FeedFriedenthal (Karl Rud.)
GeschichteBrockhaus 1882

Friedenthal (Karl Rud.), ehemaliger preuß. Staatsminister für die landwirtschaftlichen Angelegenheiten, Nesse des vorigen, aber evang. Konfession, geb. 15. Sept. 1827 in Breslau, besuchte das Gymnasium zu Neisse 1839 —44, studierte Jura in Breslau, Heidelberg und Berlin und zut Pe 1854 das Assessorexamen, ging dann aber zur Verwaltung der eigenen Besitzungen über und machte sich praktisch vertraut mit Industrie und Landwirtschaft. Er wurde 1856 Kreisdeputierter des Kreises Neisse, 1857 nach kurzer Thätigkeit bei der Bezirksregierung in Oppeln Landrat des Grottkauer Kreises, in welcher Stellung er bis 1864 verblieb. Im J. 1860 veröffentlichte er die Flugschrift KSalus publica suprema lexo, in welcher er sehr entschieden für die Armee-Reorganisation eintrat und die altliberale Mehrheit auf die Gesahren ihrer damaligen Haltung aufmerksam machte. F. wurde 1867 in den Konstituierenden Reichstag des Norddeutschen Bundes gewählt, wo er mit den beiden Vincke, Max Duncker, Graf Dyhrn, Falk u. a. das altliberale Centrum bildete. Da nach den Neuwahlen eine Wiedervereinigung der altliberalen Elemente nicht zu Stande kam, trat er in die Freikonservative Partei ein. Im Norddeutschen Reichstage und Zollparlament sowie im Deutschen Reichstage war er bei den meisten wichtigern Gesetzen als Referent, Korreferent oder An. tragsteller thätig. Während des Deutsch-⸗Französischen Kriegs von 1870 und 1871 war F. Mitglied der Centralstelle, welche die freiwillige Krankenpflege organisierte und leitete. Fürst Bismarck berief ihn mit Blanckenburg und Bennigsen nach Versailles zum Beirat beim Abschlusse der das Reich begründenden Verträge. Seit 1870 war F. auch Mitglied des preuß. Abgeordnetenhauses. Hier war er Referent über die allgemeinen Grundzüge und spezielle Abschnitte der Kreisordnung, deren Entwurf er hatte ausarbeiten helfen. In der Session 1873/74 fungierte er als zweiter Vizepräsident des Abgeordnetenhauses. Am 19. Sept. 1874 wurde F. zum Staatsminister für die landwirtschaftlichen Angelegenheiten ernannt und 30. März 1879 wurde ihm auch das bis dahin dem Finanzministerium unterstellte Ressort der Domänen und Forsten übertragen. Der Systemwechsel in der Wirtschaftspolitik Bismarcks, welchem F. nicht unbedingt folgen zu können glaubte, veranlaßte ihn am 28. Juni 1879, seine Dimission nachzusuchen, die ihm auch 12. Juli 1879 unter ausdrücklicher Anerkennung seiner Verdienste gewährt wurde. Die ihm hierbei angebotene Erhebung in den Adelstand lehnte er ab. Seine Berufung ins Herrenhaus im Okt. 1879 machte seiner Thätigkeit als Vertreter des Wahlkreises Meseritz-Bomst im Abgeordnetenhause ein Ende. Seit 1881 gab er auch seine parlamentarische Wirksamkeit im Reichstage auf, um sich wieder ausschließlich der Verwaltung seiner landwirtschaftlichen und industriellen Besitzungen zu widmen.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 7, S. 309Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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