Fircks (Theod., Baron von), bekannt als Publizist unter dem Namen Schédo-Ferroti, geb. 26. März (7. April) 1812 auf dem väterlichen Edelsitze Kalwen in Kurland, erhielt seine Jugendbildung in Trikaten (Livland), dann in der Militärschule in Petersburg, wo er sich zum Ingenieuroffizier ausbildete. Als solcher lebte er längere Zeit in Südrußland und der Krim, sich mit Brücken⸗ und Eisen bahnbauten beschäftigend, und veröffentlichte seine Wettres sur les chemins de fer en Russien (2. Aufl., Berl. 1858; deutsch, Riga u. Dresd. 1858). Im J. 1859 kehrte F. in die Heimat als Oberstlieutenant im Geniewesen zurück, nachdem er bereits die drei ersten Teile seiner«Etudes sur l'avenir de la Russies (Berl. 1857—58) hatte erscheinen lassen, die viel Aufsehen erregten, besonders der erste Teil: La libération des paysans „ (4. Aufl., Berl. 1859), während der zweite und dritte Teil: Les principes du gouvernement et leurs conséquences o und Malversations et remèdeso nur zwei Auflagen erlebten. Als vierter Teil folgte 1859: Lanoblesses, 1860 der fünfte Teil: Le militaireß und 1861 der sechste Teil: Les serfs non encore libéréso. Neben Alexander Herzen, den er in einer Flugschrift Lettre à Mr. Herzeno (Berl. 1861) angriff, machten diese Studien F. zu einem der einflußreichsten russ. Schriftsteller in franz. Sprache. Mittlerweile hatte F. als diplomatischer Handelsagent Rußlands in Brüssel eine vorteilhafte Anstellung erhalten und war Mitarbeiter der von Petersburg inspirierten Zeitung (Le Nordo und des Echo de la presse russep in Brüssel geworden. In dieser neuen Stellung hatte er sich durch Verheiratung mit einer poln. Emigrantin verleiten lassen, für ihre unglückliche Nation einzutreten. Seine Broschüre 4Lettre d'un patriote polonais au gouvernement national de la Pologne (Berl. 1863) war gegen die Murawiew-Miliutinsche Vernichtungspolitik Polens gerichtet. Dadurch in Ungnade fallend, mußte er 1863 seinen Abschied nehmen und siedelte als Privatmann nach Dresden über. Von hier aus veröffentlichte er noch vier Studien über die Zukunft Rußlands. Zunächst die umfangreichste und wertvollste: «La tolérance et le chisme religieux en Russie (Berl. 1863), dann 4Que fera-t-on de la Pologne (2. Aufl., Berl. 1865), in welcher Broschüre er den Panslawisten Michail Katkow bloßstellte. In seiner größern Studie Le nihilisme en Russien (Berl. 1867) kennzeichnete F. den russ. Unterrichtsminister Golowin als den Vater des Nihilismus » und legte in der letzten Studie 4Le patrimoine du peupley (Berl. 1868) sein polit. Glaubensbekenntnis über Rußland nieder. Darauf veröffentlichte F. noch seine „Lettres sur l'instruction populaire en Russiev (Lpz. 1869) an den damaligen russ. Unterrichtsminister Grafen Tolstoi und schloß seine litterarische Thätigkeit mit populären Betrachtungen über Die internationale Arbeiterbewegung» (Berl. 1872). Am Rückenmarkskrebs längere Zeit leidend, starb F. 25. Okt. 1872 in Dresden.