Chor, vom griech. J6dos. 1. Als m., lat. horus, frz. choeur, m., engl. choir, altengl. quire, eigentlichReigen, Versammlung; daher übertragen auf cancellum, sOlea, coetus — canentium clericorum, d. h. abgegrenzter Raum für die singende Geistlichkeit in den Basiliken (s. d. 1). Es saßen in demselben drei Chöre, nämlich das Orchester zu Begleitung der Psalmensänger, die Subdiakonen, welche die Episteln sangen, die Diakonen, welche das Evangelium sangen und die Breve und Edikte des Bischofs verlasen. Spiäter wurde der Ch. mit dem Presbyterium, resp. dem Sanctuarium, in die Apsis verlegt. Seit dem 10. Jahrhundert wurde, da Mönche und Knönche den Ch. als Betbenutzten, eine Vergrößerung desselben ur eine schärfere Sonderung von den Laien, also von dem Pfarrraum der Kirche, nothwendig. Im Anfang scheint man nicht recht im Klaren gewesen zu sein, wie man den Zweck erreichen 1wolle. Manche Klöster und Stifte errichteten besondere Pfarrkirchen, od. bauten dem östlichen Ch. gegenüber noch einen westlichen, oder zwei hinter einander im Schiff (Mönchschor u. Laienchor), od. man baute Doppelkirchen. Endlich gab man der ganzen Osthälfte der Kirche eine veränderte Einrichtung, die aus Fig. 1111 deutlich erhellt. à ist das Tribunal, b der Priesterchor, 1 der Altar, 2 die Cathedra, 3 das Presbyterium, 4 die niedere Geistlichkeit, die Sänger, 6 Evangelienpult,? Epistelpult, 8 Laien-od. „Pfarraltar, 9 Schranke. Es durfte kein Laie den Priestermahl nur bis an die Schranken treten durften. Aus diesem erwuchs allmählich der Lettner (s. d.). nDer so entstandene Ch. bildete sich bald als Kulminationspunkt der Kirche weiter aus. Die Verhüllung des hAltars durch Vorhänge u. Umbraculum fiel weg, s. d. Art. uAltar, und an ihre Stelle trat der Altarschrein. Das Ciborium, die Eucharistia, konnte nicht mehr für immer auf dem unverhüllten Altar stehen bleiben, es verlangte eine! eigene Hütte, das Allerheiligste; so entstanden die Tabernakel oder Sakramentshäuschen. Die hohe Bildwand des Altars nöthigte, den Bischofsstuhl zu verlegen, die Priester mußten an die Westseite des Altars treten, während dieser an die Lucida, in die eigentl. Apsis, hineingeschoben ward. Zwischen Oberchor, hohem Ch., Hochchor, Hinterchor, Presbyterium, Ostchor, frz., arrier-choeur, engl. retro-choir, dem eigentlichen Altarplatz mit dem Priester-bis herab zu den Diakonensitzen u. dem Tribunal, Westchor, chorus psallentium, frz. avant-choeur, engl. antechapel, Unterchor für Sänger, Psalmisten, Vorleser, Akoimeten, Lichtträger u. andere „kleine Weihen“, stand oft eine Schranke, Cancelle, Dryphakte, Herkos, Diastole, Kinklides; an ihr predigte der Bischof. In den Seitenschiffen befanden sich, wenn dieselben den Ch. als Chorumgang, ambulacrum, umzogen u. also von ihm nur durch Chorschranken (s.d.) getrennt waren, in gleicher Linie mit jener Cancelle Thüren, durch welche dieGemeinde zumAbendmahl hinzutrat. ImWesten des Unterchors stand der Lettner, das Lectorium, Lesepult an Stelle der Ambonen, da der Unterchor zugleich zu Vorlesung der Episteln und Evangelien an das Volk diente. Mit Ausbildung der Musik und Einführung der Orgel als Tonangeber beim Gesang wurde auch dieser Theil des Gottesdienstes sehr wichtig, und seit dem 13. Jahrhundert baute man Emporen für Sänger u. Musiker, Odeion od. Doxale, die man später an die Orgelbühne heranrückte, wofür aber auch häufig der Lettner selbst benutzt worden zu sein scheint. Im Unterchor hatte auch der König seinen Thron. Ueber dem Lettner erhob sich der Triumphbogen, den Ch. nach Westen abschließend, der nun folgende Gestalt hatte (Fig. 1112): a. Oberchor, frz, haut-choeur, bei den Karthäusern chorus fratrum, b. Unterchor, frz., bas choeur, bei den Karthäusern ch. conversorum, c. Schranke. f Altar, 1Tabernakel, 2Priesterthür,3Bischofsstuhl, 4Sitze für die höhere Geistlichkeit, 5Chorstühle fürdie Sänger etc., 6—9 wie in Fig. 1111. — 2. Gewöhnlich als Neutr. gebraucht, Sängerbühne, lat. antiphonarium ta-⸗ bulatum, engl. loft, musik-loft, roodloft, Raum für Sänger und Orgel. Ueber seine Entstehung u. die Ursache der häufigen Verwechslung mit dem Lettners. unter 1. Der Name wird auch, bes. in Norddeutschland, häufig auf die mit der Sängerbühne in gleicher Höhe liegenden und ähnlich konstruirten Emporkirchen übertragen, ja sogar auf jeden hochliegenden Ort überhaupt, z. B. auf Balkons, Söller und Erker: vergl. d. betr. Art.