Gadära (d. i. ummauerter, befestigter Platz) hieß eine zur Dekapolis (s. d.) gehörige Stadt, vielleicht Hauptstadt von Peräa zur Zeit des jüd. Kriegs, im O. des Jordan, südöstlich von der Südspitze des Sees Gennezareth, auf einem Berge südlich vom Mandhut d. i. Hieromaxflusse (jetzt Scheriat el-Mandhur), dem höchsten Punkte der Umgegend gelegen, wo die großen Straßen von Tiberias und Scythopolis nach dem innern Peräa und Gerasa, sowie nach Damascus zusammenliefen. Die Stadt wird in der Geschichte der Makkabäer⸗ und Römerzeit häufig erwähnt. Ihre Bevölkerung bestand großenteils aus Heiden; doch wohnten auch so viele Juden daselbst, daß Gabinius G. zum Sitze eines der fünf von ihm errichteten Synedrien machte. Augustus schenkte die Stadt Herodes d. Gr. und schlug sie nach dessen Tode zu Syrien. Von Vespasian wurde sie eingenommen (68 n. Chr.); doch bezeugen die vielen Münzen seit Augustus, auch nach ihrer Zerstörung durch Vespasian, eine Blüteperiode der Stadt über zwei Jahrhunderte lang bis auf Gordianus herab. Später war G. eine bischöfl. Stadt in Palaestina secunda. Ihre große Berühmtheit in den sechs ersten Jahrhunderten n. Chr. verdankte sie übri-Ean hauptsächlich ihren heißen Heilquellen und chwefelbädern, welche, nördlich von G. an den beiden Seiten des Scheriat gelegen, heute noch viel besucht werden. Jetzt ist das alte G. nur noch ein kleines Dorf, Namens 'Omm Keis, mit vielen Ruinen und Üüberresten von einem Tempel und drei Theatern und teilweise noch gut erhaltenem Basaltpflaster. Doch ist auch der alte Name Dschedür (= Gadara) noch erhalten in den aus Grabhöhlen hergerichteten Troglodytenwohnungen von Hirtenfamilien am Südostabhange von Omm Keis und bezeichnet zugleich, wie ehemals, einen großen Teil der anstoßenden Landschaft Haurans im Osten und Norden von Omm Keis.