FeedMazzini (Giuseppe)
GeschichteBrockhaus 1882

Mazzini (Giuseppe), berühmter ital. Patriot und republikanischer Agitator, geb. 28. Juni 1808 zu Genua, widmete sich daselbst dem Studium der Rechte und nahm schon als Student teil an der polit. Bewegung der zwanziger Jahre. Er wurde ein äußerst thätiges Mitglied der Carbonaria und begab sich 1830 als Sendling und Werber des Geheimbundes nach Toscana. Nach seiner Rückkehr nach Genua sah er sich durch die Verräterei eines Bundesbruders in eine Untersuchung verwickelt, infolge deren er auf die Festung Savona gebracht wurde. Als er wieder frei geworden war, ging er nach Marseille, forderte in einem Briefe den König Karl Albert von Sardinien zur Befreiung Italiens auf und gründete 1832 den Geheimbund des Zweck die Herstellung der geeinigten Republik Italien war. Die heimliche Einführung des von ihm herausgegebenen revolutionären Blattes in Piemont veranlaßte hier einen Hochverratsprozeß, der vielen Soldaten Leben oder Freiheit kostete und M. ein Todesurteil in contumaciam zuzog. Die Häupter des Jungen Italien, M. an der Spitze, sammelten sich in der Schweiz und veranstalteten von Lugano und Genf aus Anfang Febr. 1834 den Einfall einer Schar von Flüchtlingen aller Länder in Savoyen, der kläglich endete. M. flüchtete nach Paris, bald darauf nach London, wo er eine große publizistische Thätigkeit entwickelte. Bei allen polit.⸗ revolutionären Bewegungen in Italien hatte er seine Hand im Spiele, namentlich auch 1844 bei der Unternehmung der Brüder Bandiera (s. d.). Nach der Februarrevolution von 1848 eilte er nach Paris und nach dem Aufstande in Oberitalien und der Eröffnung des ital. Kriegs wandte er sich nach Mailand, wo er von Ende Mai bis Anfang August das Organ der Nationalgesellschaft, LIItalia del popolop, leitete. Nach seiner Erwählung in die toscan. konstituierende a bedabsch erschien er in Livorno und Florenz und begab sich dann nach Rom, wo die Republik bereits proklamiert war und er das Bürgerrecht und ein Mandat in die Nationalversammlung erhalten Iins Am 30. März 1849 erfolgte hier seine 15911 ins Triumvirat mit Armellini und Saffi, welches Amt er niederlegte, als das röm. Parlament die weitere Verteidigung gegen die Franzosen für unmöglich erklärte. Nach dem Falle der Stadt (22. Aug.) wandte er sich in die Schweiz und, als er ausgewiesen wurde, wieder nach London zurück. Hier gründete er im Verein mit Ledru-Rollin und andern Flüchtlingen ein europ. Revolutionskomitee, welches sich die Gründung einer europ. Republik zum Ziel setzte. Von London aus betrieb M. unausgesetzt neue revolutionäre Bewegungen in Italien, von denen die von Mantua (1852), Mailand (1853), Genua (1857) die wichtigsten waren. Die Emeute in Mailand,‚ für welche ein großer Teil des Ertrags einer M.schen Anleihe verwendet worden war, veranlaßte die Auflösung des in London versammelten Nationalkomitees. Wegen des außerordentlichen Einflusses von M.s Schriften, die den Nationalgeist aufs tiefste erregten und die Jugend patriotischer Opferfreudigkeit begeisterten, hob ie ital. Regierung im Sept. 1866 das Todesurteil auf,‚ welches bisher M. die Rückkehr ins Vaterland verschlossen hatte. Doch kehrte er erst im Juli 1870 nach Italien zurück, um eine neue geheime Agitation ins Werk zu setzen, wurde in Palermo verhaftet, bald aber wieder in Freiheit gesetzt. Er starb 10. März 1872 zu Pisa. Die Leiche wurde nach Genua gebracht und 17. März auf dem Friedhofe des nahen Staglieno beerdigt. Sein Denkmal in Genua wurde 22. Juni 1882 enthüllt. Eine Gesamtausgabe seiner Werke (&Scritti editi e ineditio) erschien in 12 Bänden (Mail. 1861 fg.). Dazu kommt eine engl. Ausgabe seiner gesammelten Werke: Life and writings of Joseph M. (6 Bde., Lond. 1870). Außerdem sind bemerkenswert: „Corrispondenza inéedita di Giuseppe M.y (Mail. 1875) und Wettres de Joseph M. à Daniel Sterno (Par. 1873). Vgl. Simoni, M. Histoire des conspirations mazzinienneso (Par. 1870); Nardi, &Giuseppe M., la vita, gli scritti e le dottrineß (Mail. 1872); Ludmilla Assing, Giuseppe M. (in Unsere Zeito, Lpz. 1872). AHI Nicht zu verwechseln mit Giuseppe M. ist dessen Vetter Andrea M., der sich ebenfalls als Flüchtling zu Paris aufhielt und „De P'Italie dans ses rapports avec la liberté et la civilisation modernen (2 Bde., Par. 1847; Lpz. 1847; deutsch, Lpz. 1848) veröffentlichte.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 550Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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