FeedFriesack
ErdkundeBrockhaus 1882

Friesack, Stadt in der preuß. Provinz Brandenburg, Regierungsbezirk Potsdam, Kreis Westhavelland, 23 km im NO. von Rathenow, an einem Rhinarme, mit welchem sich hier der kleine Hauptkanal verbindet, in 33 m Höhe über dem Meere, Station (Bahnhof 2 km vom Orte) der Berlin-Hamburger Eisenbahn, zählt (1880) 3620 E. (3546 Cvangelische, 47 Katholiken und 27 Juden) und hat ein Steueramt, einen Vorschußverein, Herstellung von Holzpantoffeln, welche in ganz Norddeutschland Absatz finden, Torfstiche im Havelluch, sowie Handel mit Rindvieh und Butter. Das Rittergut Burg-F. hatte ehedem ein sehr festes Schloß des Dietrich von Quitzow, welches 1414 von Kurfürst Friedrich I. bezwungen wurde. Nordöstlich von der Stadt ist der schöne Laubwald Zoogen. riesel (AUiliaria) ist eine Hautkrankheit, bei welcher die Haut von kleinen hirsekornartigen Bläschen besäet ist, die durch eine Erhebung der Oberhaut mittels einer darunter ausgetretenen Flüssigkeit entstehen. Diese Bläschen sind bald durchsichtig, bald milchweiß, bald mit einem roten Saume umgeben, bald ohne diesen, daher die Namen Krystall⸗, Perl⸗, Milch⸗, roter und weißer F. Der F. tritt gewöhnlich im Gefolge von andern Krankheiten auf und wird leicht durch übermäßige Beförderung des Schweißes hervorgerufen, wie bei den Wöchnerinnen und kleinen Kindern. Bisweilen verschwindet der F. plötzlich, während er sich in andern Fällen über längere Zeit hinzieht. Meist lassen die Bläschen bei ihrem Verschwinden keine Spur zurück; zuweilen vertrocknen sie, und es ersolgt eine geringe Abschuppung. Andere, auch als F. bezeichnete Bläschenausschläge sind zum Teil gefährlicher, besonders der im Gefolge von eiteriger Blutverderbnis eintretende milchig⸗ oder eiterigtrübe F. (Miliaria purulenta). übrigens haben ohnedies gewisse schwere Krankheiten die Neigung, mit F. verbunden aufzutreten, so besonders die Typhusfieber, die mit Gelenkrheumatismus verbundenen Herzentzündungen, manche Scharlachepidemien und die (noch unaufgeklärten) Schweißsieber-Epidemien. Die ältern Arzte hielten den F. für eine Reinigung des Blutes und sein Zurücktreten oder Zurücktreiben für höchst gefährlich. Sie steckten daher den Patienten in dicht Betten und suchten das Gift durch Schwitzmittel herauszutreiben. Die neuern Ärzte haben sich von dem Irrigen dieser Ansicht hinlänglich überzeugt, halten den F. im Gegenteil für einen ganz unschuldigen und harmlosen Hautausschlag und suchen sein Entstehen bei Kranken und das übermaß des Schweißes lieber ganz zu verhüten. Dies erreicht man durch kühle Zimmerluft, fleißiges ½ leichte Bedeckung des Kranken, öfteres Wäschewechseln, häufiges Abwaschen des ganzen Körpers u. I. Daneben gibt man innerlich kühlende Mittel, Limonaden, Mineralsäuren, Salpeter u.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 7, S. 358Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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