Fabliaux (von dem lat. fabuläri, d. i. unterhalten, erzählen) heißen in der ältern franz. Litteratur kleine, zum recitierenden Vortrag bestimmte Erzählungen, die namentlich Vorkommnisse im häuslichen Leben, besonders bürgerlicher Kreise 28 Gegenstand hatten und den deutschen Schwänen entsprachen. Ein Volkssänger (Jongleur), der solche ag z. Cna recitierte, hieß Fableor, im Gegensatz zu Chanteor, dem Sänger im eigentlichen Sinne, der auch zum Singen bestimmte Gedichte verfaßte oder vortrug. Früher rechnete man die legendarischen Contes und die Mirakel, sowie die satir. Dits, z. B. des Rutebuef zu den F.; mit Unrecht, wie durch die neueste vollständige Sammlung des altfranzösischen F. von Montaiglon und Raynaud (Recueil général et complet des Fabliaux du XIIIL et XIV‘ siècle, Par. 1872—80), die zuerst eine Sichtung vorgenommen hat, nun festgestellt ist; diese Sammlung enthält 109 F. Wie ich von den genannten Dichtungsgattungen die F. urch den der realen Welt, ja der gemeinen Wirklichkeit, besonders gern dem geschlechtlichen Leben entnommenen relh unterschieden, so war auch die Behandlung derselben eine mehr anekdotenhafte, humoristische und satirische, bei der nicht sowohl die Moral die Untugend verurteilt, als vielmehr die Klugheit und Schönheit die Einfalt zu Schaden bringt und dem Gelächter preisgibt. Die ältern unkritischen Sammlungen von Barbazan (3 Bde., Par. 1756; vermehrt von Méon, 4 Bde., Par. 1808), Méon (2 Bde., Par. 1823), Jubinal (2 Bde., 1205 1839—43) und in modernisierenden Auszügen egrand d'Aussy (5 Bde., Par. 1781; neue Ausg. von Renouard, 5 Bde., Par. 1829; deutsch von Lütkenmüller, 4 Bde., Halle 1795—97) blieben nicht ohne Einfluß auf die derzeitige Litteratur. Deri (Ferd.), franz. Schriftsteller, geb. 1830 zu Bédarieux, im Depart. Herault, besuchte zuerst das Gymnasium zu Bedarieux, dann die Seminare in St.⸗Pons und in Montpellier. Bald aber entsagte er dem geistlichen Stande und wurde Schreiber bei einem Notar in Paris. Sein erstes Werk, ein Band Gedichte: Peuilles de lierres (1853), hatte wenig Erfolg. In die Heimat zurückgekehrt, schrieb er unter dem Titel „Scènes de la vie cléêricalen seinen ersten von der Akademie preisgekrönten Roman Les Courbezon (1862). Dann folgten aufeinander: Julien Savignaco (1863), Mademoiselle de Malavieilles (1865), L'abbé Tigrane, candidat à la papauté, vielleicht sein Meisterwerk (1873), Le marquis de Pierreruer (2 Tle., 1874), (Barnabé (1875), „La Petite Mères (4 Bde., 1878), Le roman d'un peintres, eine romanhaft ugestutzte Lebensbeschreibung des Malers Jean zaul Laurens (1878), «L'Hospitalière, drame rustique en cindq journéeso, ein Buchdrama, die Bearbeitung eines frühern 1868 erschienenen Romans in Amyots Manier «Le chevriero (1880), und «Mon oncle Célestin, mœurs cléricales (1881). F.s Romane spiegeln die rauhe Natur der Cevennen, in denen ihre Handlung vor sich geht, wider und enthalten interessante Schilderungen und Charakterbilder aus den Kreisen der französischen Geistlichkeit.