Grobin (lettisch Grobihne), Kreisstadt im russ. Gouvernement Kurland, Sitz des Hauptmanns und des Kreisgerichts der Landschaft gleichen Namens, in flacher Gegend, unweit des Flüßchens Alant, Station der Linie Libau-Koschedary (Libausche Bahn) der Libau⸗-Romnybahn, an der Straße von Mitau nach Libau, zählt (1881) 1858 E., meist Juden, und hat vielbesuchte Märkte. Die Stadt G. besteht nur aus einer Straße, die aber über eine Werst lang ist, und besitzt eine luth. Kirche, in welcher deutsch und lettisch gepredigt wird. Im 13. Jahrh. erbaute der livländ. Ordensmeister Dietrich von Gröningen hier die Burg G., wo bald die Stadt entstand, welche indessen erst 1695 vom kurländ. Herzog Friedrich Kasimir als solche anerkannt wurde. Dieselbe hatte ehemals einen jetzt versandeten Hafen an der Ostsee und trieb Seehandel. Zur livländ. Ordenszeit war die Burg G. eine der acht Ordenskomtureien Kurlands, unter dem Herzogtum zeitweiliges Residenzschloß und in russ. Zeit seit Anfang des 19. Jahrh. Ruine.