Ferré (Theophile Charles), Mitglied der pariser Commune 1871, geb. 1845 zu Paris als Sohn eines herrschaftlichen Kutschers, trat jung in die journalistische Laufbahn ein, schrieb für die Vorstadtzeitungen und hielt in öffentlichen Versammlungen revolutionäre Reden, wodurch er sich mehrfache Bestrafungen zuzog. Nach dem Sturze des Kaiserreichs stellte er in den Versammlungen der Radikalen während der Belagerung von Paris die extravagantesten Anträge und beteiligte sich an den Aufstandsversuchen der Sozialisten am 31. Okt. und 1. Nov. 1870. Beim Communeaufstande 18. März 1871 nahm F. an der Ermordung der Generale Thomgs und Lecomte teil und wurde 26. März zum Mitgliede der Commune gewählt, in welcher er nacheinander die Amter des Schriftführers, Mitglieds des Sicherheitsausschusses, stellvertretenden öffentlichen Anklägers und Chefs der Polizei bekleidete. F. veranlaßte eigenmächtig eine große Menge Veraftungen, ordnete während der letzten Tage der Commune mehrfach summarische Hinrichtungen an, bewaffnete 27. Mai die gefangenen Verbrecher und ließ durch dieselben eine große Zahl von politisch Verdächtigen (darunter 70 Polizeisoldaten) in der Gefängnissen ermorden. Während des Straßen kampfes veranlaßte F. die Brandstiftung in der Polizeipräfektur und im Finanzministerium, wurde sodann 14. Juli in Weiberkleidern gefangen genom! men, vom Kriegsgericht einstimmig zum Tode verurteilt und 28. Nov. 1871 erschossen. F. hat weder während der Belagerung von Paris durch die Deutschen noch während des Communeaufstandes jemals an einem Gefecht teilgenommen; er war ein mißgestalteter Zwerg mit sehr langem Kopfe, starkem Haarwuchs und einer ungewöhnlich langen Hakennase; seine schwarzen Augen hatten einen ekstatischen Ausdruck. Er und Rigault waren die Urheber der meisten Schandthaten der Commune.