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GeschichteBrockhaus 1882

Friedrich I. (König von Dänemark) Baseler Konzils, die sich auf Einschränkung päpstl. Mißbräuche bezogen, zurücknahmen. Die günstige Stimmung des Papstes gegen ihn benutzend, zog er 1452 nach Italien, um die Kaiserkrönung, die letzte, die ein König der Deutschen zu Rom empfing, durch den Papst vollziehen zu lassen. Wenn er durch diese Krönung, sowie durch das um dieselbe Zeit (1453) den österr. Fürsten erteilte Vorrecht, den erzherzogl. Titel führen zu dürfen, seinem Hause einen gewissen äußern Glanz verlieh, so ließ er dagegen wahre und wichtige Vorteile sich aus den Händen reißen. Dies geschah, als Ladislaw Posthumus 1457 292 Nachkommen starb. Zwar gewann 24 während Oberösterreich an Albrecht und ein eil von Kärnten an Sigmund von Tirol kamen, durch diesen Todesfall Niederösterreich, in Bezug auf die übrigen Länder desselben aber mußte er die Demütigung erleben, daß trotz seiner Ansprüche die Krone von Ungarn Matthias Corvinus und die von Böhmen Georg Podiebrad zufiel. Kaum war dies verschmerzt, als sein Bruder Albrecht 1462 die Hauptstadt Wien gegen ihn in Aufstand brachte. Erst mit Albrechts Tode 1463 erhielt er von dieser Seite Ruhe und trat nun auch in den Besitz von Oberösterreich. Fast ohne Widerstand ließ er die Osmanen 1456 bis Ungarn, 1469 bis Krain und 1475 bis Salzburg vordringen; auch zeigte er auf dem 1471 zu Regensburg über die Abwehr dieser Feinde gehaltenen Reichstage, obwohl am meisten bedroht, die größte Teilnahmlosigkeit unter allen Fürsten. In Deutschland selbst nahm unter F.s Regierung das Faustrecht auf eine furchtbare Weise wieder uberhand. Seiner treulosen Politik, der zufolge er die Könige von Böhmen und Ungarn unter sich verfeindete, hatte er es zu danken, daß endlich beide Rant ihn die Waffen kehrten. Besonders trieb ihn atthias so in die Enge, daß er auch nicht einer Stadt in seinen Erblanden mehr mächtig war, bis endlich sein Sohn Maximilian den Ungarn diese Eroberungen wieder entriß. Auch Karl den Kul nen, um dessen reiche Erbtochter Maria er für seinen Sohn Maximilian warb, täuschte er bei den Unterhandlungen zu Trier 1473 über die Erhöhung Burgunds zu einem Königreiche. Er geriet hierüber mit Karl dem Kühnen in einen Krieg, den er mit Aufopferung seiner Bundesgenossen endigte. Nur als sein Sohn Maximilian, der nach Karls Tode 1477 die Hand Marias und mit ihr die reichen Niederlande erhalten hatte, mit den eigenen Niederländern in Krieg geriet und sogar 1488 gefangen wurde, entschloß er sich, diesem in Person zu Hilfe zu eilen und ihn zu befreien. Dagegen gelang es ihm auch nach Matthias' Tode 1490 nicht, die ungar. Krone zu erlangen; vielmehr mußte er sehen, wie die Ungarn statt seiner den poln. Fürsten Wladislaw zum König wählten. Den damals sehr ernstlichen Be-Drrurt der Fürsten und Städte, eine bessere rdnung im Reiche herzustellen, den Landfrieden zu Iern, Finanzen und Kriegswesen zu ordnen, eine Gerichtsordnung zu begründen, wie sie später im Kammergericht zur Ausführung kam, setzte er den zähesten Widerstand entgegen, da er bei aller Ohnmacht doch seine Willkür keinerlei gesetzlichen Schranken unterordnen wollte. Seinem Sohne Maximilian, von Eleonore von Portugal, welcher bereits 1486 zum röm. König gewählt worden war, überließ F. schon seit 1490 die Regierung, während er selbst zu Linz seinen Lieblingsneigungen lebte, wo er auch 19. Aug. 1493 starb. F. hat unter allen deutschen Kaisern am längsten regiert. Er war ein mittelmäßiger Geist, der die Ruhe liebte und den die Sorge für das Reich ebenso wenig kümmerte als die Wohlfahrt seiner Erbländer. Sein persönlicher Vorteil ging ihm über alles. Wenn die Umstände ihn gebieterisch aufschreckten, griff er nicht zum Schwerte, sondern zu langen, ermüdenden Unterhandlungen, bei welchen nicht selten verräterische List die Hauptrolle spielte. Statt der Kirche die heißersehnte Reform zu geben, was in seinen Händen lag, statt wider Türken und Räuber zu kämpfen, dem Fehdewesen und Faustrechte steuern, beschäftigte er sich lieber mit Astrologie, Alchimie und Botanik. Von F. an blieb das Iueher leichsam erblich bei Osterreich. Vgl. Chmel, «Geschichte Kaiser F.s IV.„ (2 Bde., Hamb. 1840—43); Dewitz, Reichstage und Reichsverfassung unter Friedrich III.v (Offenburg 1880).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 7, S. 319Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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