Gauermann (Friedr.), Maler, Sohn des vorigen, geb. 20. Sept. 1807 zu Miesenbach bei Guttenstein in Niederösterreich auf dem Landsitze seines Vaters, wurde erst durch die Bestrebungen eines fruh verstorbenen Bruders und anderer Freunde angeregt, sich mit der Kunst zu beschäftigen. Er studierte nun mit Eifer an der Akademie und der Hofbibliothek zu Wien, wo er auch die meisten radierten Blätter der berühmtesten Meister in der Tiermalerei zeichnete. Im Sommer studierte er nach der Natur, in Steiermark, Tirol und Salzburg. Diesen zwiefachen Bemühungen verdankt er, daß seine Bilder im landschaftlichen Teile und in den Tierdarstellungen gleich vortrefflich sind. Aber auch in der Figurenmalerei blieb er nicht zurück. Sein Ackersmann auf dem Felde war der Glanzpunkt der wiener Ausstellung von 1834 und ziert, nebst zwei frühern und einem spätern Gemälde verwandten Inhalts, die Galerie des Belvedere. Seitdem behauptete G. den ersten Rang unter den Tiermalern in OÖsterreich. Er starb auf seiner Besitzung zu Miesenbach 7. Juli 1862. Seine zahlreichen Werke beziehen sich auf das Leben der Hirten, Jäger und Ackersleute in Gebirge und Thal, auf den Kampf und den Verkehr mit der Tierwelt, in Regen und Sonnenschein, bei jeder Tages⸗ und Jahreszeit. Doch geschieht dieses stets in dem Sinne, daß der Landschaft die Hauptrolle zukommt, der Mensch nur als Staffage erscheint. Er malte mit Vorliebe Bauerhöfe, Viehtränken, heimkehrende Herden, Ställe, Kohlenmeiler, den verendenden Hirsch in der Gebirgsschlucht u. s. w. In der Darstellung zeigt sich G.s umfangreiches künstlerisches Wissen, feine Beobachtung, große Naturwahrheit, treue Charakteristik und Meisterschaft des Pinsels, sowohl in der Zeichnung, als in der feinen, klaren Färbung. Viele Bilder G.s sind lithographiert worden. Er hat auch selbst einige Blätter Tierstudien schön radiert.