FeedFriedrich IV.
GeschichteBrockhaus 1882

Friedrich IV., Kurfürst von der Pfalz, Enkel des vorigen, geb. zu Amberg 5. März 1574, wurde anfangs durch seinen Vater Ludwig, der die von Friedrich III. ng iuth. ö reform. Kirche zu zerstören suchte, in streng luth. Formen, dann durch seinen Vormund Johann Kasimir in der entgegengesetzten Richtung erzogen. Er setzte nach dessen Tode (16. Hart 1592), indem er die neue Vormundschaft Rihards von Pfalz-Simmern ablehnte, die reform. Politik eifrig fort, berließ sich jedoch Den önlich dem Hange zu Ausschweifungen und die Regierung den eifrig reform. Räten, unter denen seine Erzieher Georg Ludw. von Hutten, Michael Lingelsheim und Ludw. Camerarius die vornehmsten waren. Diese führten die pfälz. Politik von neuem in die europ. Bahnen. Auf den Reichstagen der neunziger Jahre und bei den kriegerischen Verwickelungen, die sich an die Eroberung Donauwörths durch Maximilian I. von Bayern und die jülichsche Erbfolge knüpften, stand die Pfalz immer als führende Macht des deutschen Protestantismus. Kaum war die straßburger Fehde im Sommer 1610 beigelegt, als F. starb, 19. Sept. 1610. Friedrich V., Kurfürst von der Pfalz, geb. 26. Aug. 1596 als dritter Sohn F.s IV., wurde mit neun Jahren nach Sedan geschickt, wo er unter Leitung des Hugenottenführers, Herzogs von Bouillon, eine streng calvinistische, gelehrte und ritterliche Erziehung erhielt. Im J. 1613 heiratete er die Tochter Jakobs I., Clisabeth Stuart, die mit ihm den Glanz und das Elend länger Jahre teilte. Als er 1614 die Regierung des Landes, das seit dem Tode seines Vaters vier Jahre hindurch unter der Vormundschaft des streng calvinistischen Herzogs Johann von Zweibrücken gestanden hatte, übernahm, begannen gerade in der Union, deren vornehmstes Glied die Pfalz war, die schwersten Zerwürfnisse, während die kath. Mächte, Osterreich und die Liga unter Bayern, von Spanien unterstützt, die Wahl des strengröm. Ferdinand von Steiermark zum Erben Ungarns, Böhmens und der röm. Königskrone betrieben. hen Mai 1618 erhob sich dagegen der böhm. Aufruhr. F., von seinen Räten gelenkt und von eiteln Hoffnungen auf königl. Ehren erfüllt, ließ sich hinreißen, die Krone von den aufrührerischen böhm. Ständen anzunehmen, und stürzte damit seine Familie, sein Land und das ganze Reich in das Elend des Dreißigjährigen Kriegs. Im Okt. 1619 zog er als König in Prag ein, am 8. Nov. 1620 verlor er seinen Thron durch die Schlacht am Weißen Berge. Von dem Kaiser geächtet, mußte er im Haag eine Zuflucht suchen, während sein Stammland von den span.⸗bayr. Truppen erobert und verwüstet wurde. Die Siege Gustav Adolfs ermöglichten ihm 1632 die Rückkehr, aber der Tod des Königs bei Lützen vereitelte seine Hoffnungen, und bald darauf (29. Nov. 1632) erlag er selbst in Mainz einem Lagerfieber.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 7, S. 347Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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