FeedGenelli Got. Bonaventura)
Bildende KunstBrockhaus 1882

Genelli Got. Bonaventura), einer der genialsten Zeichner und Maler der neuern Zeit, geb. 28. Sept. 1798 zu Berlin, erhielt seinen Unterricht in der Kunst von seinem Vater und von seinem Oheim Hans Christian G, sowie eine Zeit lang auf der Akademie seiner Vaterstadt: 1822 ging er nach Italien, wo er bis 1832 in Rom lebte. Für seine ugendentwickelung waren der Umgang im gräflich Graden usch Hause, sowie die Beziehungen zum rafen Jugenheim besonders wichtig. Der Drang der Ideenproduktion und Lust am Erfinden waren so vorwaltend, daß er sich damals nur schwer zur Vollendung größerer Darstellungen entschließer konnte. Nach seiner Rückkehr aus Italien wandte sich G. nach Leipzig, wo er in dem sog. Römischen Hause des Dr. Härtel Scenen aus der Bacchusfabe und anderes zu malen ühernahm, aber nur einige lleine Bilder über den Fenstern und die Kompo sition für die Saaldecke (Bacchus unter den Mu sen) abschloß. Im J. 1836 nach München über gesiedelt, hatte G. lange Jahre mit den drückendsten Sorgen zu kämpfen; die genialen Kompositionen, die 7 gleichwohl in Fülle entströmten, fanden nur in engem Kreise Anerkennung; öffentliche Aufgaben wurden ihm nicht zuteil. Im J. 1859 erhielt er eine Einladung des Großherzogs Karl Alexander nach Weimar, wo ihm nunmehr Muße gegeben war, größern Arbeiten obzuliegen. Seitdem erst beschäftigte er sich vornehmlich mit der Oltechnik und führte in schneller Aufeinanderfolge eine Reihe roßer Gemälde für den Grafen von Schack in ünchen aus: Raub der Europa (Karton dazu in der Nationalgalerie zu Berlin; frühere Komposition, in Aquarell, im Privatbesitz in Leipzig), Herkules bei Omphale, Theatervorhang, Bacchusschlacht, Verheißun den Mufen Kartons zu den beiden letzten im Städtischen useum zu Leipzig, welches noch mehrere andere bedeutende Aquarelle u. s. w. von G. besitzt). G. starb 13. Nov. 1868 zu Weimar. Seine zahlreichen Zeichnungen und Aquarelle, die sich auf dem Gebiete des Klassischen, Phantastischen und in den Labyrinthen des Lebens bewegen, sind überall durch ganz Deutschland zerstreut worden. Zu seinen ersten b50 ungen in München Couns Loths Einkehr in Zoar (gestochen von H. chütz). Außerdem sind von seinen Werken noch besonders hervorzuheben: vier größere, sehr vollendete Aquarellbilder im Besitz des Barons von Sina in Wien Gaß auf einem Brunnen sitzend und den Hirten Fabeln erzählend; Homer, dem Volke seine Gesänge vortragend; Apoll unter den Hirten; Sappho, ihre Gedichte den Frauen vortraend), 49 Kompositionen zu Homer (gestochen von „Schütz, Stuttg. 1844), 36 Umrisse zu Dante's „(Göttlicher Komödies (ebenfalls gestochen von Schütz, Münch. 1840 fg.; neue Ausg., Lpz. 1865), das Leben einer Hexer (10 Blatt, Originale in der Nationalgalerie zu Berlin, gestochen von Merz und Gonzenbach, Düsseld. 1850), Aus dem Leben eines Wüstlingso (Originalzeichnungen im Privatbesitz in Leipzig, 18 Tafeln, lithographiert von G. Koch in Kassel, Lpz. 1866). Für den Großherzog von Weimar malte er Jupiter im Schutze der Nacht auf Liebesabenteuer ausgehend. G.s Kompositionen sind reich an neuen und frappanten Ideen, sowie voller Phantasie und Ursprünglichkeit. Sie zeichnen sich durchweg durch hohe Reinheit der Formensprache, edle Idealität der Auffassung und Poesie der Erfindung aus; er liebte es, seine Fabeln sich selber zu dichten, und hat in diesem Sinne außer den obengenannten Cyklen einen unveröffentlichten (Scenen aus dem Leben der Titania) und einen zweiten entworfen, welcher, von Merz, Schütz und Gonzenbach in Kupfer gestochen (Lpz. 1867), unter dem Titel «Aus dem Leben eines Künstlerso den Verlauf der eigenen Entwickelung Ges schildert, ein bildnerisches Tagebuch von hohem Reize. Gegenüber den oft phantastisch-ppigen Kompositionen früherer Zeit tragen besonders diejenigen seiner letzten zehn Lebensjahre den Stempel der Abklärung und Vollendung. Ein Bild, Bacchus unter den Seeräubern (vom Grafen von Schack bestellt), kam nicht mehr zur Ausführung; den Karton besitzt das großherzogl. Museum zu Weimar. Zu den Werken aus letzter Zeit gehört außer den obengenannten Olgemälden eine Darstellung des Sisyphus, wie ihn der Todesengel vom Mahle hinwegführt, eine ergreifend großarti eKomposition (Aquarell in der Akademie zu Wien). Sein künstlerischer Nachlaß ist zum Teil in Privatbesitz, zum Teil in die Sammlungen des Königs von Bayern und der wiener Akademie übergegangen. Mit Veröffentlichung einzelner ausgewählter Blätter ist in dem „Satura betitelten Werke (Lpz. 1870) begonnen worden. Wenn auch lange in unbilliger Weise vernachlässigt und mißverstanden, hat doch G. am Abend seines Lebens warme Anerkennung gefunden, die immer größere Ausdehnung gewinnt. An Carstens anknüpfend, vertritt er mit einer Entschiedenheit, die oft etwas Fremdartiges hatte, die klassische Richtung, wie er seine Bildung überhaupt sast ausschließlich der Antike verdankt, aber den Reichtum der innern Welt, den er in seinen Bildedichten ausgießt, und die 8 che und Kraft seiner Lebensführung zeigten, daß er an den besten Elementen unserer modernen Zeit teilgehabt hat. G.s Sohn, Camillo G., geb. 30. März 1840, ebenfalls Maler, ein begabter, hoffnungsvoller Jungling, starb noch vor dem Vater, 19. Der. 1867. — G.s Tochter, Gabriele G., geb. zu Berlin 1838, erwarb sich auf mehrern Bühnen Nord- und Süddeutschlands einen trefflichen **„ als Schaupielerin und widmete sich auch der Anleiars junger Kräfte zum dramatischen Fache. Sie starb 1879. — G.s Großvater, Franciscus Jofephus G., war Kunststicker und kam nach vielbewegtem Wanderleben im letzten Drittel des 18. Jahrh. über Kopenhagen nach Berlin. — G.8 Vater, Jäns oder Janus G., geb. 1771 in Kopen-Phafte gest. 1812 in Berlin, war ein tüchtiger Landchafter, zu dessen besten Werken einige Harzbilder gehören. — Hans Christian G., Bruder des letztern, geb. 23. April 1763, gest. 30. Dez. 1824 zu Berlin, war als Zeichner und gelehrter Architekt an der berliner Akademie thätig. Unter seinen Schriften sind hervorzuheben: „Idee einer Akademie der bildenden Künstes (Braunschw. 1800), Exegetische Briefe über Vitruvs Baukunsto (2 Hefte, Berl. 1801—4) und Das Theater zu Atheno (Berl. 1818).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 7, S. 750Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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