Geburtstag, Geburtsfest oder Wiegenfest (lat. dies natalis, frz. anniversaire oder fete de la naissance, engl. birth day, natal day anniversary), Bezeichnung für den wiederkehrenden Jahrestag der Geburt und dessen Feier. Bei der Zählung dieses Festes geschieht sehr oft der Irrtum, daß der Tag der Geburt selbst mitgezählt wird, daß man z. B. den 22. März 1877 irrtümlich als den 81. G. des am 22. März 1797 geborenen Kaisers Wilhelm bezeichnet, während er doch in der That nur als sein 80. G. bezeichnet werden darf, da der Begriff des Euns (Geburtsfestes) eben auf der Wiederkehr dieses ags beruht, also der Tag der Geburt selbst nicht mitgezählt werden darf; denn der erste G. (das erste Geburtsfest) ist der erste Dart selot der Geburt, nicht aber der Tag der Geburt selbst. Der G. wurde schon im Altertum festlich begangen, insbesondere durch Einladung von Verwandten und Freunden, Anlegen weißer Gewänder, Schmückung der Laren mit Kränzen u. s. w. Offentlich feierte man den G. berühmter und verdienter Männer, namentlich der Kaiser, ja Cäsars und Augustus' G. (12. Juni und 22. Sept.) waren sogar im Kalender als ordentliche Festtage angesetzt und zu Ehren des G. des Augustus hielten die röm. Ritter zwei Tage lang öffentliche Spiele. Die Sitte, den G. besonders zu feiern, hat sich auch bis in die neueste Zeit erhalten; man feiert ihn bei Privaten durch Glückwünsche, Geschenke, Festmahle u. s. w., bei Monarchen durch öffentliche Feslichteiten. Bei den Katholiken wird statt des G. meist der Namenstag (s. d.) gefeiert.