Filangieêri (Carlo), Fürst von Satriano und Herzog von Taormina, ältester Sohn des vorigen, geb. 10. Mai 1784 zu La Cava bei Salerno, studierte Mathematik und ging nach den Umwälzungen von 1799 nach Frankreich. In dem sog. Prytaneum, nachmals in der Militärschule von St. Cyr gebildet, machte er als Offizier in der 33. Halbbrigade seine fünf ersten Feldzüge mit und focht bei Austerlitz. Nachdem er 1806 der neapolit. Armee Joseph Bonapartes zugeteilt worden, war er als Generalstabskapitän unter Masseéna bei der Belaerung Gaetas, dann in Calabrien gegen die Engänder und Sicilianer thätig. F. folgte 1808 Joseph, dem nunmehrigen König von Spanien, nach dessen neuem Reiche, wo er unter Soult und bald darauf in Napoleons persönlicher Umgebung diente,‚ wurde dann in die Heimat zurückgesandt, wo Joachim Murat ihn in seine unmittelbare Nähe zog und bis zu seinem Sturze bei sich behielt. Er war Maréchal de Camp und Generaladjutant, als 1815 Murats verhängnisvoller Feldzug gegen Osterreich begann. Am 4. April wurde F. beim Übergang über die von Bianchi verteidigte Panarobrücke zwischen Bologna und Modena der Schenkel zerschmettert. Auf dem Schlachtfelde zum Generallieutenant ernannt, blieb er nach Murats Sturz als Generalinspektor der Infanterie im Dienst. Von 1821—48 blieb F. außer Thätigkeit, mit Studien, Reisen, Bewirtschaftung der Eisenwerke von Satriano u. s. w. beschäftigt. Als im Sommer 1848 die Expedition gegen Sicilien von Ferdinand II. beschlossen war, wurde F. 29. Aug. zum Kommandanten der Land⸗ und Seetruppen ernannt, ging von Reggio aus über die Meerenge und nahm 7. Sept. Messina nach 48stündigem Kampfe. Von hier rückte er 30. März 1849 aus und zog 15. Mai in Palermo ein. Der Kampf bei Taormina (3. April) und die drei Tage später erfolgte Eroberung von Catania waren die bedeutendsten Ereignisse dieses Feldzugs. Am 9. Okt. wurde F. zum Statthalter auf der Insel ernannt. Es gelang ihm, eine Verwaltung herzustellen, die den Ertremen der Reaktion fern blieb und bedeutende Thätigkeit zur Hebung des gesunkenen Wohlstandes entwickelte. Die von Ferdinand II. seit 1848 in steigendem Maße befolgten Regierungsgrundsätze veranlaßten ihn im Jan. 1852 sein Statthalteramt niederzulegen. Franz II. übertrug ihm 9. Juni 1859 die Präsidentschaft des Ministerrats und das Kriegsdepartement. Ebenso aber wie ganz Mittelitalien vermochte auch Neapel sich der durch Frankreich und England geförderten Einwirkung Piemonts nicht zu entziehen. Am 16. März 1860 nahm F. seine Entlassung, 10. Mai landete Garibaldi bei Marsala. Die Beschlagnahme von F.s sicilischer Dotation war eine der ersten Maßregeln des Diktators. Seit dem Sturze der bourbonischen Dynastie lebte F. längere Zeit in Toscana, dann in größter Zurückgezogenheit wieder in seiner Heimat und starb 14. Okt. 1867 zu Portici. Vgl. Reumont, Carlo F., Fürst von Satrianov (im „Histor. Taschenbuch', Lpz. 1871).