FeedDampfwagen
VerkehrBau-Lexikon 1881

Dampfwagen, m.,Lokomotive, f. frz. Charriot àvapeur, waggon traineur, m., locomotive, f., engl. steamwaggon, locomotive-engine, auf einem mit Rädern versehenen Gestell angebrachte Dampfmaschine, welche diese Räder in Umdrehung versetzt u. demnach Fortbewegung des Ganzen bewirkt, entw. auf gewöhnlichen Fahrstraßen oder Eisenbahnen; man unterscheidet danach Straßenlokomotiven u. Eisenbahnlokomotiven, gewöhnlich schlechthin Lokomotiven gen. 1. Den Straßenlokomotiven oder Wegdampfern, der ältesten Art von D., hat man bis jetzt noch fast überall in Deutschland aus Aengstlichkeit die Wirksamkeit versagt od. doch beschränkt; auch sind noch nicht völlig genügende Resultate für Personenverkehr erzielt worden, wohl aber hat Gütertransport mittels Straßenlokomotiven bereits sehr befriedigende Lösung gefunden; bes. in England macht man davon bereits ausgiebigen Gebrauch. Bei einer von John Fowler & Comp. in Leeds gelieferten Straßenlokomotive war der Preis der achtpferdigen Maschine 12300 Mk., davon 25% für Amortisation, Zinsen und Reparaturen ⸗ 3075 Mk., auf 200 Arbeitstage vertheilt 15 Mk. 40 Pfg. Oel pro Tag Diese Lokomotive verrichtete die Arbeit von mindestens 9 Pär schwerer Pferde, bei einem Gewicht (leer) von 180CEtr. fuhr sie 6Wagen mit je ca. 100 Ctr. Last; auf horizontaler Straße schleppte sie 1000 Ctr., im langsamen Tempo 1200 Ctr. und darüber. 2. Für den Verkehr auf Schienen ist bekanntlich die vo Stephenson erfundene Eisenbahnlokomotive von größter Bedeutung geworden. Man unterscheidet nach Konstruktion und Leistungsfähigkeit 6 Hauptklassen: 1. Lastzugmaschinen, 2. Schnellzugmaschinen, 3. Personenzugmaschinen, 4. Bergmaschinen, 5. Lokomotive für Sekundärbahnen, 6 Tramwaylokomotive. Die Lastzugmaschinen sind für geringere Geschwindigkeit u. große Zugkraft bestimmt, weshalb alle Räder gekuppelt sind u. also mittel-od. unmittelbar mit dem Dampfkolben in wiksamer Verbindung stehen. Sie haben bis 400 Pferdekraft Stärke. Die Schnellzuglokomotiven, für geringere Zugkraft, aber große Geschwindigkeit u. ruhigen Gang konstruirt, haben 100 u. 200 Pferdekräfte u. schleppen 800—1000 Ctr.7 —9 Meilen in der Stunde. Die Personenzugmaschinen für gemischten Dienst haben mittlere Stärke u. Geschwindigkeit. Bergmaschinen, für große Steigungen sind die größten u.schwersten. In Fig. 1349 ist die allgemeine Einrichtung einer älteren Lokomotive durch einen Längenschnitt illustrirt. A ist der Feuerkasten, frz. foyer, botte à feu, engl. fire-box, derselbe ist viereckig und hat doppelte Wände, deren Zwischenraum mit Sand od. Asche, welche die Wärme schlecht leiten, ausgefüllt ist; die Verbindung der beiden Wände unter einander geschieht durch Stehbolzen, frz. entretoise, engl. stay. Die Heizthüre a zur Einführung des Brennmaterials führt nach außen, hat aber nach innen zu eine Schutzplatte vor sich. Der Kessel B ist eylindrisch u. enthält die Heizröhren, frz. tube de chaudière, engl. fire-tube, oft bis 200, die von der Feuerluft durchstrichen werden, die von hier aus in den Rauchkasten D, frz. borte à fumée, engl. smoke-box, und dann in den Schornstein geht. Der sich im Kessel bildende Dampf füllt sowohl den obern Theil des Kessels Ban, wie auch den Dampfdom O., frz. dome de prise de vapeur, engl. steam-dome, in welchem sich das Dampfrohr e, frz. tuyau de prise, engl.steam-tube, mit einem vom Maschinisten mittels eines Hebelarms zu öffnenden und zu verschließenden Ventil befindet und sich wegen der beiden Cylinder, die zu versorgen sind, in zwei thek Heidelberg * I eines Umganges der Triebräder (in der Figur ist das mittlere Rad ein solches) wird viermal Dampf aus den Cylindern ausgestoßen. Bei Feuerung mit Kohks tritt fast gar kein Rauch, sondern fast nur Wasserdampf aus dem Schornstein. Auf dem Kessel sitzt das Sicherheitsventil L. Das andere Ventil Hkann von dem Maschinisten mittels eines Hebelarmes N.P geöffnet werden; es steht unter gewöhnlichen Verhältnissen unter einer bestimmten Belastung, die der Maschinist vergrößern kann, wenn er höhere Spannung erzeugen will, bis zu der Grenze, auf welche das Sicherheitsventil eingerichtet ist. Die Steuerung für die Cylinder geschieht von der Triebachse aus mittels Excentriks mm, deren für jeden Cylinder zwei vorhanden sind, um die Maschine auch rückwärts gehen lassen zu können. Bei der Bewegung nach rückwärts werden durch Druck auf einen Hebel die arbeitenden Schiebstangen ausgelöst u. die Schiebstangen des zweiten Excentriks in Eingriff gebracht. Die Dampfeylinder liegen bei den ver-An den Tender schließt sich dann der Wagenzug mit den Personen-u. Frachtwagen an. Weiter auf die Konstruktion der Lokomotiven, bes. auf die häufigen Verbesserungen an dieser Konstruktion einzugehen, ist hier nicht der Ort. — Ueber die äußere Größe etc. s. d. Art. Lokomotivschuppen.

Illustrirtes Bau-Lexikon. Praktisches Hülfs- und Nachschlagebuch im Gebiete des Hoch- und Flachbaues, Land- und Wasserbaues, Mühlen- und Bergbaues, der Schiffs- und KriegsbaukunstHrsg. von Oscar Mothes, 4. Aufl., Leipzig und Berlin: Otto Spamer 1881–1884 · Bd. 2, S. 136Scan: Universitätsbibliothek Heidelberg · gemeinfrei

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