FeedGedächtuisübungen
Handwerk & GewerbeBrockhaus 1882

Gedächtuisübungen, Memorierübungen. Der frühere Unterricht war namentlich auf die dächtnismäßige Aneignung des Wissensstoffs bedacht; man legte geringeres Gewicht auf die verstandesmäßige Durchdringung des Gewußten und vergaß, daß von dieser die Stärke des Gedächtnisses wesentlich abhängt. Es folgte eine Zeit, in welcher man an die Stelle der Gedächtnisübung die Üübung des Verstandes setzte, ohne zu bedenken, daß der Verstand einen Stoff haben müsse, um sich an ihm zu üben, und daß ihm dieser Stoff durch das Gedächtnis dargeboten wird. Man unterscheidet ein mechan., ingeniöses und judiciöses Memorieren. Das judiciöse Memorieren beruht auf dem innern Zusammenhange der Vorstellungen, die gemerkt werden sollen, das ingeniöse auf dem künstlichen Zusammenhange, in welchen man sie untereinander oder mit andern Vorstellungen gebracht hat; bei dem mechanischen kommt es nicht auf eine Association der Begriffe, sondern der Worte als sichtbarer oder hörbarer Gedankenzeichen an. Das mechan. Auswendiglernen ist, wenn es sich um wörtliche Einprägung der Gedanken handelt, nicht zu entbehren, und das ingeniöse oder * Memorieren ist einerseits mehr verwendbar bei der Einprägung von einzelnen Vorstellungen und Worten, als von Gedanken und Sätzen, andererseits nicht möglich ohne mechan. Aneignung der Vorstellungen und Worte, mit denen sich das zu Memorierende associieren soll. übungen im mechan. Memorieren sind daher unter allen Umständen ersorderlich, und an sie denkt man vornehmlich, wenn man von Gedächtnisübungen spricht; beim judiciösen Memorieren überwiegt die Thätigkeit des Vertandes, beim ingeniösen die der Phantasie.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 7, S. 627Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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