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ErdkundeBrockhaus 1882

Fellin, mittelhochdeutsch Vellin und Viliende, korrumpiert aus dem estnischen Wilsändi (die Kornspendende), Kreisstadt im russ. Gouvernement Livland, am Fellinschen See, hat zum Teil bergige Straßen, drei Kirchen und eine Synagoge und zählt (1881) 5322 C., meist Deutsche und Esten, die einen bedeutenden Handel mit Flachs, Leinsaat und Getreide treiben. F. besitzt ein Landesgymnasium nebst Vorschule, gegründet von der livländ. Ritter- und Landschaft, % höhere Töchterschulen und neun Elementarschulen, alle mit deutscher Unterrichtssprache. Außerdem hat F. eine Litterarische Gesellschaft, deren Arbeiten in ihren Jahresberichten » seit 1882 erscheinen, verbunden mit einem Provinzialmuseum, einen landwirtschaftlichen Verein, einen Handwerkerverein nebst Fortbildungsschule, Bibliothek und Theater, die alle von Deutschen gegründet wurden. F. ist Sitz des 1630 gees Pernau-⸗Fellinschen Kreisgerichts. Bereits vor Ankunft der Deutschen war F. eine Estenburg in der Provinz Sakkala, bis sie 1211 von den deutschen Schwertrittern nach sechstägiger Belagerung erobert wurde. Die Sakkalaner aber befreiten sich jedoch schon 1212 und lebten in ihrer aristokratisch-republikanischen Verfassung weiter, bis sie 1217 abermals von den Schwertrittern be-Aherr wurden und das Christentum annahmen. Aber 29. Jan. 1223 bereiteten sie den Rittern in der Schloßkirche zu F. ein furchtbares Blutbad und sagten sich vom Christentum los. Indessen mußten sie schon 15. Aug. desselben Jahres sich dem livländ. Ordensmeister Volquin unterwerfen und von neuem die Taufe annehmen. Allmählich entstanden nun unter dem Schutze der Burg F., welches die erste Komturei Livlands wurde, die Stadt „die sich 1280 dem Hansabunde anschloß. Im J. 1481 wurde der livländ. Ordensmeister Bernhard von der Borg von den Russen bei F. geschlagen, Burg und Stadt von den dandee zerstört. Noch im nämlichen Jahre wieder aufgebaut, wurde die Stadt 1502 abermals von den Russen verwüstet und erst nach acht Jahren unter der Regierung des livländ. Ordensmeisters Plettenberg wieder awherbant⸗ Fürst Kurbsky, der Feldherr Iwans des Schrecklichen, belagerte 1560 mit 80000 Russen die Burg F., welche nach vierwöchentlicher resultatloser Belagerung durch den Verrat der Soldtruppen Kart v freien Abzug den Russen überliefert ward. Karl von Södermanland zwang 4. Nov. 1600 die Burg F. zur übergabe, aber bereits 19. Mai 1602 nach achtwöchentlicher tapferer Gegenwehr mußte der schwed. Kommandeur Arwid Tönnison Wildemann F. den poln. Feldherren Zamoisky und Wuschwed.G. übergeben. Nach sechs Jahren jedoch vom schwed. General Kaspar Krause 20. Aug. 1608 wieder erobert, wurde die Burg zerstört und den Polen überlassen. Erst als Livland 1625 schwedisch und namentlich seit es 1710 „russisch wurde, erholte sich die Stadt allmählich. Felling, Stadt in der engl. Grafschaft Durham, 3 km im SO. von Hersar an der Nordost⸗ „Eisenbahn, unfern des großartigen Viadukts über iden Tynefluß, zählt (1881) 17137 EC. 130

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 6, S. 665Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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