FeedFernkorn (Ant. Dominik)
Bildende KunstBrockhaus 1882

Fernkorn (Ant. Dominik), deutscher Bildhauer und Erzgießer, geb. zu Erfurt 17. März 1813, wandte sich, nachdem er als Mechaniker, Erzgießer und in andern Fächern gearbeitet, der Bildhauerei zu und arbeitete drei Jahre in Stiglmayers Gießerei in München. Während derselben Zeit (1836—40) besuchte er die Akademie und das Atelier Schwanäthalers, der dem Kunststreben F.s eine ernste, ideale Richtung gab. F. siedelte 1840 nach Wien über. Anfangs mit kleinern Arbeiten beschäftigt (wie seine sechs Figuren aus den «Nibelungeno für den Grafen Reichenbach), gewann seine Thätigkeit einen höhern Aufschwung, als ihm Graf Montenuovo eine überlebensgroße Brunnenfigur für sein Palais in Wien übertrug, den heil. Georg zu Pferde im Kampfe mit dem Drachen, ein kolossales Reiterbild. Der Gegenstand ist vom Künstler dramatisch aufgefaßt, voll Leben in den Linien und der Anordnung und mit größtem Fleiße durchgeführt. Mit diesem Werke war dem Künstler die Bahn zu einer länzenden Thätigkeit geöffnet. Er vollendete 1858 sechs Kaiserstatuen für den Dom zu Speier. Da F. sich speziell auf Erzateßerei verstand, so wurde von der Regierung eine Kunsterzgießerei etabliert und ihm deren Leitung anvertraut. Aus derselben ging das berühmteste Werk F.s hervor: das kolossale Reiterbild des Siegers von Aspern, des Erzherzogs Karl, welches 22. Mai 1860 auf dem äußern Burgplatze enthüllt wurde. Für das Schlachtfeld von Aspern meißelte er einen kolossalen Löwen in Sandstein. Schon früher hatte er eine kolossale Büste von Radetzky ausgestellt, die gleichfalls viel Beifall fand. In nächster Zeit beschäftigte er sich mit dem Modellieren der Eugen-Statue, die als Gegenstück dem Karl-Monument gegenüber zu stehen kommen sollte. Auch der Guß der von Gasser modellierten Statue der Maria Theresia für den Park der Militärakademie in Wiener-Neustadt ward von F. mit dem glücklichsten Erfolge geleitet. Nachdem das Modell des Eugen-Monuments 1862 ausgestellt war, vergingen drei Jahre, bis es in Erz ausgeführt war und im Okt. 1865 enthüllt werden konnte. So vollendet dasselbe als Kunstwerk für sich erscheint, so gewährt es durch die gedrungene Figur des Helden und die Massivität des Pferdes einen etwas schwerfälligen Anblick, was durch die leichte Bewegung seines Gegenstücks noch mehr hervortritt. Früher schon arbeitete F. am Modell einer Jellachich-Statue für Agram, sowie er ein gleiches des Dichters Friedr. Hebbel vollendete, das in Marmor ausgeführt wurde; auch vollendete er das Monument für Ressel, den Erfinder der Dampfschraube, in Wien und sollte sechs Statuen von Kundtmann für die Schwarzenberg-Brücke gießen, als plötzlich (1866) eine Geisteskrankheit seiner künstlerischen Thätigkeit ein Ende setzte. Er starb 16. Nov. 1878 in der niederösterr. Landesirrenanstalt am Brünnlfeld bei Wien. In Fis Stil verbindet sich die idealistische Schablonenhaftigkeit der Richtung Schwanthalers mit gewissen romantischen Elementen. Anzuerkennen ist die Ursprünglichkeit seiner Empfindung und eine dramatische N0 in der Komposition. ernow (Karl Ludw.), deutscher Kunstschriftsteller, geb. 19. Nov. 1763 zu Blumenhagen in der Ukermark, kam in seinem 12. Jahre als Schreiber zu einem Notar und dann bei einem Apotheker in die Lehre und begab sich hierauf nach Lübeck. Schon früher hatten ihn Malerei und Dichtkunst angezogen; von neuem wurde er für sie entzündet durch die Bekanntschaft mit Carstens. Nachdem er der Pharmacie entsagt, begab er sich nach Jena, wo er die Bekanntschaft Reinholds machte und in dessen Hause Baggesen kennen lernte, der ihn mit nach Italien nahm. Als Baggesen zurückkehrte, fand F. an dem Baron Herbert und dem Grafen Burgstall Gönner, die ihn in den Stand setzten,‚ sich 1794 nach Rom zu begeben und sich dort längere Zeit aufzuhalten. Hier, wo er mit Carstens wieder zusammentraf, studierte er die Theorie und Geschichte der Kunst, sowie die Sprache und die Dichter Italiens. Er kehrte 1802 nach Deutschland zurück und wurde hierauf außerord. Professor zu Jena, 1804 Bibliothekar bei der verwitweten Herzogin Amalie zu Weimar. Hier starb er 4. Dez. 1808. Von seinen Schriften sind zu erwähnen: das «Leben des Künstlers Carstens » (Lpz. 1806), „Ariostos Lebenslaufv (Zür. 1809), die Abhandlung «über den Bildhauer Canova und dessen Werkey Gür. 1806), vor allem seine reichhaltigen „Röm. Studien » (3 Bde., Zür. 1806—8). Vgl. Johanna Schopenhauer, «F.s Leben» (Tüb. 1819), vollständiger in ihren „Sämtlichen Schriften (2. Aufl., Bd. 1 u. 2, Lpz. 1834).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 6, S. 697Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 5

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Bildende Kunst 6