FeedFalconet (Etienne Maurice)
Bildende KunstBrockhaus 1882

Falconet (Etienne Maurice), Bildhauer, geb. 1716 zu Vevey am Genfersee als Sohn armer Eltern, genoß eine sehr notdürftige Bildung und kam zu einem Holzschnitzer, wo er Perückenstöcke machen mußte. Selbständig begann der Knabe aber zu modellieren und zu zeichnen, bis ihn der Bildhauer Lemoine bei sich aufnahm. Das große Talent des Junglings entfaltete sich schnell, und erst 23 J. alt, wurde er für seine Gruppe des Milon, welcher den Löwen tötet, in die pariser Akademie aufgenommen. Nun strebte F. danach, seine mangelhafte Jugendbildung zu verbessern, und warf sich fleißig auf das Studium der klassischen Sprachen, Geschichte und Litteratur. Unterdessen wurde ihm eine Professur an der Akademie zuteil. Es entstanden die Figuren des Pygmalion und des drohenden Amor, welche Voltaire besang und überhaupt für sein Meisterwerk geachtet wurde. Für mehrere pariser Kirchen lieferte er gleichfalls plastische Arbeiten, so den heil. Ambrosius für die Invalidenkirche, den sterbenden Erlöser für St. Rochus. Eine große Wendung in Fi.s Leben bildete seine 1766 erfolgte Berufung an den russ. Hof durch Katharina, es beginnt seine Glanzperiode. Die Kaiserin schätzte den geistreichen Künstler hoch, verkehrte häufig mit ihm und gab ihm den Austrag, die Kolossalfigur des Zaren Peter zu fertigen, welche denselben auf einem Felsblock über eine Schlange wegreitend darstellt. Im J. 1775 war der Guß vollendet. Mit diesem Moment scheint er bei der Kaiserin Bedeutung und Ansehen verloren zu haben, zahlreiche Feinde erhoben sich gegen ihn, und namentlich durch seine polemischen Schriften gegen die damals Boden gewinnenden Kunsttheorien von Mengs und Winckelmann verbitterte er sich das Leben und Wirken. Im J. 1778 ging er nach Paris zurück, wo er 4. Jan. 1791 starb. Von seinen Schriften sind zu nennen: „Réflexions sur la sculpturen (1768; ins Deutsche und Englische übersetzt), KCollection des uvres de F. (6 Bde., Lausanne 1782). F. war neben Rafael Donner und Schlüter der bedeutendste Plastiker des 18. Jahrh. vor dem Aufkommen der anakademischen Richtung in der Kunst.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 6, S. 536Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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