Garibaldi (Giuseppe), berühmter ital. Patriot, wurde zu Nizza 4. Juli 1807 geboren und trat in früher Jugend in die sardin. Marine ein, wo er sich durch Umsicht, Geistesgegenwart und Besonnenheit auszeichnete. Als 1831 Mazzini den Gedanken der Regeneration der ital. Halbinsel durch eine einheitliche polit. Gestaltung derselben im Volke lebendig machte, ergriff G. diesen Gedanken mit Feuer. Verwickelt in die Verschwörung von 1833, welche mit dem Savoyerzug von 1834 ein trauriges Ende fand, mußte er aus seinem Vaterlande fliehen. Nachdem er einige Zeit in Marseille Unterricht in der Mathematik erteilt und dann in der Marine des Bei von Tunis gedient hatte, ging er 1836 nach Südamerika, wo er zuerst im Dienste der Republik Rio Grande do Sul, dann von Montevideo sich als Parteigänger namhaft machte. Das Gefecht von San-Antonio 8. Febr. 1846 gereichte ihm zu besonderm Ruhme. Aber G. hatte Italien nie vergessen, und seit die ersten Nachrichten von der neuen Bewegung der Geister aus der Heimat zu ihm drangen, rüstete er sich zur Heimkehr. Im April 1848 verließ er Montevideo mit einer kleinen Zahl von Begleitern, darunter seine Frau Annita, die er in Südamerika geheiratet. G. kam nach Italien, als dort die Bewegung bereits zu Ende ging. König Karl Albert verschmähte seine Dienste, und zu spät übertrug ihm die lombard. Regierung den Befehl über ihre Freikorps. Die vereinzelten Erfolge, welche G. noch gewann, vermochten nichts gegen die Wirkung des Waffenstillstandes vom 9. Aug., und G. trat 1849 in den Dienst der Römischen Republik. Er bewährte sich hier 30. April gegen die Franzosen vor den Thoren Roms, 9. und 19. Mai gegen die Neapolitaner bei Palestrina und Velletri, sowie in den letzten Tagen der Verteidigung der Stadt gegen Oudinot. Als Rom sich ergeben mußte, zog G. mit 3000 Mann in der Hoffnung, im Norden den Befreiungskampf Italiens zu beleben, in den Apennin und führte mit glänzendem Geschick dort den Parteigängerkrieg gegen die ihn rings umschließenden Österreicher; doch mußte er endlich zu San-Marino den Rest seines Korps auflösen. Er selbst entkam mit einigen Genossen und seiner Frau in die Gegend von Ravenna. Seine Frau starb hier im Kindbett. G. gelangte dann, sich allein durch Italien durchschlagend, bis Chiavari, wo er auf Befehl der sardin. Regierung verhaftet und aufgefordert ward, zwischen Gefangenschaft oder Auswanderung zu wählen. Er ging nach Tunis, ward aber hier infolge der Machinationen des franz. Konsuls nicht angenommen. Man brachte ihn nach der Insel Maddalena, wo er bis 1851 in einer Art Staatsgefangenschaft lebte und beim Betrieb der Jagd und Fischerei auch seinen spätern Aufenthalt, die kleine Insel Caprera, zuerst kennen lernte. Endlich wandte er sich wieder nach Amerika, führte dort Handelsschiffe, beteiligte sich auch bei gewerblichen Unternehmungen und erwarb etwas Vermögen, mit welchem er nach seiner Rückkehr nach Italien 1854 den nördl. Teil der Insel Caprera kaufte. Dort lebte erals Landwirt, bis ihn das Jahr 1859 für Italien wieder zu den Waffen rief. Als sardin. General befehligte G. die Alpenjäger, mit denen er schon 23. Mai den Tessin überschritt, 11 Tage vor der franz. Armee. Sein Erscheinen, seine Siege bei Varese und San-Fermo über das weit überlegene österr. Korps unter Urban brachten die anze Lombardei in Bewegung. Zwar geriet G.endich in eine ziemlich üble Lage, aber die Hauptarmee der Verbündeten befreite ihn aus derselben. G. eilte alsbald wieder der Hauptarmee voraus, drang nach dem Gefecht von Rezzato über den Chiese und bedrohte die Pässe, welche aus Italien nach Südtirol führen, als nach der Schlacht von Solferino 12. Juli der Präliminarfrieden von Villafranca geschlossen wurde, der so viele Hoffnungen täuschte. G. vertauschte den sardin. Dienst mit dem der mittelital. Staaten, und wollte von diesen aus sofort den Krieg in die päpstl. Staaten tragen, was jedoch von der sardin. Partei vereitelt wurde. G. zog sich darauf mißmutig nach Caprera zurück. Rammor 1860 schloß er mit der Tochter des Grafen Raimondi eine zweite Ehe, die aber schon mit der Trauung wieder ihr Ende nahm. Inzwischen rief ihn der Aufstand Siciliens zu neuen Thaten. Am 5. Mai 1860 schiffte er sich mit nur 1000 Genossen auf zwei Dampfern, die er im Hafen von Genua weggenommen, bei Quarto ein, landete unter dem Schutze brit. Schiffe 11. Mai bei Marsala, übernahm 14. die Diktatur, siegte 15. bei Calatafimi und drang am Morgen des 27., nach einigen Kämpfen an der Westseite und geschickten Manövern, von der Ostseite in Palermo ein. Vollhardis Herr Hauptstadt der Insel ward er, nach längerm Straßenkampfe und nachdem die Stadt ein Bombardement von der Citadelle von Castellamare ausgehalten, erst durch den Vertrag vom 6. Juni, welchen er mit dem königl. Statthalter Lanza abschloß. Die Unterwerfung der Insel machte nun kaum noch Schwierigkeiten. Nach dem Siege von Milazzo 20. Juli blieb den Königlichen nur noch die Citadelle von Messina, mit deren Kommandanten 28. Juli ebenfalls ein Abkommen getroffen wurde, welches die Feste neutralisierte. G. bereitete sodann den le seine Worbn Calabrien vor. Am 20. Aug. landete seine Vorhut bei Capo dell' Armi, siegte 21. bei Reggio und drang vereinigt mit der Hauptmacht rasch nordwärts vor. Die Kapitulationen von San-Giovanni und Soveria Manelli 23. und 30. die schwächten die neapolit. Armee erheblich. Die Landung von G.s linkem Flügel, der nun zur Vorhut ward, bei Sapri 1. Sept. und dessen rascher Marsch auf Salerno verscheuchten das dort aufgestellte königl. Korps, und schon 7. Sept. konnte der Diktator in die von Die a II. verlassene Hauptstadt Neapel einziehen. ie an der Volturnolinie versammelten Neapolitaner wurden 19. Sept. vor Capua, 1. und 2. Okt. in der Schlacht am Volturno aufs Haupt geschlagen. Gleichzeitig rückte die sardin. Armee, welche, nachdem die turiner Regierungspartei vergebens den Übergang G.s nach Calabrien zu verhindern ge-Rord in den Kirchenstaat eingedrungen war, von orden her ins neapolit. Gebiet ein. Nachdem die Bevölkerung Neapels Victor Emanuel als König von Italien begrüßt hatte, legte G. seine Diktatur nieder und kehrte 9. Nov. nach seiner Felseninsel Caprera zurück. An den Verhandlungen des ital. Dastiumnun nahm G. nur selten teil, aber die ißstimmung in Italien führte ihn 1862 aufs neue in die Offentlichkeit. Nachdem im Mai 1862 der Putsch von Sarnico stattgefunden, ging G. im Juni wieder nach Sicilien. Er landete 28. Juni zu Palermo, und diesmal mit der Absicht, das ital. Volk — die Eroberung Roms, als seiner natürlichen, urch Parlamentsbeschluß feierlich anerkannten lach wihlan zur Erhebung zu bringen. Dieser Veruch mißlang. Zwar bemächtigte sich G., nachdem er ganz Sicilien mit geringer Macht durchzogen, troß der gewaltigen Kräfte, welche die turiner Regierung gegen ihn mobilisierte, 18. Aug. Catanias, auch landete er 25. in Calabrien. Aber schon 29. Aug. erfolgte der Zusammenstoß von Aspromonte . d.), bei welchem G. schwer verwundet wurde. uerst als Kriegsgefangener behandelt und in dem Fort Varignano bei La Spezzia festgehalten, dann 5. Okt. begnadigt, ging er zuerst nach Pisa und kehrte dann, noch an seiner Wunde leidend, 19. Dez. nach Caprera zurück, welches er in den nächsten Jahren nur einmal (1864) verließ, um eine Reise nach England zu machen. Kurz vor dem Ausbruch des Kriegs von 1866 stellte sich G. 5. Mai dem König Victor Emanuel zur Verfügung und wurde zum Oberbefehlshaber von 20 Bataillonen Freiwilliger ernannt, fand jedoch während des Feldzugs keine Gelegenheit, sich auszuzeichnen. Im Herbst 1867 versuchte G. abermals, Rom für Italien zu erobern, warb eine kleine Schar Freiwilliger, schlug 23. Okt. die ihm entgegengeschickten 3000 Mann päpstl. Truppen bei Monte-Rotondo, drängte dieselben 26. Okt. in das Weichbild von Rom zurück und befestigte sich dann bei Monte-Rotondo. Von hier zog er sogar den überlegenen, Ende Oktober in Civitavecchia gelandeten, mit Strnppen vis Men bewaffneten franz. Occupationstruppen bis Mentana entgegen; doch brachte ihm General de Failly 3. Nov. eine schwere Niederlage bei. G. wurde auf der Flucht gefangen genommen und nach dem Fort Varignano gebracht, aber bald wieder nach Caprera entlassen, indessen dort sorgfältig überwacht. Nach Proklamierung der franz. Republik im Sept. 1870 zog G. mit einem Corps Freiwilliger den Franzosen zu Hilfe und begann in der Nähe von Dijon einen Guerrillakrieg, ohne nennenswerte Erfolge 0 erreichen. Seine Unthätigkeit erleichterte wesentlich den Vormarsch der deutschen Südarmee und hat viel zur Niederlage der franz. Armee Bourbakis beigetragen. G. gab hierauf seine Entlassung und wurde im Febr. 1871 in Nizza in die franz. Nationalversammlung nach Bordeaur gewählt, besuchte aber nur einige Sitzungen und kehrte darauf nach Caprera zurück. Hier lebte er ganz zurückgezogen, bis er im Nov. 1874 in Rom zum Deputierten gewählt wurde. Er nahm 25. Jan. 1875 seinen Sitz in der Deputiertenkammer ein und leistete den Eid auf die Verfassung. Die ihm von der Regierung durch ein mit dem Parlament vereinbartes Gesetz bewilligte Pension von 100000 Lire Renten nahm er nur nach längerm Widerstreben an, genötigt durch die Verschwendung seiner Söhne Menotti und Ricciotti. In Rom versuchte G. eine Gesellschaft zur Tiber-Uferregulierung und zur Kultivierung des versumpften Agro Romano, des Fieberherdes der röm. Campagna, zu gründen. Die ital. Regierung nahm indes die Trockenlegung der Tiber-Ufer selbst in die Hand, da G.s Pläne nicht für ausführbar erachtet wurden, worauf dieser im Mai 1876 nach Caprera zurückkehrte und gelegentlich in Briefen seiner unwandelbaren republikanischen Gesinnung Ausdruck gab. Trotzdem wurde G., als er 1879 sich von neuem in Rom aufhielt, vom König durch wiederholte Besuche und sonstige Zeichen dankbarer Anerkennung ausgezeichnet; auch brachte der König G.s abermals völlig zerrütteten Vermögensverhältnisse in Ordnung; doch lohnte G. diese Güte schlecht und brachte die Regierung durch taktlose Manifeste zu Gunsten der Italia irredenta und öffentliche Aufforderungen zur Befreiung von Istrien und dem Trentino in üble Lage Osterreich gegenüber. Auch im Innern erwiesen sich seine Ratschläge als schädlich und lediglich von dem eiteln Drange, sich genannt zu sehen, diktiert. Er verlangte die Einführung des allgemeinen Stimmrechts, obschon dieselbe nur seinem Hauptgegner, der kath. Kirche, zu statten kommen konnte. Gegen Ende des Jahres 1879 setzte G. die Ungültigkeitserklärung seiner Ehe mit der Gräfin Raimondi durch und kehrte nach Caprera zurück, legte sodann gleichzeitig mit seinem Sohne Menotti im Sept. 1880 wegen der Verhaftung seines Schwiegersohns Canzio das Deputiertenmandat mit einer bombastischen, durch die Sachlage durchaus nicht berechtigten Erklärung nieder und erreichte hierdurch die Begnadigung Canzios. G. zog sich hierauf wieder nach seiner Felseninsel zurück, auf der er seit einer Reihe von Jahren mit der ehemaligen Amme eines Kindes seiner Tochter in wilder Ehe lebte, und ließ wenig von sich hören. Dort starb er 2. Juni 1882, und ganz Italien betrauerte seinen Tod. Entgegen seinem Testamente, nach welchem die Leiche verbrannt und die Asche in einer Porphyrurne beim Grabe seiner Kinder hinter dem Hause beigesetzt werden sollte, fand 10. Juni auf Caprera das feierliche Begräbnis G.s auf Staatskosten statt. Die Leiche wurde hinter dem Hause in eine Gruft gesenkt, und ein furchtbares Unwetter trieb unmittelbar danach das zahlreiche Trauergefolge auseinander. In dem Sitzungssaale der ital. Kammer wurde eine Gedenktafel für G. angebracht und zu Rom 18. Juni eine großartige Trauerfeier abgehalten, an welcher das gesamte Parlament teilnahm. Vom Staate wurden der Witwe und jedem der fünf überlebenden Kinder des Nationalhelden Jahres-⸗ renten von 10000 Lire ausgesetzt und außerdem die Errichtung eines Nationaldenkmals zur Erinnerung an seine Thaten beschlossen. G. war ein Mann von mittlerer Größe, dessen Kopf auf herkulischen Schultern ruhte und dessen kräftiger Gang den Seemann verriet. Sein Haupthaar sowie sein starker langer Bart schienen früher rötlich. Seine Kleidung bestand aus einer bis an die Kehle geschlossenen Bluse und einem runden schwarzen Filzhute. Sein Gesichtsausdruck war edel, seine Rede einfach und treffend. Mit festem,‚ unbeugsamem Willen, kühner Thatenlust, Scharfblick und Geistesgegenwart vereinigte G. ein schwärmerisches Gemüt, das für Recht und Freiheit, für die wostt und Völkerwohl begeistert war und für die polit. Wiedergeburt seines Vaterlandes bis zum Fanatismus glühte. Diese Eigenschaften machten G. zum ital. Volkshelden, der, gebildet und gefestet durch ein Leben persönlichen Kampfes, in seinem individuellen Drange auf eigene Hand wagen konnte, was eine mit Rücksichten umgebene Regierung nicht wagen durfte. Daher sein Konflikt 1862 mit der Staatsmacht, welcher er selbst aus Patriotismus diente, seine Abneigung gegen die geschulte Kriegskunst, sowie seine geringe Einsicht in den Fragen der Politik. Aus seiner Ehe mit Annita gingen hervor eine Tochter, Teresita, die sich im Mai 1861 mit dem Major Canzio, einem Waffengenossen G.s vermählte, und zwei Söhne, von denen der ältere, Menotti G., geb. 16. Sept. 1840, an den Waffenthaten des Vaters seit 1862 teilgenommen hat. G. hat in den letzten Lebensjahren sich auch als Romanschriftsteller in drei Romanen versucht: «Clelia, overro il governo del Monaco (Mail. 1870; deutsch, Wien 1870), 4«Cantoni il volontario (Mail. 1870; deutsch, Wien 1870) und „IMilles (Tur. 1874); dieselben richten ihre schärfe Spitze gegen Rom und die kath. Kirche, haben aber leinen litterarischen Wert. Unter den zahlreichen Biographien und biographischen Skizzen G.s sind H Reuchlin, «G. und die Alpenjägero (Nördl. 1861); Elpis Melena, 4G.s Denkwürdigkeiten » (2 Bde., Hamb. 1861); Delvau, 46., sa vie et ses aventureso (Par. 1862); Vecchi, KG. auf Caprera (deutsch, Lpz. 1862); Balbiani, «Scene storiche della vita politica e militare di G.„ (Mail. 1872); Bordone, 4G. et l'armée des Vosges. Récit officiel de la campagne „ (3 Tle., Par. 1871); Bordone «Gari⸗- baldid (Paris 1878); Bent, Life of G.v (Lond. 1881); Guerzoni, 4G. con documenti inediti (2 Bde., Rom 1882); Speyer, «Giuseppe G. (in (Unsere Zeito, 1883, I).