FeedFeodor Iwanowitsch
Bildende KunstBrockhaus 1882

Feodor Iwanowitsch, genannt Feodor der Kalmuck, Maler und Kupferstecher, geb. um 1765 in einer Kalmückenhorde an der russ.hines. Grenze, wurde 1770 von den Russen gefangen genommen und nach Petersburg gebracht, wo ihn die Kaiserin Katharina in ihren besondern Schutz nahm und ihm in der Taufe den Namen Feodor 9 der damabeilegte. Später überließ sie ihn jedoch der damaligen Erbprinzessin Amalie von Baden, die für bem weitere Ausbildung Becker sorgte. Nachem er die Schule in Karlsruhe besucht und einige Zeit im Philanthropinum zu Marschlins gewesen war, entschied er sich fr Malerei. Gut vorbreitet, ging er nach Italien und blieb sieben Jahre in Rom, wo sein Kunsttalent sich vielseitig entwickelte. Von hier aus begleitete er als Zeichner den Lord Elgin (. d.) nach Griechenland und dann nach London, um die Aufsicht über den Stich des Elginschen Werks zu führen. Nach einem dreijährigen Aufenthalt daselbst kehrte er nach Karlsruhe zurück, wo ihn der Großherzog Karl Friedrich 1806 zum Hofmaler ernannte, welche Stelle er bis zu seinem Tode (27. Jan. 1832) bekleidete. Durch anhaltendes Studium der Antike und der alten florentin. Meister hatte er sich deren strengen, großartigen Stil vollkommen angeeignet. Am glücklichsten bewegte er sich im Clairobscur, weil er sich hier infolge seiner Neigung zum Plastischen mehr dem Relief nähern konnte. Zu seinen Hauptwerken gehört das 1820 vollendete Altarblatt mit der Auferstehung Christi. In seinen Köpfen zeigt sich eine große Mannigfaltigkeit und Individualität; nur eins ist ihm fremd: die weibliche Anmut. Meisterhaft radierte er verschiedene Blätter, namentlich die Bronzethüren von Ghiberti und die Kreuzabnahme nach Daniel da Volterra. Raunant, oder Kaffa, tatar. Kefé, Kreis⸗ und Hafenstadt, Sitz eines Erzbischofs, im russ. Gouvernement Taurien, an der Südostküste der Halbinsel Krim, an einem Busen des Schwarzen Meers und dem Abhange eines Bergs in malerischer Umgebung gelegen, ist schön und wohlgebaut, hat fünf Gotteshäuser, eine Douane und eine Quarantäne, eine öffentliche Bibliothek, ein Museum der in der Umgegend gefundenen Altertümer, einen botan. Garten, eine Kreisschule, Seebäder und zählt (1882) 8482 E., welche Franzbranntwein, Seife, Talglichte, Teppiche und Baranjen verfertigen, sowie Austernfang und Bereitung von Kaviar betreiben. Der Hafen ist sehr geräumig und tief, hat guten Ankergrund, ist außer im Osten gegen alle Winde geschützt und gilt nächst dem von Sewastopol als der beste der Krim. F. hat nicht unbeträchtlichen Handel und große Magazine, und es kommen hier bedeutende Karawanenzüge an. Die Hauptausfuhrartikel sind Getreide, rohe Häute und Wolle. Außerhalb der Stadt haben Zigeuner ihre Hütten. Auch liegen in der Umgegend einige Tatarendörfer und nahe im Nordwesten liegen am Döllitzer Berg die deutschen Kolonien Heilbronn, Zürichthal u. a. Der Name F. ist von den Russen der altgriech. großen und berühmten Handelsstadt Theodosia oder Theudosia entlehnt, einer milesischen Kolonie, welche mit Griechenland, besonders auch mit Athen in lebhaftem Verkehr stand und dorthin Getreide, Sklaven, Bauholz, Häute und Honig ausführte. Nachdem dies Theodosia gegen die Mitte des 2. Jahrh. n. Chr. zerstört war, trat das ältere Capha an seine Stelle, und in dessen Nähe entstand erst 1266 das neue Capha oder Caffa der Genueser, seit 1318 auch Sitz eines röm.Kath. Bischofs. Letzteres blühte bald zu einem mächtigen Emporium auf und war sehr stark befestigt, fiel aber durch Verrat 4. Juni 1475 in die Hände des türk. Sultans Mohammed II. Die Zahl der Bewohner war damals auf 100000 gestiegen und die Stadt die größte der Krim. Sie wurde 1770 von dem russ. General Dolgoruki mit Sturm eingenommen und 1774 dem Tatarenchan der Krim abgetreten, der sie zu seiner Residenz machte. Doch schon 1783 trat sie der Chan mit seinem ganzen Lande an Rußland ab, dessen Besitzstand der Friede zu Jassy 1792 anerkannte. Seitdem sank die Stadt, die schon unter der türk. Oberherrschaft herabgekommen war, immer mehr, obschon ihr Hafen 1798 zum Freihafen erklärt wurde; die Türken wanderten aus. Zur Zeit der Saison ist F. wegen seiner Seebäder der Lieblingsaufenthalt der feinen Welt von Simferopol. Meerenge von Kaffa oder Feodosia hieß früher der Sund zwischen dem Schwarzen und Asowschen Meere, der Bosporus Cimmericus der Alten. etzt wird jedoch dieselbe nach der an ihr selbst geegenen Stadt Kertsch oder der nahe dabei entstandenen Festung Jenikalé benannt.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 6, S. 678Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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