Gebhardt (Karl Franz Eduard von), Maler, an 1. (13.) Juni 1838 auf der Pfarre zu St. Johannis in Estland, erhielt seine Jugenderziehung im Gouvernementsgymnasium zu Reval und in der Hörschelmannschen Erziehungsanstalt zu Werro in Livland. Ein außergewöhnliches Zeichentalent bereits früh zeigend, besuchte G. 1853—58 die Kunstakademie in Petersburg und begab sich dann nach Düsseldorf, Schottland und Belgien. Von den Niederlanden zog er dann rheinaufwärts über Karlsruhe nach München, von wo er 1859 in Zell im Zillerthal längeres Standquartier nahm. G. zeichnete dort Porträts und Studienköpfe, die seine eigentümliche Begabung für die Charakterisierung zeigten. Zum Winter 1859 zog er nach Karlsruhe, wo er unter Lessing gute Fortschritte machte, dann im Spätherbst 1860 nach Düsseldorf, wo er sich unter der Leitung Wilhelm Sohns zum Meister ausbildete und sich dauernd niederließ. Im J. 1863 gelangte G.s erstes Bild: Christi Einzug in Jerusalem, auf die Ausstellung des Rheinischen Kunstvereins, welches allgemeines Aufsehen erregte und wie sein zweites Bild: die Erweckung von Jairus“ Töchterlein, vom Rheinischen Kunstverein gekauft und verlost wurde. Diesen folgte sein Bild: Vom reichen und armen Mann. Mit seinem vierten großen Bilde, die Kreuzigung Christi darstellend, welsches Altarbild er für die Domkirche Revals malte, kann man G.s erste Künstlerphase nach altdeutschen Idealen (Alb. Dürer und Veit Stoß) als abges chlossen betrachten. Seine nachfolgenden Bilder, wie: ein Religionsgespräch in der Reformationszeit, die Pendelschwingungen und die Brüder van CEyck wurden durch Aufstellung in Museen und Vervielfältigung auf photographischem und xylographischem Wege in weitern Kreisen bekannt. Am meisten Aufsehen erregte aber 1870 G.s Abendmahl (in der berliner Nationalgalerie), welches unstreitig in Energie der Farbe das trefflichste seiner Werke ist. Diesem folgte: die Kreuzigung (Hamburger Kunsthalle), von bewegter dramatischer Darstellung. In seinem Bilde Ecce homo, Christus vor dem lärmenden, rasenden Volke, nähert er sich immer mehr Rembrandt, den er gründlich studiert hatte. In der Fülle seines Kompositionstalents schuf G. noch die Bilder: die Jünger von Emaus (1876), der Reformator bei der Arbeit (1877), die Himmelfahrt (1881), Christus auf dem Meere (1881) und die Klosterschüler (1882). Seit 1875 ist G. Professor an der düsseldorfer Kunstakademie.