Forster (Frangois), franz. Kupferstecher, geb. 22. Aug. 1790 in Locle im damaligen preuß. Fürstentum Neuchätel, kam 1805 nach Paris, ging hier bei dem Maler Langlois in die Lehre und besuchte zugleich den Studienkursus der Kunstschule, wo er Malerei und Kupferstecherei zugleich betrieb. Indes entschied er sich für die letztere und erhielt 1814 den ersten großen Preis. Als ihm der damals in Paris anwesende König von Preußen eine goldene Medaille und ein Stipendium von 1500 Frs. auf zwei Jahre bewilligte, wanderte er mit seinem Freund und Landsmann Leopold Robert Rom. Hier stach er besonders histor. Bilder na ältern ital. Meistern. Später nach Frankreich zurückgekehrt, erwarb er seinen Unterhalt mit kleinen Arbeiten für pariser Verleger. Nebenbei beschäftigte er sich eifrig mit größern Kupferstichen und lieferte seitdem einige seiner besten Blätter. Er wurde 1844 an Tardieus Stelle in die Akademie der bildenden Künste aufgenommen. Fis Arbeiten zählen zu den bedeutendern Leistungen der neuern Kupferstecherkunst und zeigen durchgängig eine ebenso gewandte als glänzende Handhabung des Grabstichels. Er stach Historienbilder und Porträts mit gleichem Erfolg. Unter den Hauptblättern seines nicht huer umfangreichen Kupferstichwerks sind zu erwähnen: die Vierge au bas-relief nach Leonardo da Vinci (1835), die Vierge de la maison 4Orléaus, die drei Grazien, die beiden Bildnisse Hafaels nach diesem Meister, Tizians Geliebte nach Tizian, Aneas und Dido, Aurora und Kephalos nach Gueérin, Franz I. und Kaiser Karl V. in der Königsgruft zu St.⸗Denis nach Gros, die heil. Cäcilie nach P. Delaroche (1840) u. s. w. F. starb in Paris 27. Juni 1872. U (Joh. Reinhold), Reisender und Naturforscher, geb. 22. Okt. 1729 zu Dirschau bei Danzig, stammte aus dem Hause der Lords Forester in Schottland, deren einige infolge der polit. Unruhen in ihrem Vaterlande in Polnisch-Preußen eine neue Heimat gefunden hatten. Nachdem er in Berlin zur Universität sich vorbereitet und seit 1748 zu Halle gegen seine Neigung Theologie studiert hatte, ging er 1751 nach Danzig und erhielt 1753 die Predigerstelle zu Nassenhuben. Hier widmete er sich seinen Lieblingsfächern, der Mathematik, Philosophie, Länder⸗ und Völkerkunde und den alten Sprachen. Bei seiner Reiselust war ihm der Antrag willkommen, das Koloniewesen in Saratow im asiat. Rußland zu untersuchen, wohin er, begleitet von seinem Sohne Georg im März 1765 abging. In seinen Berichten deckte er mehrere Mißbräuche in der dortigen Verwaltung auf, erhielt nach seiner Ankunft in Petersburg von der Kaiserin Katharina II. den Auftrag, mit Zuziehung mehrerer Gelehrten ein Gesetzbuch für die Kolonisten zu verfertigen, empfing jedoch für diese Arbeiten und Reisen, sowie für die verlorene Predigerstelle, die man wegen seines langen Ausbleibens unterdes anderweit besetzt hatte, nicht die erwartete Entschädigung und reiste ohne die geringste Belohnung im Aug. 1766 nach London. Von hier folgte er dem Rufe als Professor der Naturgeschichte und der franz. und deutschen Sprache nach Warrington in Lancashire. Doch legte er sein Amt nachher nieder und lebte als Privatmann zu Warrington, bis er 1772 den Antrag erhielt, den Kapitän Cook bei seiner zweiten Entdeckungsreise als Naturforscher zu begleiten. Diese Reise, auf welcher er volle drei Jahre zubrachte, wurde von seinem Sohne ausführlich beschrieben, da es dem Vater zur Bedingung gemacht worden war, nichts über dieselbe drucken zu lassen. Doch gab F. nachher seine reichen KObservations made during a voyage round the vorldo (Lond. 1778; deutsch von seinem Sohne, 2 Bde., Berl. 1779—80; 2. Aufl., 3 Bde., 1783) heraus. Nach der Rückkehr erhielt F. von der Universität zu Orford die jurist. Doktorwürde, sonst aber keine Belohnung, weil die engl. Regierung den von seinem Sohne bearbeiteten Reisebericht als eine Umgehung der übernommenen Verpflichtung betrachtete. So geriet F. bei seiner zahlreichen dis milie in Schulden und endlich sogar in Haft, bis ihn der Herzog Ferdinand von Braunschweig befreite. Er wurde 1780 Professor der Naturgeschichte in Halle, wo er bis an seinen Tod, 9. Dez. 1798, mit großem Beifall lehrte. Von seinen Schriften sind noch zu erwähnen das Liber singularis de bysso antiquorumo (Lond. 1776) und die &Zoologia Indicas (Halle 1781).