FeedErz
Bildende KunstBrockhaus 1882

Erz ist schon von alters her bei den Völkern deutschen Stammes (wie bei den Griechen ανανν und bei den Römern aes) der Name für das Kupfer, insbesondere aber für die Metallmischungen, in denen das Kupfer den Hauptbestandteil, Zinn, Blei oder Zink, bisweilen auch Silber, den mehr oder minder starken Zusatz bilden. Derartige Legierungen waren schon den Völkern des Altertums (den Griechen bereits in der homerischen Zeit) bekannt und wurden vor der allgemeinen Verbreitung des Eisens neben dem . auch zur Herstellung von Waffen, Schneidewerkzeugen und Schmuckgegenständen gebraucht. Aus dem ägypt. Altertum haben Hei zahllose Erzarbeiten von hoher Vollkommenheit erhalten, doch, wie es scheint, keine großen Statuen und hohlgegossene Figuren, dagegen Statuetten von Göttern, Königen und heiligen Tieren, die zuweilen eine bewundernswürdige Feinheit des Guses und der Ciselierung zeigen. Sie finden sich in allen Museen, die schönsten im Bulak-Museum bei Kairo. Außerordentlich mannigfaltig war der Gebrauch des E. zu Kunstwerken und Gerätschaften bei den Griechen und den Römern. Bei den Grieeschen, unter denen die beiden samischen Künstler Rhoikos und Theodoros (um 675 v. Chr.) für die Erfinder des kunstmäßigen Erzgusses (s. d.) gelten, bedienten sich die bedeutendsten Künstler aller Schulen, insbesondere aber der dorischen, mit besonderer Vorliebe des E. zu statuarischen Werken. Die berühmtesten Erzarten waren das delische, äginetische und korinthische. Die Römer hatten große, zum Teil kolossale Bronzestatuen, ausgezeichnet durch Reinheit und Dünne des Gusses. Die beträchtlichsten Sammlungen antiker Kunstwerke aus E., deren verhältnismäßig nur wenige auf uns gekommen, besitzt das königl. Museum in Neapel. Außer zur roßen Kunst wurde das E. im Altertum zu unzähigen Gerätschaften verwendet, zu denen es jetzt zum Teil nicht mehr verwendet wird, z. B. 6 Betten, Lagerbetten, Sesseln, Tischen, Thürverkleidungen, Truhen u. s. w., sodann zu vielen Gebrauchsgeräten des täglichen Lebens. Auch im Mittelalter,‚ besonders aber wieder in neuerer Zeit, hat man das E. zu Kunstwerken monumentaler Art benutzt, während man für Geräte und Gegenstände des ge-Wöhnlichen Lebens vorzugsweise die Bronze (s. d.), das Messing (s. d.), für besondere Zwecke, wie Glocken, Kanonen, unechten Goldschmuck, andere erzähnliche Legierungen zur Anwendung bringt. An dem zu Bildwerken verwendeten E. wird besonders die Eigenschaft geschätzt, sich nach längerer Zeit durch den Einfluß der atmosphärischen Luft mit einer schönen, grünen oder braunen Oxydschicht, der Patina (s. d.), zu überziehen. Da auch die Bewohner des mittlern und nördl. Europa in vorhistor. Zeit, bevor das Eisen das bevorzugte Material für praktische Zwecke wurde, ihre Waffen, Geräte und Schmucksachen aus einer solchen Metallmischung (Bronze) verfertigten, 0 haben neuere, vor allem nordische Altertumsforscher jene ganze Kulturperiode, im Unterschiede von dem vorangehenden Steinzeitalter und dem nachfolgenden Eisenzeitalter, als das Bronzezeitalter bezeichnet, eine Bezeichnung, welche indessen wissenschaftlich nicht festzuhalten ist. rz. .„ eine untrennbare Vorsilbe, die aus dem griech. Archi entstanden ist und sich bereits im 13. Jahrh. bei Verdeutschung der Fremdworte archidux, archiepiscopus, archipresbyter, archangelus zu Erzherzog, Erzbischof, Erzpriester, Erzengel zeigt. Später wurde diese Vorsilbe zunächst noch zu vielen andern Titeln und Würden gefügt, um den höhern Grad anzudeuten, wie in Erzamt, Erzkanzler, Erzkämmerer, Erzvater (für Patriarch) u. s. w., dann aber auch zur Bildung ahlreicher schmeichelnder, besonders aber scheltener Ausdrücke in der Sprache des gewöhnlichen Lebens verwendet. Letztere Bedeutung hat es z. B. in Erzbösewicht, Erzschalk, Erzschelm, Erzdieb, Erzketzer, Erzlügner u. s. w. Auch in dem Worte Arzt, althochdeutsch arzäat lentstanden aus dem mittellatein. archiater), hat sich diese Vorsilbe, wenn auch verkümmert, erhalten.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 6, S. 333Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 1

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Bildende Kunst 6