FeedGeber
NaturlehreBrockhaus 1882

Geber (auch Giabir, Dshabir, Dsheber), ein Name, welcher in der Geschichte der arab. Naturwissenschaften, namentlich der Chemie und Pharmacie, eine ganz außerordentlich große Rolle spielt; man pflegt denselben an die Spitze dieser Geschichte zu stellen und rühmt seinem Träger nach, daß er nicht nur ein Meister in der Astrologie und Wahrsagekunst, sondern auch in der Chemie und vorzüglich auch der Metallkunde gewesen sei und die tiefsten und fruchtbarsten Forschungen über die Umwandlungsfähigkeit der Metalle angestellt habe, daß er der eigentliche Begründer der Alchimie sei. Als solcher galt G. im ganzen Mittelalter, und G.s Schriften sind unendlich häufig in das Lateinische, Französische u. s. w. übersetzt worden. Man schrieb diese den Namen G. an der Stirn führenden Schriften fälschlich Einem Manne zu, während sie zwei großen Gelehrten mit ganz entfernt ähnlichen Namen angehören. Es sind daher zwei G. voneinander zu unterscheiden: der Lehrer und der Schüler, deren erster Dsha' far (woraus man im Occident Gafar, Gabar und Geber machte) und deren zweiter Dshäbir (woraus man gleichfalls Giaber und Geber machte) hieß. Der erste, der Lehrer, hieß Abü Abd-allah Dsha far bin Muhammed und führte den Beinamen la-Ssadik (der Wahrhafte). Er ist 699 (80 der Hedschra) geboren, war der sechste Imam (Oberhaupt der Aliden) und starb 765 (148 der Hedschra) in Medina. Er zeichnete sich durch seine Kenntnisse in der Astronomie aus und dem (im Grunde altarabischen) Glauben an den Einfluß der (von den alten Arabern göttlich verehrten) Gestirne auf die Schicksale der Menschen und auf die Entwickelung der brgugerumt (aus trieb er eifrig Astrologie und Wahrsagekunst (aus dem Gliederzucken) und hat eine größere Anzahl von Schriften darüber hinterlassen. Unter den zahlreichen (nach Ibn-Challikäan sind es 500) von seinem Schreiber gesammelten Schriften sind die berühmtesten, in vielfachen Übersetzungen verbreiteten, folgende: «Sidera apparentia nativitatumv, Liber divinationiso, Valpitationes membronumo, Electiones dierumo, „Tabulae de cognitione ingressus annorum, mensium et dierumv. Dsha'far soll durch seine ganze, Ehrfurcht gebietende und geistig außerordentlich herworragende Persönlichkeit auf seine Zeitgenossen einen ungemein großen Einfluß ausgeübt haben, am meisten auf seinen berühmten, in Küfa wohnenden Schüler Abü Musa Dfhäbir bin Hajjän el-Kufi, geboren zu Tarsus in Cilicien. Er ist unzweifelhaft zu Anfang des 8. christl. Jahrh. geboren und nach Hadshi Khalfa im J. 776 gestorben. Auf seinen vielfachen Reisen kam er auch nach Medina, wo er seinen berühmten Lehrer kennen lernte und, von ihm angeregt, sich ganz den Naturwissenschaften widmete. Die Beobachtung, daß die chem. Körper durch ihren gegenseitigen Einfluß einer Umwandlung unterworfen sind, führte ihn auf die Lehre von der Umwandlungsfähigkeit der Metalle und auf die Lehre, daß diejenigen Körper, mit deren Hilfe die niedrigen Metalle auf eine höhere Stufe gehoben oder gereinigt werden können, auch gegen Krankheiten heilsam sind, und daß die Körper, durch welche die Metalle in Gold umgewandelt werden könnten, auch alle Krankheiten verbreiten und heilen und einen Verjüngungsprozeß begründen müßten. Dshäbir ist jedenfalls, wenn man von den allenthalben an seine wirklich wissenschaftlichen Vorstellungen und Behauptungen absieht, einer der größten arab. Naturforscher, von einem ungemein weiten wissenschaftlichen Horizont und einer sehr großen Kombinationskraft. Ein (freilich nicht vollständiges) Verzeichnis seiner Schriften gibt F. Wüstenfeld, (Geschichte der arab. Arzte und Naturforschers (Gött. 1840). liber beide „Geberv vgl. Leclere, „Histoire de la médecine araben (Par. 1876).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 7, S. 610Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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