Generalstab heißt das Korps besonders ausgewählter Offiziere, welche dazu bestimmt sind, bei den höhern Truppenbefehlshabern die Details der An490 für Märsche, Operationen und Gefechte, also Befehle, Marschtableaus, Dislokationen, Ordres de Bataille, Dispositionen u. s. w. zu entwerfen und auszuarbeiten, zum Teil auch ihre Ausführung zu leiten, Kolonnenwege, Plätze fur Lager, Biwaks oder Verschanzungen auszuwählen, Rekognoszierungen des Terrains und des Feindes zu unternetmen, die Operationsjournale und militärischen Korrespondenzen im Felde zu führen, 3• und Relationen abzufassen, auch solche, welche bestimmt sind, und di öffentliche Meinung zi wirken. Im Frieden sind die Generalstabsgeschü beschränkter und ist daher nur ein Teil des G. den Truppenkommandos zugeteilt, der andere dagegen, in einigen Armeen Großer Generalstab genannt, vereinigt, um in Sektionen oder Abteilungen organisiert, Kriegstheater zu studieren, Kenntnis von den Heereseinrichtungen und der Militärstatistik fremder Staaten zu nehmen, militärische Reisen, Rekognoszierungen und den Eisenba zu machen, die Truppentransporte auf den Ei dre gonz für den Fall einer Mobilmachung und für die Konzentration der Armee im voraus zu regeln, die Fortschritte und neuen Erfindungen im Kriegswesen zu beachten, die Militärlitteratur, besonders die kriegsgeschichtliche, gründlich zu verfolgen und zu bereichern, überhaupt sich auf der Höhe militärischer Intelligenz zu erhalten. Auch zu diplomatischen Sendungen werden Offiziere vom G. verwendet. Dieser umfassende Wirkungskreis fordert ein bedeutendes Maß von Kenntnissen und manche Enischose Eigenschaft, besonders Charakterstärke, Entschlossenheit, Takt und nicht selten auch Selbstverleugnung. Zur Heranbildung von Generalstabsoffizieren sind in einigen Armeen Anstalten errichtet „B. in Frankreich und Rußland. In Frankrei heißt der G. Corps d'état-major, während der Etatmajor-général die Generalität bezeichnet. Das erstere, welches früher ein in sich abgeschlossenes Korps bildete, das durch alle Grade durchlaufen wurde, ist durch das Gesetz vom 20. März 1880 wie in Deutschland eine Dienststellung geworden, in die Truppenoffiziere treten, um nach einigen Jahren in der Regel wieder in den Frontdienst zurückzukehren. Seine Bedeutung und jetzige Bestimmung hat der G. erst seit den Revolutionskriegen mit der Entwickelung des neuern Kriegswesens erhalten. Früher, wo alles einfacher war, leitete der Generalquartiermeister die Märsche; die wenigen ihm beigegebenen Offiziere bildeten den Generalquartiermeisterab, welche Benennung auch bei der erweiterten timmung dem G. einiger Armeen noch längere Zeit verblieben ist. An der Spitze des G. der Armee steht ein Chef; jedes Armeekorps hat einen Chef des G., mehrere Generalstabsoffiziere sind ihm, wie auch den Divisionskommandos beigegeben. Musterhaft in jeder Beziehung war König Wilhelms G. des Hauptquartiers unter Moltke organisiert. Eine Generalstabswissenschaft gibt es eigentlich nicht, denn alle Militärwissenschaften gehören in den Bereich des G., dagegen hat sich für die Generalstabsgeschäfte eine gewisse Norm herausgebildet, die oft litterarisch bearbeitet worden, z. B. von Bronsart von Schellendorf, Der Dienst des G. v (2 Bde., Berl. 1875—76). Außerdem vgl. Böhn, „Generalstabsgeschäften (2. Aufl., Potsd. 1876).