FeedFilicaja (Vincenz von)
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Filicaja (Vincenz von), ital. Dichter, geb. 30. Dez. 1642 zu Florenz, des Senators Braccio und der Catarina Spini Sohn, dichtete früh Canzonen an eine Geliebte, die ihm aber der Tod entriß. Später verheiratete er sich mit Anna, der Tochter des Senators Scipio Capponi. In ländlicher Zurückgezogenheit schrieb er dann eine Menge lat. und ital. Gedichte. Seine 1684 in Florenz gedruckten Oden auf die Siege über die Türken gründeten seinen Ruf als ersten unter den gleichzeitigen Dichtern Italiens. Seine ungünstige äußere Lage verbesserte sich indes durch diese Anerkennung keineswegs. Erst die Königin Christine von Schweden nahm sich des bedrängten Dichters an und ernannte ihn zum Mitgliede der von ihr in Rom errichteten Akademie. Später wandte sich auch die Aufmerksamkeit des Großherzogs von Toscana auf ihn, der F. 1696 zum Senator und Gouvernementssekretär der Regierung von Volterra und 1700 der zu Pisa ernannte. Im vorgerückten Alter und durch den Verlust mehrerer seiner Kinder erschüttert, wandte sich sein Geist immer mehr auf religiöse Gegenstände. Mit der Zusammenstellung einer Gesamtausgabe seiner Werke beschäftigt, starb er zu Florenz 24. Sept. 1707, worauf sein Sohn, Scipio F., dieselben unter dem Titel «Poesie toscane v (Flor. 1707) herausgab. Eine zweite verbesserte Ausgabe, mit dem Leben des Dichters von Tommaso Bonaventuri, erschien ebenfalls zu Florenz (1720), eine dritte zu Venedig (2 Bde., 1762), welche den spätern Ausgaben (2 Bde., Livorno 1781, Prato 1793, Vened. 1812, Neap. 1824 u. a.) zu Grunde liegt. Eine gute Ausgabe seiner Gedichte und Briefe mit F.s Lebensbeschreibung hat Amico besorgt (Poesie e lettere di Vincenzio da F.v, Flor. 1864).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 6, S. 804Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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