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GeschichteBrockhaus 1882

Gablenz (Ludw. Karl Wilhelm, Freiherr von), österr. General der Kavallerie, geb. 19. Juli 1814 zu Jena als Sohn des königl. sächs. Generallieutenants Freiherrn Heinrich Adolf von G. (geb. 25. Okt. 1764 zu Weida, gest. 11. Mai 1843 als Gouverneur von Dresden), wurde erzogen in der Ritterakademie zu Dresden, war dann Lieutenant im fächs. Gardereiterregimente und trat 1833 in die österr. Armee, in welcher er bei der Infanterie und Kavallerie diente. Unter Radetzky in Italien ausgebildet, wurde er im Kriege von 1848 nach der Schlacht von Custozza Major im Generalstabe und dem Stabe des Feldmarschalls Windischgrätz in Ungarn zugeteilt. Im November wurde er als Generalstabschef zum Schlikschen Armeekorps nach Oberungarn versetzt, an dessen Winterfeldzuge er den rühmlichsten Anteil nahm. Seine Beharrlichkeit und Entschlossenheit verschafften ihm großen Einfluß auf die Operationen; bei Tokay wurde er verwundet. Zum Oberstlieutenant im Regiment Savoyendragoner ernannt, begleitete er den Fürsten Felir Schwarzenberg 1849 nach Warschau und war dann österr. Kommissar im russ. Hauptquartier während des ungar. Kriegs. Nach dem rieden wurde er mit mehrern Sendungen nach Kassel, Hamburg, Berlin und Dresden betraut. Von 1851 bis 1854 diente er im Generalstabe, 1854 wurde er Generalmasor bei der Occupationsarmee in den Donaufürstentümern. Im ital. Kriege von 1859 befehligte er eine Brigade und zeichnete sich besonders in der Schlacht von Solferino aus. Er übernahm hier, nachdem Graf Reischach gefallen den Befehl über dessen Division und deckte dur die Verteidigung von Cavriana den Rückzug des Centrums. Als Feldmarschalllieutenant erhielt G. 1863 den Befehl über das österr. (6.“ Armeekorps der verbündeten Armee unter Wrangel, welche 1. Febr. 1864 die Eider überschritt. Das österr. Korps bestand 3. Febr. das siegreiche Gefecht bei Oberselk und erstürmte den Königshügel. Nachdem die Dänen das Danewerk geräumt hatten, besetzte G. 6. Febr. Schleswig und schlug die feindliche Nachhut in dem blutigen Gefechte bei Sversee, ebenso beim weitern Vorrücken in Jütland 8. März bei Veile. Am 15. März 1864 erhielt er das Kommandeurkreuz des Maria ⸗Theresienordens, dessen Ritterkreuz er bereits 1848 bei Kaschau errworben hatte, und wurde 4. Sept. 1865 zum Statthalter in Holstein ernannt. Im Deutschen Kriege von 1866 führte er das 10. österr. Korps, mit welchem er 27. und 28. Juni bei Trautenau (s. d.) tapfer kämpfte und 3. Juli an der Schlacht bei Königgrätz teilnahm, infolge deren er zweimal zu Verhandlungen in das preuß. Hauptauf kurze Zeit aus dem aktiven Dienste und wurde 1. April 1867 zum lebenslänglichen Mitgliede des österr. Herrenhauses ernannt, in welchem er sich freisinnig zeigte und in der Chegesetzdebatte (März 1868) entschieden liberale Gesinnung bewies. Zum General der Kavallerie 1868 befördert, wurde er im Juni des nächstfolgenden Dien e zum Kommandierenden von Ungarn in sen ernannt. Am 16. Juni 1871 nahm G. an dem Einzuge der von Frankreich nach Berlin zuruckgekehrten deutschen Truppen teil, da ihm die Mission geworden war, der Enthüllung des Denkmals König Friedrich Wilhelms III. in der preuß. Hauptstadt beizuwohnen. Am 28. Noy. desselben Jahres erbat G. seine Versetzung in den Ruhestand. Durch unglückliche finanzielle Verhältnisse gemütskrank, nahm er sich in einem Anfalle von Verzweiflung 28. Jan. 1874 in Zürich das Leben. Vgl. Junck, «Aus dem Leben des Generals Ludwig Freiherrn von G./ (2. Aufl., Wien 1874).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 7, S. 442Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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