Naphthalin, n. (Chem.), bildet sich, wenn organische Substanzen, wie Alkohol, Oele, Harze, bei lebhafter Rothglühhitze zersetzt werden. Hauptsächlich ist es im Steinkohlentheer enthalten und tritt häufig als lästiges Nebenprodukt bei der Gasbereitung auf. Gewonnen wird es durch Destillation des Steinkohlentheers. Chemisch verhält es sich ähnlich dem Benzol; mit Salpetersäure giebt es Verbindungen, in denen mehrere Aequivalente Wasserstoff durch ein oder mehrere Aequivalente Untersalpetersäure ersetzt sind und welche zu Zwecken der Färberei benutzt werden. 1. Gelb aus N. 1. Theil Nitro-N., 1. Th. kaustisches Kali, in möglichst wenig Wasser aufgelöst, und 2 Th. gelöschter Kalk geben ein Pulver. Dieses wird in einer tubulirten Retorte im Oelbad 10— 12 Stunden lang bis 140 erhitzt, dann herausgenommen; giebt an Wasser ein Kalisalz ab, welches gelb färbt. Säuren in geringem Ueberschuß zugesetzt, verwandeln die Lösung in einen dicken Brei, in dem ein schön gelber Körper sich abscheidet, die Nitroxynaphthalinsäure. Bildet mit den Alkalien gelbe, löslichekrystallisirbare Salze. 2. Violett aus Binitronaphthalin; man behandelt es mit konzentrirter Schwefelsäure, welche bei 300° C. es angreift. Die Lösung, welche kirschroth, zuletzt bräunlichroth wird, bringt werfung des Münzpalastes zu Paris (1768), als Contant d'Ivry bei Beginn der Magdalenenkirche, bes.aber Louis bei Erbauung des Theaters von Bordeaux, mit Erfolg dahin gestrebt, sich von den Schnörkeln des Rokoko frei zu machen. Dennoch war das Resultat nicht immer ein glückliches zu nennen. Die Magdalenenkirche, Fig. 2656, ist allerdings äußerlich reine Kopie eines spätrömischen Tempels, aber auch mit allen Fehlern dieser letzten Zeit der Antike. Die anderen Gebäude sind zwar des wildphantastischen Zopfschmucks entkleidet, zeigen aber noch immer jene Attiken, Balustraden, Stylobate, Bossagen etc., die, in ihrer Anordnung und in ihrem Verhältnis nichts weniger als der Antike entsprechend, in der Zeit des Barockstils zwischen die antiken Formen der Renaissance hineingeschoben worden waren, sich während der Herrschaft des Rokoko unter der überreichen Ornamentik versteckt hatten u. nun, dieses Schmuckes beraubt, in ihrer nackten Albernheit um so toller gegen die reinen Formen der Säulen und Gebälke abstechen. Aber man ging noch einen Schritt weiter. Gondouin begann 1774 den Bau der Medizinschule mit ionischen Säulen, über denen eine mächtige, schwere Attika thront. Die Hinterseite des Hofes schmückteine sechssäulige korinthische Tempelfront in edlen Verhältnissen. Peyre iglit / mothes 18835d3/0438 und Vailly erbauten 1789 das Theater des Odeon, s. Fig. 2655. Brongniart begann 1780 das Kapuzinerkloster an der Chaussee d' Antin mit dorischen Säulen, genau in den schwerfälligen Verhältnissen der Tempel von Pästum, eingeschoben zwischen fensterbesetze Mauern, die in Verhältnissen und Massenvertheilung total zopfig sind, wenn sie auch nicht mit Zopfornamenten besetzt sind. Die Revolution unterbrach diese Arbeiten. — Nach dem Sturz der Schreckensherrschaft wurde die ganze Organisation des Staates, der Gesellschaft etc. nach dem Beispiel der römischen Republikumgeschaffen. Der Kunst wurde dieselbe Bahn durch den Willen des neuen Cäsars angewiesen, der an David die geeignete Persönlichkeit fand, um seinen Willen ins Werk zu setzen. Auf dem Gebiet der Architektur hielten Percier u. Fontaine die Zügel in den Händen. Ihre ersten Arbeiten waren Möbel u. Stoffmuster, dann folgten Säldekorationen und der Triumphbogen des Carrousel, eine ziemlich treue Kopie des Septimius Severus-Bogens in Rom; Lepére und Gondouin begannen 1806 die Vendömesäule, eine Nachahmung der Trajanssäule; Brongniart 1808 die Börse (s. Fig. 2658); kurz, alle damals begonnenen öffentlichen Gebäude waren Nachahmungen römischer Bauten Aber es fehlte diesenNachahmungen eben das, was allen Nachahmungen zu fehlen pflegt, der Reiz des Direkten, Originalen, und wo solches versucht wurde, wie an dem dem 1806 begonnenen Are de I'Etoile, doch der Reiz des Poetischen; s. Fig. 2657. Sie erscheinen nüchtern und lassen kalt. Auch die im Bau stehen gebliebene Magdalenenkirche wurde nach einem neuen, von Vignon herrührenden Projekt neu begonnen, als Ruhmestempel für die Armee; nach dem Sturz Napoleons wurde zwar das Innere nach veränderten Plänen ausgebaut, aber das Aeußere ist nach dem Plan von 1806 vollendet, s. Fig. 2656. 1808 wurde die Börse angefangen nach Plänen Brongniarts. Die Privatarchitektur folgte dem Beispiel, das durch die öffentlichen Bauten gegeben war. Aber hatte bei letzteren wenigstens die Größe der Dimensionen und der volle Säckel des Staats Gelegenheit gegeben, etwas Großartiges zu schaffen, so mußte die antike Form bei den Privatbauten in kleinen Verhältnissen und bei einfacher, oft ärmlicher Ausführung vollends allen Reiz verlieren. Dazu kam noch der Mangel an wirklichem Verständnis des innern Wesens der Antike; man kopirte eben nur die einzelnen Formen und stellte sie oft in unbegreiflichunorganischerWeise zusammen. Scheitrechte Fenster mit gerader Verdachung sitzen in Rundbogenblenden, an Stelle der Pilaster stehen ganz flache und breite Lisenen etc.; kurz, es ist niemals so schwer gegen den Geist der Antike gesündigt worden als in dieser Zeit, wo man meinte, sie ganz rein zu verwenden. Glücklicherweise überlebte dieser Stil das Kaiserreich nicht lange. Die in DeutschlandunterSchinkel u. A.wiederaufblühende Anwendung griechischer Formen einestheils, anderntheils die in ungefähr derselben Zeit beginnende Wiederanwendung romantischerStilformen verdrängte jene nüchternste aller nüchternen Bauweisen bald vollständig.