Gamaliel, berühmter jüd. Gesetzeslehrer und Mitglied des Synedriums zur Zeit Jesu, ein Pharisäer von angeblich mildem, besonnenem Geiste, war der Lehrer des nachmaligen Apostels Paulus und soll durch seine weisen Gegenvorstellungen bewirkt haben, daß der jüd. Hohe Rat von einem blutigen Entschlusse gegen die Apostel zurückkam. Wahrscheinlich ist er derselbe, welcher im Talmud als der Enkel Hillels und Sohn Simeons angeführt und als ausgezeichneter Gesetzeslehrer hoch gefeiert wird. Er soll unter den Kaisern Tiberius, Cajus und Claudius den Vorsitz im Synedrium geführt haben und im 18. Jahre nach der Zerstörung Jerusalems gestorben sein. Wenn die christl. Sage ihn zu einem geheimen Christen macht und nebst seinem Sohne Simon und Nikodemus von Johannes und Petrus getauft werden läßt, so beruht dies auf dem Mißverständnisse, daß G., als er dem Synedrium riet, den Erfolg der neuen religiösen Bewegung abzuwarten, nicht sowohl den Untergang als den Sieg derselben gehofft habe. Der Talmud unterscheidet ihn als G. den AÄltern von seinem gleichnamigen Enkel, der unter Trajan und Hadrian lebte und als erster Fürst Nasi) der Juden zu Jamnia (Jabne), dem damaligen Sitze des Hohen Rats, die höchste Autorität in sich vereinigte.