FeedFriedrich III.
GeschichteBrockhaus 1882

Friedrich III., der Schöne, deutscher König seit 1314, Gegenkönig Ludwigs IV. (s. d.) von Bayern, geb. 1286, Sohn des deutschen Königs Albrecht I., übernahm, nachdem sein älterer Bruder, Rudolf der Sanftmütige, 1307 gestorben und sein Vater 1308 ermordet worden, als der älteste noch lebende Sohn die Regierung des Herzogtums OÖsterreich für sich und seine jüngern Brüder. Zu Wien zugleich mit seinem Vetter, Ludwig von Bayern, erzogen, hatte er mit diesem einen innigen Freundschaftsbund geschlossen, der lange ungestört fortbestand. Als aber die Vormundschaft über die niederbayr. Herzöge von dem Adel des Landes ihm und nicht Ludwig von Bayern übertragen wurde, gerieten die Freunde in Zwist, der zum Kriege führte, in welchem F. von Ludwig bei Gamelsdorf 1313 geschlagen wurde, worauf ein Frieden zu Stande kam, in welchem F. auf die Vormundschaft verzichtete. Nach dem Tode Heinrichs VII. 1313 nahm F. die Krone seines Vaters in Anspruch, um welche er sich nach dessen Tod nicht bemühe hatte, weil damals im Reich der Grundsatz galt, daß dem Vater der Sohn nicht folgen dürfe. gleich Ludwig von Bayern früher seinem Freunde versprochen hatte, nicht nach der Krone zu streben, sondern sie F. zu überlassen, wurde ersterer 1—8 als er mehrere der bedeutendsten Fürsten geneigt sah, ihn zu wählen, seinem Worte untreu. Er zog eilig mit seiner Partei nach Frankfurt, ließ sich hier wählen und hinderte F. am Eintritt in die Stadt. Auch Aachen verweigerte ihm die Aufnahme, worauf der Erzbischof von Köln die Krönung zu Bonn vollzog. Nur das Schwert konnte jetzt entscheiden, und ein mehrjähriger Bürgerkrieg begann, der Deutschland furchtbar verheerte. Na agte sich endlich der aber unentschiedenen Treffen neigte sich endlich der Sieg immer Iun auf die Seite F.s, der besonders an seinem tapfern Bruder Leopold eine mächtige Hilfe hatte, und Ludwig, hart bedrängt, ging schon mit dem Gedanken um, dem Reiche gänzlich zu entsagen. Allein durch ansehnliche Unterstützungen seiner Partei verstärkt, begann er den Kampf aufs neue. Bei Mühldorf auf der Ampfinger Heide trafen die Heere 28. Sept. 1322 lung seines und F., der die heranziehende Verstärkung seines Bruders Leopold nicht abwartete, wurde völlig geschlagen und nebst 1300 der Vornehmsten vom österr. und salzburgischen Adel gefangen. Drei Jahre lang hielt Ludwig ihn auf der Burg Trausnitz bei Nabburg im Thale an der Pfreimt in ritterlicher Haft, und weder die Thränen seiner Gemahlin Elisabeth von Aragonien, welche sich blind weinte, noch ein kühner Rettungsversuch seines Bruders Leopold vermochten ihn aus dem Gefängnisse zu befreien. Ebenso iuche Leopal die kriegerischen Rüstungen und Versuche Leopolds, obgleich sich dieser nicht scheute, sogar dem Könige von Frankreich mit einigen andern Fürsten die deutsche Krone anzubieten. Als aber Ludwig, der vom Papste gebannt war, sah, daß er nur durch eine Versöhnung mit der habsburgischen Partei zum sichern Besitze der Krone gelangen könne, entließ er 1325 F. seiner Gefangenschaft gegen das Versprechen, ihn als Kaiser anzuerkennen, die Seinigen zu gleicher Anerkennung zu bewegen und die Wahlurkunden und besetzten Länder herauszugeben, wenn dies ihm aber unmöglich sei, sich freiwillig wieder als Gefangener zu stellen. F.s Absicht, sich zu versöhnen, scheiterte an dem festen Sinne seines Bruders Leopold, der, im Einverständnisse mit dem Papste, sich zur Erfüllung der Bedingungen nicht verstehen wollte. Freiwillig mi de F. daher, seinem Eide treu, obgleich ihn der Papst desselben entband, nach München zu Ludwig als Gefangener zurück. Von solcher Treue gerührt, nahm ihn Ludwig freundlich auf, erneuerte das alte innige Freundschaftsverhältnis und teilte mit ihm Wohnung, Tisch und Bett wie in den Jufeiner dam Er übertrug ihm sogar die Verwaltung seiner Lande für den Fall seiner Abwesenheit und schloß mit ihm 5. Aug. 1325 einen geheimen Vertrag über gemeinschaftliche Regierung des Reichs; ja 7. Jan. 1326 trat er ihm in einem zweiten geheimen Vertrage die röm. Königskrone ab, wenn der Papst ihn bestätigen würde, woran aber nicht zu denken war. Beide handelten nun als Könige, aber als Ludwig 1327 nach Italien zog, nahm bei einer Zusammenkunft in Innsbruck die Eintracht ein Ende. F., dessen Bruder Leopold 28. Febr. 1326 gestorben war, beschränkte sich fortan auf die Verwaltung seiner Erblande und starb 13. Jan. 1330 auf dem Guttenstein, wohin er sich krank zurückgezogen hatte. Er wurde zu Mauerbach in dem von ihm gestiteten Kloster begraben. Nach der Aufhebung dieses Klosters 1783 brachte man seine überreste in das Münster von St. Stephan in Wien. Vgl. Fr. Kurz, „Osterreich unter Kaiser F. dem Schönenv (2 Bde., Linz 1818); J. E. Kopp, „Geschichte der eidgenössischen Bünder (Bd. 4, 2. Abteil., und Bd. 5, 1. Abteil.: «Die Gegenkönige F. und Ludwig und ihre Zeito, Luzern 1856; Berl. 1858); Döbner, „Die Auseinandersetzung zwischen Ludwig IV. dem Bayer und F. dem Schönen von Osterreichn (Gött. 1875); Diienreich. om „Ludwig der Bayer und F. von sterreich vom Vertrage zu Trausnitz bis zur Zusammenkunft in Innsbruck (Gött. 1877).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 7, S. 317Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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