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NaturlehreBrockhaus 1882

Gerbsäuren nennt man insgemein diejenigen im Pflanzenreiche weitverbreiteten Verbindungen, welche sauer reagieren, zusammenziehend schmecken, mit Eisenoxydsalzen eine schwarze oder grüne Färbung geben, Leimlösung und die Lösung der Alkaloide (Chinin, Cinchonin, Strychnin u. s. w.) fällen und Tierhaut in Leder oder in eine lederähnliche Substanz überführen. Die G. der verschiedenen Pflanzen ist nicht identisch, ja es kommt sogar vor, daß gewisse Pflanzenspecies, z. B. Quercus, in der Rinde und dem Holze eine andere G. erzeugen als in den pathologischen, unter Mitwirkung eines Insekts entstandenen Gebilden, die man Galläpfel nennt. Die aus letztern gewonnene G., die auch noch in den sog. chines. Galläpfeln von Rhus semialata, im Sumach und chines. Thee sich findet, ist die Galläpfelgerbsäure oder das Tannin der Heilmittellehre (s. Gerbsäure). In wirtschaftlicher Hinsicht ist unter allen G. die wichtigste die G. der Eichenrinde, die in der sog. Spiegelborke oder Glanzrinde in der Menge von 10—15 Proz. sich findet. Sie ist das unentbehrliche Material zur Herstellung der bessern Sorten des loh⸗ oder rotgaren Leders und unterscheidet Durch der Galläpfelgerbsäure oder dem Tannin durch ihre große Beständigkeit und durch den Umstand, daß sie keine Gallussäure und keine Pyrogallussäure zu liefern vermag. Letztere Eigenschaft hat sie übrigens mit den meisten physiologisch im Pflanzenreiche vorkommenden G. gemein. Der G. der Eichenrinde ähnlich, aber nicht mit ihr identisch sind die G. der Rinde der Fichte, Tanne, Erle, Ulme, Roßkastanie, Weide und Buche; ferner die G. der Tormentille, von Polygonum bistorta. Letztere Arten von G. sind indessen noch wenig untersucht. Die im Sumach oder Schmack (den Blättern und Blattstielen von Rhus coriaria und Rhus typhina) vorkommende G. ist dem Tannin ähnlich. Die im Catechu, im Kino, in den Kaffeebohnen, in den unter dem Namen Dividivi im Handel vorkommenden Schoten der Caesalpinia coriaria u. s. w. sich findende G. ist von der in den Galläpfeln und den Rinden enthaltenen G. ebenfalls verschieden. Die sämtlichen G. mit Ausnahme der Galläpfelgerbsäure sind noch sehr wenig untersucht; sie bieten dem exakten Studium durch leichte Veränderlichkeit, sowie durch ihre Unfähigkeit, Krystallform anzunehmen, große Schwierigkeit, worauf es zurückzuführen ist, daß unsere Kenntnis derselben äußerst mangelhaft ist.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 7, S. 825Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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