FeedFedern
TierreichBrockhaus 1882

Federn (tierischenfrz. plumes, engl. feathers). Die Verwendung der Vogelfedern ist eine äußerst verschiedene, je nachdem ich dieselben durch große Elasticität der Fahne, durch die entsprechende Eigenschaft des Kiels oder durch schöne Form und Farbe der Fahne auszeichnen. Man benutzt demgemäß die F. hauptsächlich zum Füllen der Betten (Bettfedern), zum Schreiben (Schreibfedern) und zum Schmuck (Schmuckfedern). Als Bettfedern dienen meist die Flaum⸗ und Deckfedern der Gänse, die sich durch Leichtigkeit, Weichheit und Elasticität brauchbar erweisen. Seltener werden, mit Rücksicht auf den hohen Preis, die F. der Eiderente (s. d.) oder Eidergans, die wegen ihrer Weichheit und Clasticität berühmten Eiderdunen, sowie die Flaum⸗ und Deckfedern des Schwans und Pelikans verwendet. Von weit geringerm Wert als die F. der Gänse, weil weniger leicht und elastisch, sind die der Enten und Hühner. Die Gänsefedern werden teils von den lebenden Tieren, welche dreimal des Jahres, im Frühling, Sommer und Herbst, erupft werden, teils von geschlachteten gewonnen; im Durchschnitt erhält man von einer Gans 12— 14 Dekagramm Deckfedern und 3,5 Dekagramm Flaumfedern. Die F. von lebenden Tieren (Rupffedern oder Sommergut) sind dem Verderben weniger unterworfen, besitzen mehr Elasticität und sind gewöhnlich auch reiner als die von geschlachteten (Wintergut); wiederum sind die F. von ungemästeten Gänsen (Futtergänsen) besser als die von gemästeten. Die eingesammelten F. werden an der Sonne oder in einem geheizten Zimmer sorg-Elug getrocknet, dann durch Schlagen mit leichten Stäbchen aufgelockert und durch Sieben von dem auf diese Weise abgelösten Schmutz befreit. Flaumfedern sind unmittelbar nach dem beschriebenen Reinigungsverfahren zum Gebrauch geeignet; dadandl bedürfen die Deckfedern einer weitern Beandlung. Die Kiele der letztern würden nicht nur die Weichheit und Elasticität des zu bereitenden Lagers vermindern, sie würden auch das Bettzeug durchstechen und aus demselben heraustreten. Daher müssen die Deckfedern von den steifen Kielen befreit werden, was durch Abreißen der Fahne mit den Fingern geschieht. Diese Operation, welche das Schleißen der F. genannt wird, bringt einen Gewichtsverlust von ein Sechstel bis ein Viertel mit sich. Im Handel werden die Bettfedern öfters verfälscht und zwar teils durch Vermischung mit gebrauchten F., die man an den abgenutzten Spitzen erkennt, oder mit geringwertigern F. von anderm Geflügel, teils durch Beimengung von feinem weißen Sand, Gips und andern fremdartigen Stoffen welche das Gewicht erhöhen sollen un sich durch Schütteln leicht erkennen lassen. Zu Schreibfedern werden (oder wurden, da diese Art fast völlig außer Gebrauch gekommen ist) fast ausschließlich die Schwungfedern aus den Flügeln der Gänse benutzt, am besten diejenigen, welche den Tieren zur Mauserzeit, im Mai oder Juni, ausfallen oder ausgezogen werden. Von den Schwungfedern jedes Flügels sind für den betreffenden Zweck nur die fünf erten brauchbar. Durch die Zurichtung der rohen Kiele wird die Eurh derselben erboht und ein gewisser Grad der prödigkeit hervorgebracht, der zufolge sich die F. gut, d. h. ohne Zähne spalten lassen; außerdem wird die die Kiele im natürlichen Zustande überziehende Haut, sowie das an ihnen sitzende Fett entfernt, welch letzteres das Anhaften der Tinte verhindern würde. (Im übrigen s. Schreibfedern.) Die Bearbeitung der Schmuck⸗ oder Putzfedern stimmt im allgemeinen für alle Sorten mit der im Nachstehenden beschriebenen Zubereitung der Straußfedern überein. Von den verschiedenen Arten der Straußfedern sind die vom Männchen die weißesten und schönsten, und von diesen sind die am hintern Ende des Rückens wachsenden sog. Bürzelfedern die vorzüglichsten; darauf folgen die Schwungfedern der Flugel, während die Schwanzfedern die geringste Sorte bilden. Um die 0 zu reiaebim werden je zwei mit Bindfaden zusammen5 undene Partien derselben in einen geräumigen Behälter voll warmen, zu 4. Rinn geschlagenen Seifenwassers gebracht, einige Minuten lang mit den Händen tüchtig durchgearbeitet und in reinem warmen Wasser gewaschen. Hierauf werden die F., um sie ganz weiß zu machen, auf ähnliche Art wie die Strohhüte geschwefelt, gebläut, indem man sie durch kaltes Wasser, dem eine schwache 38d don lösung beigemischt ist, hindurchzieht, in ein ad von Wasser und etwas eingerührter Stärke oder geschlämmter Kreide gebracht, in warmem Wasser ausgespült und auf Bindfaden zum Trocknen aufgehängt, wobei sie von Zeit zu Zeit geschüttelt werden. Sind die F. so weit fertig, so schabt man die Schäfte mit einem Glasscherben, um sie möglichst biegsam zu machen. Die Fahne wird alsdann mit der Schneide eines stumpfen Messers gestrichen, wodurch sie das hübsche gekräuselte Ansehen erhält. Diejenigen F., welche eine unangenehme schmutzige Farbe besitzen, werden meist schwarz gefärbt; gan; weiße F. nehmen selten ein so schönes Schwarz an wie die von Natur grauen. Um andere Farben zu färben, müssen die F. zuvor an der Sonne und im Tau gebleicht werden, wobei man sie mit den Kielen einzeln in den Rasen steckt; nach 14 Tagen werden sie gut mit Seife gewaschen und gefärbt. Erwähnenswert ist noch das Dressieren, eine Arbeit, durch welche die Geraderichtung des Schafts so- wie die regelmäßige Ausbreitung der Fahne bezweckt wird. Sehr dicke Schäfte werden hierbei an der Unterseite zum Teil weggeschnitten und mit Glas glatt geschabt, um sie dünn und biegsam zu machen. Die letzte Operation bildet das Frisieren oder Kräuseln, durch welches der F. eine 3n Krümmung und der Fahne gelocktes Ausse en erteilt wird. Diese Operation wird dadurch ausgeführt, daß man die F. mehrmals zwischen dem Daumen und einer stumpfen Messerklinge hindurchzieht, oder, was indes nur bei schwerern

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 6, S. 631Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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