FeedFerdinand Friedrich
GeschichteBrockhaus 1882

Ferdinand Friedrich, Fürst von Anhalt, geb. 25. Juni 1769 als erster Sohn des Fürsten Friedrich Erdmann von Anhalt-Pleß, trat 1786 in preuß. Kriegsdienst und zeichnete sich 1792 — 94 in den Feldzügen am Rhein aus. Er übernahm 1798 die Güter seines Vaters und lebte zu Pleß in Oberschlesien, machte auch mehrere größere Reisen, trat jedoch 1806 wieder in den aktiven Militärdienst. Nach der Schlacht bei Jena schlug sich F. bei Zehdenick mit seinem Regiment glücklich durch, wurde jedoch gegen die österr. Grenze gedrängt und auf böhm. Gebiete von den Osterreichern entwaffnet. Er nahm hierauf den Abschied, bereiste Holland und Frankreich und lebte dann zu Pleß. Im J. 1813 trat F. an die Spitze des schlesischen Landsturms und entwickelte bei dessen Organisierung eine hervorragende Thätigkeit, vermählte sich dann 1816 mit Gräfin Julie von Brandenburg, der Tochter König Friedrich Wihelms II. und dessen Gemahlin linker Hand Gräfin Dönhoff, und trat 1818 den Besitz des Herzogtums Anhalt-Köthen an, nachdem der unmündige Herzog Ludwig gestorben; sein Bruder Heinrich erhielt die Standesherrschaft Pleß. Im J. 1821 brachte F. die über die Grenzzölle und Verbrauchssteuern mit Preußen entstandenen Streitigkeiten vor die Bundes versammlung, schloß jedoch 1828 dieserhalb mit Preußen und Anhalt-Dessau einen Vergleich ab. Im — 1825 trat F. zu Paris mit seiner Gemahlin zur kath. Kirche über, was im Herzogtume vielfach gemißbilligt wurde. Er starb geb. 31. Okt. 1636 zu München, ältester n Maximilians I. aus dessen zweiter Ehe mit Maria Anna, Kaiser Ferdinands II. Tochter, ward von Er vermählte sich 11. Dez. 1650 mit Henriette Adelheid, der 14jährigen Tochter Victor Amadeus von Savoyen, und folgte 27. Sept. 1651 seinem Vater in der Regierung. Anfangs von seiner Mutter, dann besonders von seiner bigotten Gemahlin beeinflußt, begegnete er sich mit seiner Umgebung in dem Bestreben, dem Katholizismus im Herzogtum immer festere Wurzeln .½½½½% Daneben war es sein Bemühen, die Wunden, welche der Dreißigjährige Krieg dem Wohlstand des Landes geschlagen hatte, zu heilen. Landwirischaft, Handel und Industrie hoben sich unter seiner fried: fertigen Verwaltung. Hierin, wie in der schroffen 5 ch Neigung zu glanzvoll fürstl. Hofwesen ler ist der Erbauer der E össer Berg und Nymphenburg, die Sammlungen 8 danken ihm viele Schätze), wetteiferte F. mit den meisten seiner Standesgenossen. Der Politik des Friedens blieb er trotz schwerer Versuchungen, die an ihn herantraten, treu. Im J. 1657 lehnte er den Antrag Frankreichs, ihm die Kaiserkrone auf Kosten der Freundschaft mit Osterreich zu verschaffen, besonders durch den Einfluß seiner Gemahlin geleitet, ab. Dann, nach der Abwendung von Habsburg, war er die Seele des deutschen Fürstenbundes, der im Kriege gegen Frankreich seit 1673 die Neutralität zu behaupten suchte. Ganz ohne Kämpfe wußte sich auch F. nicht in dieser kriegerischen Epoche zu erhalten; 1655 stritten seine Truppen gegen die Waldenser um Pignerolo, 1661—64 gegen die Türken in Ungarn, 1669 gegen dieselben auf Candia, 1672 unter seinem Schwager von Savoyen gegen Genua. F. starb 26. Mai 1679 zu Schleißheim.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 6, S. 686Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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