erstere Gattung hauptsächlich durch Sappho letztere dur die Anakreontiker vertreten. Bei den Römern herrscht das heitere Liebeslied vor, dessen Meister Tibullus, Propertius, Catullus und Horatius sind. Die Orientalen, zumal die Perser, lassen das Sinnliche und Mystische ineinander spielen. Im Mittelalter bildeten besonders Spanier und Italiener, Franzosen und Deutsche das Liebeslied eigentümlich aus, namentlich erreichte bei den letztern im 13. Jahrh. der zarte und sinnige Minne-Kuenr eine hohe Vollendung. Jedoch blieb die usartung, namentlich bei den roman. Völkern, nicht aus; die gröbere Sinnlichkeit machte sich in derartigen Liedern oft widerwärtig breit, was vor allem von den Franzosen des 18. Jahrh., z. B. Grécourt, gilt. Die deutsche Dichtung, in welcher jedoch das Liebesgedicht vom 14. bis in das 18. kichen sehr zurücktrat, war im 17. ahrh. von gleichem Fehler nicht frei. Erst Klopstock traf wieder den edeln und echten Ton des Liebesliedes. Der vollendetste Meister desselben aber wurde Goethe; von Rackert Dichtern haben besonders Wilh. Müller, ückert, Geibel und Heine das Liebesgedicht in der schönsten Weise fortgebildet. Crotomanie (grch.) oder Liebeswahnsinn, ein krankhafter Geisteszustand, welcher den Gegensatz zum Verfolgungswahn' bildet und hauptsächlich charakterisiert wird 50 die fixe Idee, von einer Geteuschefseh meist höher stehenden) Person des andern Gesch geliebt zu werden. Es ist demgemäß die E. eine Unterart der Verrücktheit (s. d.) im Sinne der neuern Psychiatrie und allgemein betrachtet eine Störung der Intelligenz. Häufig verbindet sich indes mit jener fixen Rn auch eine schwärmerische Liebe zu der betreffenden Person des andern Geschlechts, welche wesentlich im Vorstellungsleben wurzelnd (eplatonische Lieber) jeder sinnlichen Färbung entbehren kann. Irrtümlicher⸗, beziehentlich unzweckmäßigerweise wird von ältern Irrenärzten auf diese schwärmerische Liebe bei der Definition der C. das Hauptgewicht gelegt, z.B. auch von Esquirol helten die C. als Unterform der von ihm aufgetellten Krankheitsgruppe Monomanie 1 d.Labhandelt). In der That — es Fälle von Geistesfiörung, wo als wesentliches Krankheitselement ercessive Liebe zu einer Person des andern Geschlechts, ja zu leblosen Aeben pateher Statuen) in einer das gesamte Seelenleben vollständig beherrschenden, alle andern Interessen völlig zurückdrän enden Intensität hervortritt, ohne daß sich glei hzeitig jene fixe dee einer Erwiderung der Neigung beimischt. Hier andelt es sich im wesentlichen um eine Anomalie der kellwese nicht aber der Vorstellungsthätigkeit mit teilweife sinnlicher Färbung (so glauben z. B. derartige weibliche Kranke von der geliebten Person eschwängert zu sein), ohne daß es indes zur Veretzung des äußern Anstandes, zu lascivem Gebaren u. dgl. m. kommt. Jedenfalls ist es geboten, diese letztere Krankheitsform (E. im Sinne älterer Autoren), welche sich ihrem innern Wesen nach thatsächlich der sinnlichen, sexuellen Erregung wenigstens nähert und welche in der neuern Psychiatrie eine besondere Bezeichnung noch nicht erhalten hat, von der E. im oben definierten Sinne zu trennen, da letztere meist von Mangel sexueller Triebe begleitet wird. Die E. ist in der Regel unheilbar.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 6, S. 319Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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