Erzführung besitzen, die von dieser Richtung abweichenden aber andere Erze oder vielleicht gar keine enthalten. Wenn man bedenkt, daß ein und derselbe Prozeß der Spaltenbildung, wie es die Erdbeben erweisen, in derselben Gegend vorherrschend nur Gangspalten von einer und derselben Richtung hervorgerufen haben wird, während in einer andern Zeit die Spalten auch in einer andern Richtung aufrissen, wenn man dann zugleich erwägt, daß die Ausfüllung der Spalten in der Regel bald nach deren Aufreißen gefolgt sein wird, und die fernere Wahrscheinlichkeit hinzufügt, daß in der einen Zeit diese, in der andern Zeit jene Erze vorwiegend in den Spalten abgesetzt, in einer dritten Zeitperiode vielleicht nur nichtmetallische Substanzen dort hineingeführt wurden, so erklärt sich die erwähnte Erscheinung hinlänglich und das ganze enchronch würde also in erster Linie die Folge einer chronol. Verschiedenheit sein. Vielfach ist es beobachtet worden, daß ein und derselbe Gang, welcher in seinem Verlauf mehrere Arten von Nebengestein durchsetzt, 3. B. zuerst Thonschiefer, dann Granit oder eine mehrfache Folge von Kalkstein und Melaphyr, innerhalb der verschiedenen Nebengesteine auch eine abweichende Mächtigkeit zeigt oder Gegensätze in der Quantität oder sogar in der Natur peiner Erze aufweist. Eine Regel über die Abhängigkeit einer günstigen Entwickelung der Gänge von der Beschaffenheit der durchsetzten Gebirgsmassen kann indessen nicht aufgestellt, die Erfahrungen müssen für jeden Gangdistrikt besonders gesammelt und dürfen nicht ohne weiteres verallgemeinert werden. Bei der Frage nach der Bildung der E. handelt es sich natürlich um zwei getrennte unkte, erstens wie die ursprüngliche Spalte entstanden, zweitens wie die erzführende Gangmasse hineingelangt ist. Auf die erste dieser Fragen, deren nicht schwierige Beantwortung dem Gebiete der dynamischen Geologie angehört, soll hier nicht näher eingegangen werden. Stellen wir uns die Erzgangspalten als gegeben, als klaffende Klüfte vor, so muß ermittelt werden, wie dieselben ausgefüllt worden sind. Offenbar kann man sich den Absatz der in den Gängen vorhandenen metallischen und nichtmetallischen Substanzen von vornherein überhaupt nur auf eine dreifach verschiedene Weise erfolgt vorstellen: die Ausfüllungsmaterialien stammen entweder 1) von der Erdoberfläche, also von oben, oder sie sind 2) aus der Tiefe in den Spalten emporgestiegen, kommen also von unten, oder sie rühren 3) aus dem rechts und links befindlichen Nebengestein, also von den Seiten her. Eine vierte Abkunft ist nicht denkhar. Was nun die erste Möglichkeit betrifft, daß das Material der E. von der Oberfläche her in die Spalten eingeschwemmt worden sei, die sog. Deseensionstheorie, so hat dieselbe, welche berhaupt nur einer gewissen andern Hypothese zuliebe aufgestellt wurde, schon seit Anfang dieses! ahrhunderts keinen Vertreter mehr gemmden, a jenes Material eben eine ganz anders beschaffene Natur besitzt als die auf dem Erdboden zur Verfügung stehenden Stoffe. Bedeutend günstiger steht es um die alte Ansicht, daß das Erzgangmaterial aus der Tiefe hervorgekommen sei. Wenn eine solche Abstammung angenommen wird, so gliedert sich aber schon gleich diese Theorie, die Ascensionstheorie, wieder in dreifacher Weise, je nach der speziellen Vorstellung, welche man mit dem Bildungsakte selbst verknüpft: die Erze könnten nämlich vielleicht a) in Gestalt von Dämpfen, welche sich verdichten, emporgestiegen, oder b) in einem lavaartig geschmolzenen Zustande auf den Spalten hergufgedrungen sein, oder c) als Eder Liese von Mineralquellen gelten, welche aus der Tiefe ihren Weg nach oben genommen und die in ihnen gelöst enthaltenen bracht an den Wänden der Spalten zum Absatz gebracht haben. Als das Studium der Vulkane und der vulkanischen Erscheinungen eifrig gepflegt zu werden begann, geschah es bald, daß man auch die Ausfüllung der Erzgangspalten durch vulkanische Thätigkeit vermittelt glaubte. Vielfach war in den Spalten der erkaltenden Lavaströme, in den Kratern der Vulkane die dort durch Dämpfe und Gase zu Stande gekommene Bildung von allerhand Erzen, z. B. Eisenglanz und andern Mineralien, beobachtet, mehrfach z. B. Bleiglanz in den Gemäuerfugen von Flammöfen unter Verhältnissen erzeugt wahrgenommen worden, daß er dort nur dure gegenseitige Einwirkung von Dämpfen abgesetzt sein konnte, ja es gelang, eine Anzahl geschwefelter Erze aus den Metallgasen künstlich in Krystallform zu erhalten und so diese sog. Sublimationstheorie durch das nachahmende Experiment anscheinend wesentlich zu stützen. 420 Andererseits brach sich vielfach die Uberzeugung Bahn, und sie ist lange Zeit hindurch fast herrschend gewesen, daß das Material der C. in einem feurig erweichten, geschmolzenen Zustande aus den Erdtiefen, wo man von jeher den Ursitz der schweren Metalle vermutet hatte, in den Spalten emporgestiegen sei, und in der That gibt es gewisse eigentümliche E. 6. B. die aus Magneteisen, Feldspat, Augit, Granat bestehenden), deren Material eine nähere oder entferntere Analogie mit denjenigen Massen darbietet, welche zweifellos aus einem feuerflüssigen Zustande erstarrt sind. Sie könnten also am Ende vermittelst der geschmolzenen Ausfüllung entstanden sein und durch diese sog. Injektionstheorie erklärt werden. Doch sind solche Vorkommnisse ganz außerordentliche Seltenheiten, und es steht augenblicklich allgemein fest, daß beide Hypothesen, die von der dampfförmigen Sublimation, sowie die von der feuerflüssigen Injektion auf die Bildung der unermeßlich überwiegenden Anzahl der E. keine Anwendung finden können, und zwar deshalb, weil es keineswegs metallische Erze allein sind, wovon die Gangspalten erfüllt werden, sondern diese darin innig verwachsen vorkommen mit einer ganzen Menge von nichtmetallischen Mineralien, mit Quarz, Kalkspat, Flußspat, Schwerspat u. s. w., unter Verhältnissen, daß die Bildung der einen nicht von der Bildung der andern getrennt zu werden vermag. Zur Zeit aber gilt es als ausgemacht, daß jene nichtmetallischen Mineralien hier weder aus Gasen noch aus geschmolzenen Stoffen fest geworden sind, weil sowohl ihre chem. Natur als auch ihre mikroskopische Struktur einem solchen Bildungsvorgange meistens direkt widerstreitet. Somit ist für die allergrößte Mehrzahl der E. diesen beiden Theorien der Boden vollständig entzogen. um anders und erheblich günstiger aber steht es um die dritte der oben erwähnten Ansichten, zufolge welcher man in den C. Absätze von Mineraluellen zu erblicken hat, die von unten her in den palten aufgestiegen sind und ihre gelösten Teile metallischer und unmetallischer Art an den Wänden zur allmählichen Abscheidung brachten. Die ganze materielle Natur der E., welche der Sublimations- und Injektionstheorie so unüberwindliche Schwierigkeiten entgegengestellt, ist Eerar derart, daß sie umgekehrt dieser sog. Infiltrationstheorie laut das Wort redet. Tausende von chem. Analysen erweisen, daß jene Stoffe, die in den C. stecken, wirklich in den zu Tage tretenden Quellwässern, wenngleich manchmal nur in sehr schwachen Spuren, aufgelöst enthalten sind, und andererseits haben sich die Wahrnehmungen außerordentlich gehäuft, daß die auf den E. am reichlichsten vorkommenden metallischen und nichtmetallischen Mineralien sich aus dem Wasser und nur aus dem Wasser abgeschieden haben. Ferner ist es gelungen, eine ganze große Menge von solchen Erzen und Mineralien dadurch vor unsern Augen im Laboratorium leibhaftig und in der zugehörigen Krystallgestalt zu erzeugen, daß man Gewässer, welche mit diesen oder jenen Stoffen beladen waren, bald bei gewöhnlicher, bald bei erhöhter Temperatur unter gewissen Umständen aufeinander einwirken ließ. Wenn diese Experimente ein sehr schweres Gewicht zu Gunsten derjenigen Theorie in die Wagschale werfen, welche für die Erzgangbildung den nassen Weg in Anspruch nimmt, so wird auch durch die so oft zu beobachtende symmetrische Zusammensetzung der Gänge aus einzelnen beiderseitig korrespondierenden Lagen die Vorstellung sehr gestützt, daß die Erfüllung der Spalte durch Abscheidung aus Gewässern erfolgte. Während man aber bis in die neueste Zeit in diesen innerhalb der Spalten cirkulierenden Gewässern Mineralquellen zu sehen geneigt war, die aus unbekannter Tiefe in die Höhe srattor scheint neuerdings eine etwas andere Modiefikation dieser Auffassung Beifall zu gewinnen. rMan behauptet, insbesondere nach dem Vorgang von Gustav Bischof, die Erze können allerdings nur als in Wasser gelöst in die Spalten eingeführt worden sein, aber diese Gewässer sind keine emporsteigenden Mineralquellen gewesen, sondern die gewöhnlichen Sickerwasser des den Erzgang enthalstenden Gebirgsgesteins, die auf unzähligen haarfeinen Klüftchen in den benachbarten Felsen umher⸗ „rieseln und aus ihnen jene Stoffe herauslösen und heraussaugen, welche nachher, wenn sie in die offenen Spalten gelangen, dort von ihnen zum Absatz gebracht werden. So würde also der Erzgang nicht von unten, sondern von der Seite her ausgebildet, eine Lateralsekretion sein. Es ist namentlich darauf aufmerksam gemacht worden, daß, soweit unsere Erfahrungen reichen, Quellen, welche in Spalten von unten aufsteigen, überhaupt keine Absätze irgend welcher Art an den Wänden derselben zu erzeugen vermögen. Seit undenklichen Zeiten sehen wir an denselben Punkten der Oberfläche vor wie nach Mineralquellen in ungeschwächter Stärke ausfließen, und doch hätte sich, wenn auch nur ein unendlich kleiner Bruchteil von den im Wasser gelösten Stoffen in dem Quellenspalt zum Absatz gekommen wäre, dieser durch Ausfüllung längst verstopfen müssen. Wenn es nun aber danach fraglich wird, ob der Inhalt der E. durch von unten aufsteigende Mineralquellen geliefert worden, so ist natürlicherweise für denjenigen, welcher denselben auf Gewässer zurückführt, die aus [dem Nebengestein stammen, vor allem der Nachweis nötig, daß diese rechts und links die Spalte begrenzenden Felsen denn auch in der That metallische Stoffe in sich enthalten, welche vom Wasser gelöst und in den Spalten zum Absatz gebracht sein onnten. Sandberger ist es neuerdings gelungen, in den Gemengteilen des Nebengesteins von schwarzwälder Erzgängen, namentlich in dessen Glimmer Spuren von Kupfer, Kobalt, Wismut, Arsen, auch mitunter von Silber, Blei, Zink nachzuweisen, ja lokal eine bestimmte Beziehung zwischen der Natur solcher Metalle im Nebengestein und der Erzführung der im letztern aufsetzenden Gänge zu konstatieren. Doch läßt sich nicht leugnen, daß auch dieser Lateralsekretionstheorie manche gewichtige Bedenken gegenüberstehen (ogl. z. B. Stelzner in der «Zeitschrift der deutschen Geologischen Gesellschaft6, 1879, S. 644), und daß dieselbe, wie jede der andern erwähnten, nicht geeignet ist, universell die Bildung sämtlicher E. zu erklären.