FeedFäustle (Joh. Nepomuk von)
Recht & StaatBrockhaus 1882

Fäustle (Joh. Nepomuk von), bayr. Staatsrat und Staatsminister der Justiz, geb. 28. Dez. 1828 als der Sohn eines Lehrers in Augsburg, promovierte nach Vollendung seiner rechtswissenschaftlichen Studien an der Universität München, trat in die Vorbereitungspraxis für den bayr. Staatsdienst, wurde im März 1857 Assessor am Kreis⸗ und Stadtgericht Augsburg, 1858 im April Rat am Bezirksgericht Donauwörth, im März 1860 Assessor am Appellationsgericht für Schwaben, im Juli 1862 bei der Reorganisation der gesamten bayr. Justizverwaltung Vorstand des Stadtgerichts München, des größten Gerichts erster Instanz in Bayern, Ende 1864 Assessor und Referent im Justizministerium, Ende 1868 unter Fortdauer seiner Verwendung im Ministerium Oberappellationsgerichtsrat, Ende 1870 Ministerialrat und schon im Aug. 1871, an Stelle von Lutz', der das Kultusministerium unter der Ministerpräsidentschaft des Grafen Hegnenberg-Dux übernahm, Justizminister. In letzterer tellung fand F. die reichste Gelegenheit, sein hervorragendes organisatorisches Talent zu verwerten. Die Einführung der norddeutschen Bundesgesetze als Reichsgesetze in Bayern, die Vorbereitung und Durchführung der vielverzweigten Gesetzgebung der letzten 15 Jahre, insbesondere der neuen Reichsjustizgesetze, die Teilnahme an den Verhandlungen des Bundesrats, die Sorge für die Ausgestaltung der speziellen bayr. Justizgesetzgebung, die Mitwirkung an den vielfachen Reformen der innern und Finanzverwaltungsgesetze und an der praktischen Durchführung derselben, die Reform der Strafanstalten u. s. w. boten Aufgaben, die eine außergewöhnlich rüstige und energische Kraft forderten. + F.s ganzer Wirksamkeit tritt neben strengster Rechtlichkeit namentlich das Streben nach Hebung des Richterstandes, Befreiung desselben von lästigen Nebenarbeiten, Vereinfachung des formalen Dienstes als bestimmtes Ziel hervor. Unerschütterlich in Vertretung der Rechte der Krone und des Staates Bayern, hat F. wiederholt Gelegenheit gefunden, auch für das Recht des Reichs mannhaft und mit auh Mirclied der In den J. 1875—-81 war F. ö itglied der bayr. Abgeordnetenkammer als liberaler Vertreter des Bezirks Kempten (Algau).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 6, S. 611Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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