FeedGeiler von Kaisersberg (Joh.)
GeschichteBrockhaus 1882

Geiler von Kaisersberg (Joh.), berühmter deutscher Kanzelredner, geb. zu Schaffhausen 16. März 1445, wurde nach dem frühen Tode seines Vaters von seinem Großvater zu Kaisersberg im Elsaß erzogen und studierte zu Freiburg und zu Basel, wo er 1475 die theol. Doktorwürde erlangte. In Freiburg trat er zuerst als Prediger auf; doch folgte er bald einem Rufe nach Würzburg und von hier, ebenfalls nach kurzem Aufenthalte, nach Straßburg, wo er 1478 Domprediger wurde und 10. März 1510 starb. Er predigte hier mit dem größten Beifall, ihm zu Ehren soll die prächtige Kanzel im Dom erbaut worden sein. G. gehörte zu den gelehrtesten und originellsten Männern seiner Zeit. Seine Predigten, gewöhnlich lateinisch niedergeschrieben, aber deutsch gehalten und durchaus volkstümlich, zeigen ein eifriges und redliches Streben nach Eindringlichkeit und verschmähen Witz, Spott und Schimpf onicht, um ihre Wirkung zu erreichen. Lebendige 2JBilder aus dem Leben, warme Färbung, kecke Um8risse charakterisieren seine Darstellung, und sein Eifer rtreibt ihn oft zu einer Derbheit der Satire, welche smit den gegenwärtigen Ansichten von der Würde der Kanzel nicht bestehen kann, aber dem Geschmacke seiner Zeit wohl entsprach. Von seinen sehr selten —gewordenen Schriften sind anzuführen das Narrenchiff's (lat., Straßb. 1510; deutsch von Pauli, 1520) als die berühmteste, bestehend aus 412 Predigten über Sebastian Brants (s. d.) „Narrenschiffo; »ferner „Das irrig Schaf» (Straßb. 1510), Der Seelen Paradießv (Straßb. 1510), Das Schiff der Pönitenz und Bußwirkungo (Augsb. 1514), „Das Buch Granatapfelv (Augsb. 1510), Christl. Pilgerschaft zum ewigen Vaterlandv (Bas. 1512), «Das Evangelienbuchv» (Straßb. 1515), „Die Emeisv (Straßb. 15160, „Brösamlin ufgelesen von Frater Joh. Paulis (Straßb. 1517), (Das Buch der Sünden des Mundesv (Straßb. 1518), „Postillo (Straßb. 1522). Vgl. die Biographien G.s von Ammon (Erlangen 1826), Weick (3 Bde., Frankf. 1829) und besonders von Dacheux (Straßb. 1876). Ausgewählte Schriften von G. nebst einer Biographie gab Lorenzi (2 Bde., Trier 1881) heraus.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 7, S. 683Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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